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PHILIP LYNOTT – The Story Of My Life (8 CD Box)

2026 (Mercury) - Stil: Hard Rock / Rock / Pop / Wave

Angesichts der zunehmenden Häufigkeit von THIN LIZZY-Veröffentlichungen wurde Philip Lynotts Solowerk nun – und das zu Recht – auch mit einem 8-CD-Box-Set gewürdigt.

Was auffällt beim Auspacken, ist die spartanische Aufmachung. Jeweils eine aufklappbare Karton-Box mit ein paar Liner-Notes bei den CDs ist alles. Und ein ziemlich kleines Booklet mit der Historie von Philip, wie bei einer Einzel-CD. Und das für 90-100 Euro. Wenn ich da an die großartige ´Rock Legends´ Box von THIN LIZZY denke, ist das ziemlich schäbig. Oder vielleicht ja steigende Lebenshaltungskosten. Na ja.

Aber es geht ja vor allem um die Musik. Und die ist großartig. Und da gibt es nichts zu kritisieren. Natürlich besitzen eingefleischte Sammler wie ich bereits das Meiste von der Hälfte dieser CDs bereits auf CD oder in Form von Vinyl-Singles und -Maxis.

Von besonderem Interesse ist das Album ´Fatalistic Attitude´, das ursprünglich eigentlich als Philips zweites Solo- Album gedacht war und zeitgleich zum Boxset auch auf Vinyl erschienen ist (siehe separate Besprechung) – sowie die Demos und Rehearsal-Aufnahmen auf den letzten drei CDs. Und die sind wirklich überzeugend.

CD 1: ´Solo In Soho´

Philips erstes Soloalbum. Schon mit einer großen Bandbreite an Songs und Musikern. Klassiker. Nichts Neues.

CD 2: ´Fatalistic Attitude´:

Wird an anderer Stelle besprochen (Vinyl-Ausgabe).

CD 3: ´The Philip Lynott Album´

Das Album, was letztendlich als offizielles zweites Album veröffentlicht wurde. Etwas mehr an den Zeitgeist angepasst und insgesamt für mich ein wenig schwächer als ´Solo In Soho´. Trotzdem ein weiterer Beweis für die unglaubliche Varianz und Wandlungsfähigkeit von Philip Lynott.

Das funkige ´Together´ wurde zum ursprünglichen ´Fatalistic Attitude´ ergänzt und die ´Yellow Pearl´ Version fehlt hier, ist dafür auf der nächsten CD enthalten.

CD 4: Non-Album Mixes, B-Sides & Official Rarities

Das Meiste war schon auf Singles und Maxis zu haben. Wer hat das aber schon (na ja, ich). Es startet mit vier ´Yellow Pearl´ Versionen (die letzte mutierte mit 21 Sekunden Länge zur offiziellen Erkennungsmelodie der beliebtesten Hitparaden-Sendung im britischen TV ´Top Of The Pops´).

Nach den zwei ´Together´ Mixes kommen die beiden unterbewerteten Klassiker, die es nur auf B-Seiten schafften. ´Somebody’s Else’s Dream´ (B-Seite von ´Together´) und das unter anderem mit Brian Downey geschriebene und eingespielte ´Beat Of The Drum´ (B-Seite von ´Old Town´). Großartig. Beide. Mit die stärksten Solo-Songs von Philip.

Das funkige und poppige ´The Lady Loves To Dance´ im Gesangsduell mit R&B-Sänger und Songwriter Junior Giscombe folgt in zwei, bisher nicht offiziell veröffentlichten, Versionen (war wohl mal als Single vorgesehen). Philip Lynott „The Rocker“ in der Disco. Klasse. Vier Mixes von Philips letzter Single ´Nineteen´ beenden diese interessante vierte CD.

CD 5: Duets & Guest Appearances

Bekanntes mit Gary Moore wie ´Parisienne Walkways´ oder ´Spanish Guitar´ (wo Gary nach dem Streit nach der abgebrochenen „Black Rose“-Tournee Philips Gesangsspuren durch seine ersetzte, nur in Norwegen wurde das vergessen) und John Sykes gibt es.

Aber auch ´Tennessee Stud´ mit Terry Woods von der gleichnamigen seltenen Single ist hier enthalten. Philips ´Tribute To Sandy Denny´ und auch alle Songs, die Philip bei Gary Moore beigesteuert hat, inklusive der letzten Live-Versionen (ursprünglich auf Doppel-Singles) 1985 mit Gary. Viele Schmuckstücke, aber schon irgendwo veröffentlicht.

CD 6: Demos 1

Bei den Demos wird es nicht nur für Hardcore Supporter (wie mich) interessant. Alles bisher unveröffentlicht. Im Netz schwirrte vieles davon herum. Oft mit den LIZZY-Musikern oder befreundeten Musikern, manchmal auch alleine mit Drumcomputer aufgenommen.

´Reggae 2´ ist die Urversion von ´Talk ’79´, dem letzten Song von ´Solo In Soho´. Witzige, spontane Lyrics. ´Tattoo´ sehr basslastig und ohne Huey Lewis‘ Mundharmonika.

´Ode To A Black Man´ etwas rauer und härter von der Gitarre und in der ersten Strophe mit anderen, weniger politischen Lyrics. Interessant auch ´Something’s Going On´ und das ´Parisienne Walkways-Demo´ mit weiterer sanfter, instrumentaler Unterstützung von Huey Lewis.

Der harte Blues Rocker ´Bad Is Bad´ und ´The Story Of My Life´ ist ein weiterer Beweis von Philips Songwriting Qualitäten. Sehr stark. Beide in der kompletten THIN LIZZY-Besetzung mit Snowy White aufgenommen. Hätten auch auf ´Renegade´ gepasst (Snowy und Darren hatten nie den Überblick, für welches Album sie gerade aufnahmen).

Auch das rhythmische ´Catholic Charm´ im tollen Sound. ´Dirty Old Town´, eine Coverversion von THE POGUES, klingt 100% nach irischer Arbeiterklasse. ´Sweet Samantha´ – auch durch Bootlegs bekannt – ist ein schönes Liebeslied.

Nach zwei Demo-Versionen bekannter Songs folgt die wunderschöne, noch nicht offiziell veröffentlichte, opulente und sentimentale Ballade ´For Always´ von Philip im Alleingang eingespielt. ´Mystery Aka I Hear You Call´ beschließt die CD mit poppiger und etwas fragmentarischer Synthie-Musik und hohem Gesang von Philip. Erstaunlich.

Dass ich das noch erleben durfte. Ein ganzes Dutzend großartiger Songs, erstmals veröffentlicht.

CD 7: DEMOS 2

Genauso spannend geht es hier weiter. Nach zwei weiteren interessanten ´Together´-Versionen (die Lyrics in der ersten Version klingen autobiographisch im Hinblick auf Philips drohende scheiternde Ehe) und einem „Extended Mix“ vom starken ´Beat Of The Drum´ (das im Prinzip textlich das gleiche brutale Thema behandelt, wie die THIN LIZZY B-Seite ´Don’t Play Around´ von 1980).

Weitere bisher unbekannte Songs, bei denen vor allem Guy Isodore an der Gitarre, Jerome Rimson am Bass und Darren Wharton an den Keyboards beteiligt waren. ´Someone’s Out To Get Ya´ ist zwischen Wave und fließendem Rocksong mit kehligem Gesang. Ähnlich das coole, aber noch etwas fragmentarische ´I’ve Heard Lately´.

Das sehr starke ´Blue Parris´ mit weiblichem und männlichem Geflüster und dramatischem Gesang ein weiterer Höhepunkt. Spannend, dass Lyrics benutzt wurden, die Philip später in ´The Sun Goes Down´ auf THIN LIZZYs ´Thunder And Lightning´ nutzte.

Dann kommen GRAND SLAM-Demos, stark abgemischt von Dauerbegleiter Richard Whittaker. Das treibende ´I Don’t Need This´ wäre auch als THIN LIZZY-Song auf ´Renegade´ durchgegangen. Auch ´Crazy´ ist ein Hard Rocker, der zeigt, dass Philip das Songwriting nicht verlernt hatte.

Das harte, etwas eintönige ´Hot And Spicy´, die lange Frühversion von ´Dedication´ und das geniale ´Harlem´ folgen, endlich in gutem Sound. Schade, dass nicht weitere GRAND SLAM Titel wie ´Crime Rate´ oder ´Sisters Of Mercy´ berücksichtigt wurden.

Dann drei Songs aus der letzten Session mit Huey Lewis und seiner Band. Eher Richtung Soul. ´I’m Still Alive´ zeigt, welche Power auch der späte Philip Lynott noch hatte. ´One Wish´ ist die Weiterführung von ´Harlem´.

CD 8: Solo Band Rehearsals (1982)

Auf CD 8 gibt es noch diverse bekannte Tracks der beiden offiziellen Solo-Alben als Rehearsals von 1982. Mit den großartigen Jerome Rimson am Bass, Gus Isodore an der Gitarre. Mark Nauseef am Schlagzeug und Darren Wharton an den Keyboards neben Philip (Gesang, Bass, Gitarre).

Ganz interessant, wenn natürlich nicht so spannend wie die „neuen“ Songs. Obwohl auch die fünfte Version von ´Together´ zum Beispiel hörenswert bleibt. Oder ´Kings Call´ ohne Mark Knopfler natürlich ganz anders klingt (nicht so magisch). Und immer mit viel hörbarem Spaß wie bei ´The Man’s A Fool´. Auch ´Tattoo´ und ´Girls´ (klingt rockiger) bekommen neue musikalische Aspekte.

Insgesamt sind die sieben Stunden und 98 Songs wirklich großartig durch die vielen unveröffentlichten Songs und das sehr gute Mastering vom inzwischen dauerhaft mit THIN LIZZY beschäftigten Richard Whittaker.

Eine Investition, die nicht nur für THIN LIZZY-Supporter lohnend ist. Die Box zeigt einmal mehr das beeindruckende Songwriting-Talent und die hohe Varianz an Musikstilen des Genies Philip Lynott, der der Musikwelt noch so viel zu bieten gehabt hätte.

Das erstaunlichste bei Philip: Ob Pop, Wave, Soul oder Hard Rock. Alles klingt bei ihm authentisch und nie aufgesetzt. Und er harmonierte mit einer Unzahl an Musikern und ließ sich auch immer von ihnen beeinflussen. Und alte Kameraden wie Brian Downey sorgten für eine hochkarätige Umsetzung, wenn sie beteiligt waren. Großartig.

(Klassiker und unveröffentlichtes Historisches)

https://www.facebook.com/ThinLizzyOfficial


Cover-Artwork: „The Story Of My Life“
(8CD Boxset) von Phil Lynott
(Verpackungsdesign & Layout: Universal Music Art-Department /
Archiv-Fotografie: Denis O’Regan u.a. /
© 2026 Mercury Records / Universal Music Recordings)

 

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