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GRAVETY – Of Cults And Chaos

2026 (Barhill Records) - Stil: Epic Metal, Doom Metal, Heavy Metal

GRAVETY kehren mit ´Of Cults And Chaos´ aus dem Untergrund zurück und setzen ihre Geschichte dort fort, wo sie zuletzt mit ´Bow Down´ einen deutlichen Schlenker in Richtung düsteren Epic Metal eingeschlagen hatten. Das dritte Album setzt dabei weniger auf klassische Heldenbilder, sondern taucht stärker in bedrohliche, schwer schwingende Erzählströme ein. Die Band aus dem Saarland greift erneut auf die Figur Cryptor zurück, jenes mythische Wesen, das bereits seit den frühen Tagen als kreative Triebkraft im Hintergrund steht und hier erneut den Ton vorgibt.

Schon der Einstieg mit ´Lament For The Unknown´ zieht den Hörer in ein Szenario, das stark von kosmischen Horrorbildern geprägt ist. Die gesprochene Initiierung erzählt die Geschichte einer Welt, die alte Grenzen hinter sich lassen wollte und nun mit den Konsequenzen konfrontiert wird. Der Bezug zu H. P. Lovecrafts Mythos um Cthulhu ist dabei eindeutig. Mit ´Cryptor’s Calling´ begibt sich die Band im Anschluss immer wieder in den Galopp. Der treibende Heavy Metal wird sowohl von einem heroischen Gesang als auch von Shouts im Refrain getragen. Die Figur des Cryptors erscheint als handelnde Macht, die sich über Mensch und Welt erhebt.

´The Forgotten Village´ verlagert den Fokus in Richtung okkulter Rituale und fanatischer Gemeinschaften. Die Gitarren wirken rauer, die Rhythmik orientiert sich wieder vermehrt am Doom, während der Gesang zwischen Erzählung und heroischer Beschwörung pendelt. In ´Bane In The Black Cloud´ tritt der doomige Charakter erst im Refrain konsequent hervor. Die Vocals bewegen sich dennoch durch eine düstere, fast zeremonielle Struktur. Der Bezug zu uralten, schattenhaften Kräften wird dabei konsequent weitergeführt.

´Cosmic Truth´ steuert das Album in Richtung psychologischer und metaphysischer Fragestellungen, basierend auf H. P. Lovecrafts Geschichte “From Beyond”. Musikalisch trifft ein Heavy Metal-Ansatz auf doomige Erhabenheiten, in denen die Vocals den Wunsch nach Erkenntnis und Überwindung menschlicher Grenzen formulieren. Mit ´Outpost 31´ greifen GRAVETY auf John Carpenters Film “The Thing” zurück und übertragen die paranoide Grundstimmung des Vorbilds in eine musikalische Form. Die Gitarren riffen unablässig und die Gesänge treten hymnisch empor. Das Misstrauen innerhalb einer isolierten Gruppe wird hierbei direkt in wechselnde Spannungsfelder übersetzt.

´Brotherhood Of Sleep´ führt diesen Ansatz in einem okkulten Kontext fort. Die Musik bewegt sich meist innerhalb von langsam aufgebauten Passagen, während die Geschichte von verborgenen Kulten und schlafenden Mächten erzählt wird, als direkte Anspielung auf die Sekte aus John Carpenters “Fürsten der Dunkelheit”. Das abschließende ´Into The Mouth Of Madness´ folgt einer klassischen Spannungsdramaturgie, die sich von ruhigen, fast orientierungslosen Passagen bis hin zu intensiven, schnellen Gitarrenphasen steigert. Die Anspielung auf John Carpenters gleichnamigen Film wird dabei in eine Erzählung über den Verlust von Realität und Kontrolle übertragen, die den Hörer am Ende in einem offenen, unsicheren Zustand zurücklässt.

´Of Cults And Chaos´ zeigt eine Band, die sich bewusst in dunklere Themenfelder bewegt und dabei ihre Verbindung aus Epic Metal und Doom-Elementen weiter ausbaut. Die Lovecraft- und Carpenter-Bezüge prägen Struktur und Stimmung der gesamten Veröffentlichung. Das Ergebnis ist ein Album, das auf erzählerische Tiefe und konsequent ausgearbeitete Songverläufe setzt. Insgesamt gelingt GRAVETY ein Werk, das ihre bisherige Entwicklung nicht nur fortführt, sondern in seiner Konsequenz deutlich präzisiert.

(8 Punkte)

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https://barhillrecords.de/shop/gravety-3rd/


(VÖ: 05.06.2026)

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