
MENACE – Wheel Of Spikes
2026 (Metal On Metal Records) - Stil: Power Metal
Alter, MENACE, “Quake Metal”, warum erinnere ich mich daran? Damals war ich Verkäufersklave bei einem norddeutschen Fachgeschäft für schwermetallene Musik und Schreiberling. Also hab ich die CD in der Hand gehabt, aber wo?
20 Jahre später, das zweite Album der Venezianer (aus jener norditalienischen Region stammen sie) erscheint auf “Metal On Metal Records” (das Label bleibt heimisch) und soll mich verzücken und mir mein Geld aus der Tasche locken. Womit? POWER METAL. Ich habe ja meine persönliche Ansicht, was POWERMETAL sein soll. Dazu zählen keineswegs die ganzen glattpolierten Edelrocker, bei denen man sofort weiss, wo der Hammer fällt. Im raueren Fall ist das Heavy Metal oder Melodic Metal.
POWERMETAL jedoch muss mehr, POWERMETAL muss roh und wuchtig, infernalisch, furios und kraftvoll sein. Ich spare mir jetzt, Bands zu nennen. Wer will, kann mich fragen. Also, echter Powermetal aus Italien, von denen ich ja eigentlich eher so schlüpfrig schlumpfigen Symphonic Speed ohne Metalgefühl gewohnt war. Die Tage der pseudometallischen Rüschenhemdträger sind gezählt. Die Flagge des Symphonic Epic Hollywood Metal mit Plastikproduktion liegt zertreten im Schmutz. Und darüber hinweg donnern MENACE.
Der eröffnende und sehr harte schrille Titelsong drückt ordentlich aufs Gaspedal mit verspielten Breaks. ´Satanizer´ ist treibender Heavy Metal mit sehr obskuren Vocals. Immer wieder geht es in hellsten Falsett Tönen zwischen eher grollendem Gesang an die Nerven. Ein paar mystische Chöre sind auch noch zu vernehmen. Aber der Gesang ist nicht der einzige coole Aspekt. Man könnte Vergleiche heranziehen, aber am Ende sind MENACE eben eine Band, die 20 Jahre nach den 80er Klassikern kam und ihre Einflüsse mitbrachte.
Jetzt ist es wieder 20 Jahre später und sie sind noch dabei, ganz vorneweg in der aktuellen Szene, wie ich finde. Immer wieder wechseln sie im weiteren Albumverlauf Tempi, bringen in straighte Headbanger Passagen proggig – frickelige Turns ein, haben zudem sehr eigensinnige Gesangsmelodien und bleiben aber immer catchy. Die satte, aber transparente und natürliche Produktion kommt den Songs und der absolut lustvollen Performance nur zugute. Hier hast Du keinen einzigen modernen Ton. MENACE sind sowas von 80er. Aber sie machen sich die Mühe, aus Einflüssen und nostalgischen Visionen Songs mit Substanz zu erschaffen. Das ist Liebe zur Musik.
Sie könnten locker als Amiband zwischen 1987 und 1990 durchgehen, hätten aber wohl damals schon kaum etwas gerissen. Dafür sind sie zu eigen und teilweise skurril. Und mir ist das Recht. Ich werfe mich voller Leidenschaft in das Gemenge aus Riffs, Soli und coolen Bassläufen. Und mir wird bewusst, wie jeder Song seine eigene Identität entfaltet. Ich erinnere mich nicht, ob die Band vor 20 Jahren schon so geil war. Aber sie sind es jetzt. Immer wieder im Rahmen des klassischen Powermetal die Sinne des Hörers mit kleinen Spielchen kitzelnd, dennoch stets so eingängig und einprägsam wie nur eben möglich. Diese Soli machen mich fertig. Mal blitzend von den Saiten geschreddert, dann wieder geordnet und melodisch erhaben vollzogen. Wenn gewisse 80er Helden das noch brächten, bliebe ich ihnen wohlgesonnen.
Mein Fazit lautet, checkt den Shop von “Metal On Metal Records” für sowas Schönes, wie MENACE, haut raus die Penunsen. Wieso? Jetzt erst Recht!!
(9 Punkte)



