
SCRAPER – Infinite Journey
2026 (Independent/Metalloscope Music) - Stil: Thrash/Prog/Death Metal
SCRAPER gehören zu diesen Bands, die sich über Jahre langsam festbeißen, statt sich mit halbgaren Schnellschüssen in die Szene zu drängen. Seit 2016 arbeitet sich die Formation aus Marl durch die deutschen Clubs, teilte Bühnen mit DISILLUSION, EXUMER, TANKARD oder HOLY MOSES und entwickelte aus klassischem Thrash Metal zunehmend ein komplexeres, düsteres Klangbild. Schon das Debüt ´Hunger Within´ ließ erkennen, dass das Quintett keine reine Retro-Thrash-Band sein wollten. Mit ´Infinite Journey´ gehen Tobias Wimmer, Sebastian Lück, Simon Royal, Ralf Schoenberg und Carsten David nun deutlich weiter und verbinden Progressive Thrash, Death Metal und Science-Fiction-Erzählung zu einem mächtigen Album.
Die Geschichte hinter dem Album kreist um ein künstlich erschaffenes Wesen, das durchs Universum reist, Wissen sammelt und langsam ein eigenes Bewusstsein entwickelt. Was zunächst wie klassische Sci-Fi klingt, bekommt im Verlauf des Albums beinahe philosophische Schärfe. Aus Beobachtung wird Kontrolle, aus Erkenntnis Hybris, aus Neugier Vernichtung. SCRAPER erzählen diese Geschichte allerdings nicht mit übertriebenem Konzeptballast oder pathetischen Spoken-Word-Spielereien, sondern direkt über die Musik. Die Songs tragen die Handlung in ihren Stimmungen bereits in sich.
Der Opener ´The Infinite Journey´ öffnet das Tor zu einem massiven Prog-Thrash-Gebilde. Carsten David wechselt zwischen aggressiven Thrash-Shouts und einem rauen, beinahe erzählerischen Tonfall. Man hört früh diese leichte VOIVOD-Schlagseite heraus, allerdings deutlich moderner produziert und schwerer im Sound. ´Hunger Within´ feuert ein scharfes Thrash-Riff nach dem anderen aus den Boxen. Die Nummer erinnert stellenweise an frühe KREATOR, bricht aber immer wieder in progressive Zwischenpassagen auf, in denen sich plötzlich melodische Leads zeigen. Genau diese Mischung aus technischer Finesse ohne Selbstzweck zeichnet SCRAPER aus.
´Progenies Of The Void´ schleppt sich erst in einem düsteren Midtempo voran, ehe der Song immer aggressiver wird. Dazu dieses kalte, leicht dissonante Riffing, fast schon ein bisschen alte CORONER-Schule. Dagegen ist ´Epitome Of Obliteration´ ein echtes Riff-Monster, bei dem sich schnelle Thrash-Attacken mit abrupten Breaks abwechseln. ´Cold Resistance´ arbeitet mit Atmosphäre und elektronischen Einschüben, ehe die Band den Song mit voller Wucht explodieren lässt. ´Anatomy Of Devastation´ klingt wie ein technischer Death-Thrash-Koloss. Schweres Riffing, tiefe Growl-Einschübe und diese wuchtige, leicht mechanische Gewalt, die perfekt zum Science-Fiction-Konzept passt.
´March Of The Shattered´ marschiert tatsächlich wie ein zerstörter Kriegszug durch verbrannte Planetenlandschaften. Man sieht beim Hören förmlich zerfallene Städte und glühende Stahlgerippe vor sich. ´Battleborn´ setzt vielmehr auf hymnische Elemente. Carsten David variiert seinen Gesang hier deutlich stärker und bringt eine fast klassische Heavy Metal-Färbung hinein. Das fast neunminütige Finale ´Inheritance Of The Grand Design´ fährt anschließend noch einmal pogressive Passagen, aggressive Thrash-Attacken, melodische Gitarrenläufe und rhythmische Wechsel auf. Besonders gelungen ist dabei die letzte Passage, in der SCRAPER musikalisch andeuten, dass dieser Kreislauf aus Wissen, Macht und Zerstörung niemals endet.
Auch optisch ziehen SCRAPER das Konzept konsequent durch. Das Artwork wirkt wie eine verlorene Illustration aus einem dystopischen Science-Fiction-Roman der frühen Achtzigerjahre und passt perfekt zur Musik. „Metalloscope Music“ veröffentlichen das Album als CD sowie in mehreren schicken Vinyl-Varianten.
Beeindruckend bleibt vor allem, wie selbstverständlich SCRAPER ihre Einflüsse bündeln. VOIVOD, frühe KREATOR, progressive DEATH-Metal-Strukturen, sogar einzelne Anklänge an DISILLUSION oder CORONER tauchen immer wieder auf, ohne dass die Band jemals wie eine Kopie wirkt.
Viele moderne Konzeptalben scheitern daran, dass die Geschichte größer ist als die Songs. SCRAPER vermeiden genau diesen Fehler. Die Musik trägt das Album jederzeit selbst. Das Science-Fiction-Konzept verstärkt lediglich die Wirkung. Und genau deshalb funktioniert ´Infinite Journey´ als düsteres Prog-Thrash-Epos, als aggressives Metal-Album und als erstaunlich ausgereifte zweite Veröffentlichung einer Band, die sich für höhere Weihen empfiehlt.
(8,5 Punkte)



