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COSMIC MINTS – Near Mint

2026 (Cosmic Mint / Record Jet) - Stil: Progressive, Soul, Psychedelic

Im Plattenhandel bedeutet „Near Mint“ fast neuwertig, kaum gespielt, ohne Kratzer. Für eine Band, die von den vergangenen Jahren beinahe aufgerieben worden wäre, ist das ein erstaunlich selbstbewusster Titel. Und vielleicht der ehrlichste, den sie finden konnte.

COSMIC MINTS aus Freiburg haben ihr Debüt ´Cosmic Mints´ 2020 veröffentlicht, im denkbar schlechtesten Moment. Keine Konzerte, wackelige Streams, viel Mühe für wenig Echo. Danach kamen Umbesetzungen, bis die Gründer zunächst als Quintett wieder zusammenfanden. Heute sind es sechs Musiker, und mit Attilio Ferrarese und Niclas Soddemann stehen zwei Gitarristen nebeneinander, was dem Sound spürbar mehr Schmackes verleiht. Wer so eine Durststrecke übersteht, spielt anders.

Aufgenommen wurde ´Near Mint´ in einem Keller, analog auf Band, in kaum mehr als einer Woche. Kein Klicktrack, kein nachträgliches Polieren am Rechner. Die Band nennt ihren Sound Psychedelic Fuzz & Roll, und unter diesem Etikett passt erstaunlich viel zusammen. Bluesrock trifft auf Soul, Hardrock auf progressive Umwege, und Julian Weyand legt Hammond‑ und Keyboardflächen darüber, die nach den frühen Siebzigern duften, ohne je angestaubt zu riechen. Dazwischen blitzen immer wieder elektronische Klangfarben auf, die verhindern, dass das Ganze im Retroschrank vermodert.

Die acht Songs lassen sich schwer festnageln, und das ist gewollt. ´Spanish C´ öffnet mit knapp über zwei Minuten als kurzer Auftakt, bevor ´Rollin‘ High´ den Verzerrer aufdreht und klarmacht, dass Fuzz hier mehr ist als ein Effektpedal. Von da an wechselt die Platte gern die Richtung. ´Y So Depressed?´ und ´For Now´ zeigen zwei ganz unterschiedliche Temperamente dieser Band, mal unruhig, mal schwebend, und ´Kill Me´ ballt die dunkle Energie der Platte zu einem ihrer stärksten Momente. Joey Ssymank und Sven Maurer halten dabei einen Groove, der den Ausflügen der anderen erst den nötigen Halt gibt, während Alexander Emmert mit seiner Stimme den Soul in diese Musik trägt. ´Turn Around´ dreht die Spirale weiter. Und dann ´Zatanaz´, ein Song, den es eigentlich gar nicht geben sollte. Weil die Aufnahmen schneller fertig waren als geplant, blieb Zeit übrig, und die Band nutzte sie, um eine lose Skizze zu Ende zu schreiben und gleich einzuspielen. Herausgekommen ist das ruhigste Stück der Platte, langsam und melancholisch, mit einer Stimmung wie am Ende eines langen Sommers. Manchmal entsteht das Schönste eben aus übrig gebliebener Zeit. Den Schlusspunkt setzt ´Heavy Nights´.

Perfekt ist das nicht, und es will auch gar nicht so tun. Wer eine stilistisch geschlossene Platte sucht, wird hier öfter aus der Kurve getragen. Diese Unruhe gehört aber zum Charme. COSMIC MINTS klingen vertraut, ohne berechenbar zu werden, und vor allem klingen sie wie eine Band, die wieder Freude daran hat, gemeinsam in einem Raum zu stehen.

Die limitierte LP lag schon Wochen vor dem digitalen Start in Freiburger Plattenläden, und die Band rief ihre Fans kurzerhand dazu auf, sich aufs Fahrrad zu schwingen. Analog aufgenommen und analog gehört, entfaltet ´Near Mint´ seine Wärme am besten auf dem Plattenteller, wo die Atmosphäre des Kellers den Raum füllt. Am 14. November 2026 holt die Band im E‑Werk Freiburg dann nach, was ihr 2020 verwehrt blieb, nämlich die erste echte Albumparty ihrer Geschichte.

(8 Punkte)

https://www.facebook.com/cosmicmints/


(VÖ: 21.10.2026)

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