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DARKTHRONE – Pre-Historic Metal

2026 (Peaceville Records) - Stil: Heavy Metal

Nachgezählt hab ich nicht. Recherche sagt mir, es ist das 22. Studioalbum von hauptsächlich Fenriz und Nocturno Culto (nach 1993). ´Soulside Journey´ wird 35. Was wollen die beiden alten Säcke (Fenriz Jahrgang 71, Nocturno Culto Jahrgang 72) noch? Aber ich bin verfallen, süchtig, seit 1992 treuer Fan. Ich habe es gekauft.

Und ich bin gleich sofort hellauf begeistert. Denn der kauzig kratzige Derbmetal der beiden Heavy Metal-Helden ist wie immer grandios. Nur Nuancen geben uns preis, daß die Platte wieder neu ist. Kompositorisch gibt es das übliche Spiel der letzten zehn, vielleicht fünfzehn Jahre. Schmierige Heavy-Passagen, Ted (aka Nocturno Culto) krächzt herrlich dirty und diabolisch darüber, Donnergott Fenriz wirbelt den Boden auf, mit seinem herrlichen Schlagzeugspiel, das mehr seinen Emotionen folgt, denn auf absolut präzise Technik gepolt ist. Der einzige Mann im extremen Metal, der noch so spielt, ist Legende Chris Reiffert von AUTOPSY und mit jenen US Helden, Vorbilder für DARKTHRONE, haben die Norweger ihr 70er Jahre Spiel, ihre rohen Punk-Einflüsse und die Liebe zur kriechenden Schwere gemein.

Eruptive Momente und Speedabritte gibt es trotzdem. DARKTHRONE verstehen sich darauf, ihre Songs in der Tiefe mit Substanz zu füllen, dabei kleine, fast versteckte, aber unheimlich packende Melodien zu schaffen, die eine Atmosphäre erschaffen, welche Dich komplett vereinnahmt. Dazu gehören Momente wie der ruhige, melancholisch verträumte und beinahe balladesk zu nennende Abschnitt im epischen Banger ´Siberian Thaw´. Hier finden sich Doom, Heavy Metal, 80er Black Metal und Uraltthrash, alles bekannte Zutaten, aber einfach in taufrischer Vereinigung. Genau das ist ihr großes Talent. Gegebene Werkzeuge nutzen, nach langer Tradition zu erschaffen, dabei immer die eigene Seele tief in die Kreation stecken. Hölle, ist das gut.

Ich kann mir die letzten zehn Alben nacheinander anhören und mich wegzaubern lassen, trotzdem bleibt der bestialische Hunger nach mehr von dieser Musik. Und das macht eine alte Legende mit bald 40 Jahren auf dem Buckel so gut. Die meisten Bands, die so lange aktiv sind, haben sich auf den Dienst nach Vorschrift geeinigt, vielleicht zwischendrin noch unnütze Experimente angestellt und somit ihre alten Fans enttäuscht und verprellt. DARKTHRONE hingegen haben sich eine Weile radikalisiert, danach dann für sich selbst einen Stil gefunden und den immer mit kleinen, aber bedeutsamen Facetten ausgeschmückt. Das ziehen sie jetzt mindestens 20 Jahre so durch und ich bleibe fasziniert und begeistert von jedem neuen Werk der Norweger. Wenn sie jetzt Mitte 50 sind und das noch weiter durchziehen, sind da noch mindestens 20 Jahre gute Musik zu erwarten. Die werden alle so sein, wie die letzten 20 Jahre. Sie werden erfüllt sein mit grimmigen manchmal etwas grantig wirkenden und doch sehr herzlichen und frei fließenden Hymnen des eher kauzig-derben Heavy Metal. Und das ist auch gut so.

10/10

https://www.facebook.com/Darkthroneofficial

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