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ZENI GEVA & STEVE ALBINI – Superunit: Maximum Implosion

2026 (Skin Graft Records) - Stil: Noise Rock/Sludge Metal/Industrial Metal/Progressive Rock/Experimental

Mit der zum “Record Store Day” erschienenen Doppel-LP ´Superunit: Maximum Implosion´ legen “Skin Graft” eine ebenso sorgfältig kuratierte wie klanglich überwältigende Rückschau auf die Zusammenarbeit von ZENI GEVA und Steve Albini vor. Im Zentrum steht das 1992 erschienene Album ´Nai-Ha´, ergänzt um seltene Zusatzaufnahmen sowie das rohe Live-Dokument ´All Right, You Little Bastards!´.

Das Ergebnis ist weit mehr als eine bloße Archivveröffentlichung: Diese Edition dokumentiert eine Phase, in der sich japanischer Noise Rock, Industrial-Ästhetik und radikaler Metal zu einer eigenständigen musikalischen Sprache verdichteten.

ZENI GEVA arbeiteten damals mit einer bemerkenswerten Präzision im Grenzbereich extremer Musik. Die Songs verbinden die monolithische Schwere früher SWANS mit der nervösen Zerstörungskraft von BIG BLACK.

KK Nulls Gitarrenarbeit oszilliert dabei zwischen massiven Sludge-Riffs, eruptivem Feedback und frei schwebenden Klangflächen, während Eitos Schlagzeugspiel selbst in den chaotischsten Passagen eine physische Wucht entwickelt.

Auffällig bleibt dabei die Dynamik von ´Nai-Hai´: Brutale Ausbrüche wie ´Shirushi´ oder ´Intercourse´ stehen neben beinahe atmosphärischen Stücken wie ´Angel´, das mit Steve Albini entstand und dessen kontrollierte, kantige Struktur deutlich dessen Handschrift trägt.

Albini erweist sich überhaupt als idealer Gegenpol zu ZENI GEVAs exzessiver Energie. Seine Gitarrenlinien verleihen den zusätzlichen ´Superunit´-Tracks eine fast postindustrielle Strenge, ohne die eruptive Gewalt der Band einzuschränken. Besonders ´Kettle Lake´ und ´Painwise´ zeigen, wie produktiv diese Spannung zwischen Kontrolle und Eskalation war.

Die Liveaufnahmen aus Tokio und Osaka schließlich fangen ZENI GEVA in maximaler Verdichtung ein: hochkomprimierter Lärm, schleifende Metal-Riffs, infernalisches Feedback und eine nahezu körperlich spürbare Intensität.

Trotz aller Härte verliert die Musik nie ihre strukturelle Klarheit. Gerade darin liegt die nachhaltige Qualität dieser Aufnahmen.

´Superunit´ führt eindrucksvoll vor Augen, mit welcher Konsequenz, Eigenständigkeit und formalen Radikalität Noise Rock zu Beginn der neunziger Jahre an seine Grenzen getrieben wurde – wobei Albini mit seinem trockenen, unmittelbaren Produktionsansatz und seiner präzisen, spannungsgeladenen Gitarrenarbeit entscheidenden Anteil an der klanglichen Wucht dieser Aufnahmen hatte.

Die Wiederveröffentlichung dieser “Record Store Day”-Edition erweist sich damit als ebenso überfällige wie eindrucksvoll zusammengestellte Würdigung einer außergewöhnlichen Zusammenarbeit.

(9,5 Punkte)

https://www.facebook.com/SkinGraftRecords

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