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FREDDIE KING – Feeling Alright: The Complete 1975 Nancy Pulsations Concert

2026 (Elemental Music) - Stil: Blues

Freddie King, geboren in Texas, ist unter den drei Kings – B.B. King und Albert King – der Unterbewertete und am wenigsten Bekannte. Das hat auch damit zu tun, dass er leider bereits 1976 im Alter von 42 Jahren verstarb. Sein Einfluss und sein Talent sind aber auf jeden Fall auf dem Niveau der beiden anderen “Kings” oder anderer Legenden wie Muddy Waters oder Buddy Guy. Nur ging durch seinen frühen Tod so mancher Blues Boom leider an ihm vorbei.

Mein Zugang zum Blues waren – wie ich schon bei der sehr guten Ehrerbietung ´I Love Freddie King´ von POPA Chubby & FRIENDS darlegte – in frühen Jugend-Jahren die britischen Blues Rocker CHICKEN SHACK mit Stan Webb an der Gitarre und Christine Perfect, die dann zu FLEETWOOD MAC wechselte und dort als Christine McVie weltberühmt wurde. Und was spielten CHICKEN SHACK zu Beginn ihrer Karriere? Jede Menge Freddie King-Songs – seine kraftvollen Instrumentalstücke, die schon früh die Verbindung vom Blues zum Rock verfolgten und seine gesungenen Klassiker. Später integrierte Freddie auch andere Musikstile wie Funk und Soul in seine Musik. Er hatte eine extrem breite Begabung, auch wenn sein Herz immer dem Blues gehörte.

´FREDDIE KING – Feeling Alright: The Complete 1975 Nancy Pulsations Concert´ wurde ein Jahr vor seinem plötzlichen Tod 1976 aufgenommen und jetzt liegt die erste offizielle Veröffentlichung des kompletten Konzerts vor. Aufgenommen am 10. Oktober 1975. Schon zum “Record Store Day” als 3-LP und jetzt auch als Doppel-CD veröffentlicht. Freddie war ein einflussreicher und visionärer Gitarrist, aber auch ein unverwechselbarer, gefühlvoller Sänger. Er hatte viel Soul in der Stimme. Und er war auch von großer physischer Präsenz und übertraf mit einer Größe von 1,95 Meter den kräftigen Albert King noch um zwei Zentimeter.

In Nancy spielte Freddie querbeet durch seine und andere Blues-Klassiker. Schüchternes Klatschen zu Beginn und schon beginnt der erste Klassiker ´Have You Ever Loved A Woman?´ von ihm selbst geschrieben. In der Besetzung Piano, Orgel, Rhythmusgitarre, Bass und Schlagzeug. Und natürlich die mächtige Gitarre von Freddie. Und da der Eröffnungssong 17 Minuten lang ist, werden in aller Ruhe erst einmal die fünf Mitmusiker inklusive kurzer Soloeinlage vorgestellt, bevor Freddie auch mit seinem sensationellen Gesang nach zehn Minuten beginnt. Im Song werden allerdings auch unüberhörbar die Blues-Standards ´Rock Me Baby´ und ´The Sky Is Crying´ auch noch integriert, ohne dass das irgendwo genannt wird.

´Whole Lot Of Lovin’´ kommt als federnder Boogie. Im folgenden Medley hört man Freddies sehr kehligen Gesang, sehr variabel. ´The Things I Used To Do´ zeigt zum ersten Mal so richtig , wie viel Soul Freddie in seiner Stimme hatte. Klassiker folgen wie ´Messin’ With The Kid´ und die unverwüstlichen ´Goin’ Down´ und ´Stormy Monday Blues´ (sehr gefühlvoll). Das begeisterte Publikum gibt schon lange ein stark positives Feedback. ´That’s Allright´ zeigt einmal mehr die sanfte Seite von Freddie.

CD2 startet mit einem weiteren Medley und zeigt, welch rockigen Ansatz Freddie auch immer wieder verfolgte. Und dann einer der vielen Höhepunkte ´Sweet Little Angel´ über elf Minuten lang, geschrieben von B.B. King mit Jules Taub. Da dürfen auch noch einmal die Mitmusiker ran. Hier agiert Freddie wieder mit unglaublich viel Soul und Power in der Stimme und viel Gefühl in den Gitarrensaiten. 

Muddy Waters ´Got My Mojo Working´ schließt übergangslos an. Und dann ´Sweet Home Chicago´ vom Blues- Vater Robert Johnson als erste Zugabe, so ursprünglich wie möglich und trotzdem mit eigener Handschrift gespielt. Was soll da schiefgehen? ´Wee Baby Blues´ mit vokalistischer Unterstützung. Erstaunlich. ´Feeling Alright´, der dem Album titelgebende Song und vom vor einigen Tagen verstorbenen Dave Mason mit TRAFFIC aufgenommen, zeigt, wie wohl sich Freddie auch im Soul und Rock fühlte. Mit der Eigenkomposition ´You’re the One´ geht ein überragender Konzertabend zu Ende (Freddie zum Publikum; “Anybody understand the Blues – that’s for sure”).

Kaum zu glauben, dass Freddie sich schon im nächsten Jahr von dieser Welt verabschieden musste, die noch gerne viel Musik von ihm gehabt hätte.

Umso schöner, dass diese Aufnahme jetzt zusammenhängend und vollständig (1989 erschienen zwei Einzel-CDs mit fehlenden Aufnahmen, wie zum Beispiel dem langen Opener) erhältlich ist und einem die Ehre widerfährt, über gut zwei Stunden Freddie King zu hören. Wer ihn noch nicht kennt und Blues mag, hat hier einen großartigen Einstieg. Allen anderen muss ich sicher keine Empfehlung geben. “Pflichtkauf” (abgedroschen, aber schon lange nicht mehr genannt und selten so treffend wie hier)!

(Absoluter Blues-Klassiker eines Blues-Kings)

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