
IN AEVUM AGERE – Ptolomea – Canto XXXIII
2026 (Metal On Metal Records) - Stil: Epic Doom
Mit ´Ptolomea – Canto XXXIII´ schließen IN AEVUM AGERE eine lang angelegte Konzeptreise ab, die tief in Dantes „Göttlicher Komödie“ verwurzelt ist und sich über Jahre zu einer in sich geschlossenen Tetralogie entwickelt hat. Bruno Masulli führt dieses Projekt als Komponist, Gitarrist und Sänger, unterstützt von Marcello D’Anna am Bass und Michele Coppola am Schlagzeug. Ergänzt wird das Ganze durch die Gastgitarren von Riccardo Napoli und Salvatore Romano, die vor allem im titelgebenden Epos zusätzliche Nuancen bescheren.
Im Mittelpunkt dieser finalen Reise des Konzeptes steht der Übergang aus der Hölle in Richtung Läuterung, ein Weg, der sich dramaturgisch eng an den Stationen von „Inferno“, „Purgatorio“ und „Paradiso“ orientiert. Das Album trägt diesen Weg auch in seiner musikalischen Entwicklung: schwere, tief gestimmte Passagen werden zunehmend von weiter gefassten, fast schwebenden Momenten abgelöst, ohne je den Boden unter den Füßen zu verlieren.
Der Einstieg über ´IX´ wirkt wie ein dunkler Eingangsbereich, der beim Öffnen des Tores urplötzlich den Wind hindurchpeitschen lässt. Es markiert die endgültige Grenzüberschreitung hinab in den neunten und tiefsten Kreis der Hölle und entzieht dem Geschehen jegliche Menschlichkeit. Dieses einführende Instrumental verzichtet bewusst auf Worte und dient als Moment des Innehaltens, bevor der Hörer vollends in die Welt der Verdammten eintaucht.
Das Zusammenspiel aus massiven Riffs und sich steigernder rhythmischer Härte zeichnet in ´The Avaricious And The Prodigal´ die qualvolle Sisyphus-Arbeit des vierten Kreises akribisch nach. Rastlose Bewegungen treffen auf schweres Gitarrenmaterial, das als musikalisches Äquivalent zu den Lasten fungiert, welche die Geizigen und Verschwender ewig gegeneinander stemmen müssen. Während die musikalische Struktur die Sinnlosigkeit dieser Plackerei spürbar macht, bilden die dynamischen Steigerungen die zunehmende Erschöpfung und die unterdrückte Wut der Verdammten ab – souverän zusammengehalten durch die Vocals von Bruno Masulli, der mit dramatischer Variabilität durch diese düsteren Szenen führt.
Nach der erdrückenden Starre des Abgrunds markiert ´Ascending´ den befreienden Wendepunkt des Albums. Die Musik löst sich aus dem klanglichen Gefängnis; die Gitarrenarbeit wirkt luftiger. Getragen von einem stetigen Vorwärtsdrang, untermalt die Dynamik den hoffnungsvollen Aufstieg aus der Tiefe. Es ist der Moment, in dem das Licht die Dunkelheit durchbricht und Bruno Masullis Gesang eine fast schon feierliche Erhabenheit gewinnt.
´Repentance (Antipurgatorio)´ verweilt in einer Zone des Wartens, in der die Verzweiflung der Hölle einer nachdenklichen Schwere weicht. Die Musik arbeitet mit elegischen Riffs, die die Atmosphäre des Vor-Fegefeuers perfekt einfangen. Es ist ein Song der inneren Einkehr, in dem sich die Idee der Läuterung in einer fast sakralen Melodieführung spiegelt. IN AEVUM AGERE zeigen, dass Epic Doom auch ohne Aggression funktioniert, indem sie den Prozess der Reinigung in eine ergreifende musikalische Form gießen.
In ´In Purgatorio´ treten die Gitarren entschiedener auf, während die markante Rhythmik und gezielte Gastsoli das Geschehen vorantreiben. Die Komposition wirkt fokussiert, als vertone sie Schritt für Schritt den beschwerlichen Aufstieg am Berg des Fegefeuers. Majestätische Melodiebögen begleiten den Übergang von der Pein der Hölle zur Hoffnung des Paradieses – die klangliche Darstellung einer Seele, die sich beharrlich in Richtung Licht emporarbeitet.
Einen besonderen Kontrast bildet ´Mundus Moriens´, das die Gegenwart in einen düsteren Spiegel stellt und den Blick auf eine sterbende Welt weitet. Die Musik fängt diese Endzeitstimmung mit erhabener Melancholie und prophetisch schweren Riffs ein. Als epischer Moment des Innehaltens thematisiert das Stück die Vergänglichkeit des Irdischen und schafft eine Atmosphäre des Abschieds, die gleichermaßen traurig wie majestätisch wirkt, bevor die Reise ihren spirituellen Endpunkt erreicht.
´Ptolomea´ fungiert als atmosphärisches Echo, das das Schicksal der gefangenen Verräter klanglich besiegelt. Kalte, schneidende Gitarrenfiguren zeigen sich in Solopassagen von Riccardo Napoli, Salvatore Romano und Bruno Masulli, die wie Stationen einer inneren Reise wirken. Diese instrumentale Reprise übersetzt die gnadenlose Kälte der Vorlage in eine beklemmende Klanglandschaft, bevor das Thema endgültig in eine fast unbewegte, frostige Starre kippt.
In ´The Earthly Paradise´ öffnet sich das Album zu einem deutlich helleren Klangbild und markiert die Ankunft an der Schwelle zum Himmelreich. Die bleierne Schwere der Hölle fällt hier endgültig ab. Die Musik wirkt lichtdurchflutet und die Gitarrenarbeit gewinnt eine fast ätherische Klarheit. Als klangliche Umsetzung des Gartens Eden überführt Bruno Masulli den mühsamen Aufstieg in eine triumphale, doch demütige Atmosphäre, die als harmonischer Übergang auf das finale, göttliche Licht vorbereitet.
Der abschließende Schritt in ´Empyreo´ führt in eine transzendente Weite, die sich deutlich von der bisherigen Schwere absetzt. Die gelösten Harmonien und die feierliche Schwerelosigkeit lassen das göttliche Licht durch majestätische Melodien greifbar werden. Hier erreicht die Quadrilogie ihr Ziel: Bruno Masullis Gesang strahlt eine finale Klarheit aus, die den Einzug in die höchste Himmelssphäre besiegelt und den Hörer mit einem Gefühl tiefer Erlösung in die Stille entlässt.
Was IN AEVUM AGERE auf diesem Album gelingt, ist die Verbindung aus klassischem Epic Doom und einer konsequent durchgearbeiteten Erzählstruktur, die sich eng an Dante Alighieris Vorlage hält. Die Gitarrenarbeit von Bruno Masulli bewegt sich dabei zwischen traditioneller Schwere und klar gesetzten melodischen Linien. Das Album ´Ptolomea – Canto XXXIII´ wirkt damit wie der Abschluss einer langen, sorgfältig aufgebauten Entwicklung, die sowohl musikalisch als auch konzeptionell konsequent zu Ende geführt wird.
Am Ende steht ein Werk, das sich nicht auf einzelne Höhepunkte reduzieren lässt, sondern als geschlossene musikalische Geschichte funktioniert, getragen von klarer kompositorischer Linie und einem deutlichen Bekenntnis zum erzählerischen Anspruch des Epic Doom.
(8,25 Punkte)
https://metalonmetalrecords.bandcamp.com/album/in-aevum-agere-ptolomea-canto-xxxiii
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