
VOMIT DIVISION – Hangover Highway
2026 (Metal On Metal Records) - Stil: Black Thrash
Auf zur zweiten Vollzeitrunde für den Bremer Recken Desmotes und seinem Projekt VOMIT DIVISION. Etwas entwickelt hat sich der Gute ja, aber die ungehobelte Kante des Debüts ´Hell In A Bottle´ mit einem stumpfen und doch hymnischen Ausdruck ist geblieben. Schöne klassische Speedmetalriffs, episch mystische Black Metal-Atmosphäre, traditionsbewusste Heavy Metal-Abritte, wuchtige Thrashkeulen, der gute Desmotes packt alles an und bringt es zusammen.
Für manchen Torwächter definitiv ein gen Purismus gewordener Fehdehandschuh, aber es macht Sinn. Riffs und Melodien sind natürlich irgendwo vertrautes Klanggut, da macht Desmotes auch keinen Hehl draus. Aber die Leidenschaft bei der Performance ist gigantisch. Die Soli sind einfach mörderisch. Gerade bei dem treibenden Blackthrasher ´Till Bones Will Shatter´, wo locker mit dem Bottleneck die Saiten entlanggeschrabbt wird und man ein gewisses Speedboogie Gefühl bekommt. Und das ist nur eines der vielen Details.
Desmotes versteht etwas von schmissig arrangierten Songs, die einfach Freude bereiten. Immerhin ist die Stimmung oft sehr gelöst und voll diabolischer Ausgelassenheit, aber bei aller dunkler Energie sind die Songs freundlich. Thrash bis Black Metal hin oder her, die Kotze Division peitscht Dich zur schieren Glückseligkeit. Ernsthaft und entschlossen, klar, aber der Augenmerk liegt textlich und atmosphärisch auf entfesselter Lebensfreude.
Desmotes faucht und grollt zumeist, übt sich beim etwas heroischeren ´Ritual Scars´ aber auch am rauen und ungehobelten traditionsmetalischen Klargesang und vorher beim zackig schwungvollen Mezalrock’n’roll ´Villains´ an mystifizierendem Sprechgesang. Das Gefauche ist aber die vorherrschende Variante. Mehr Thrash als Black Metal, aber schon die derbere Art dessen. Mir fällt auf, wie präzise hier gespielt wird. Hut ab für den guten Mann. Und das Schlagzeug scheint sogar echt zu sein. Respekt, was der alles kann. Für Konzerte heuert er dann Musiker an. So bleibt alles unter seiner Kontrolle.
Tja, ich sage mal, die Innovationspreise werden anderweitig vergeben. Aber die schiere Lebensfreude, der gewaltige Spaßfaktor und die catchy Songs machen diese CD so gut, dass ich sie im Bundle mit anderen Labelneuheiten mitbestellen musste. Ein Hit wie ´Panzerabwehr Rock’n’Roll´ muss sich noch herausbilden, aber das unglaublich geile, punkige ´Bad Decisions Make Good Songs´ hat definitiv das Zeug dazu.
Heavy Metal Punk, schmutzig, frech und hymnisch, welcher Höllenhund und Straßenköter könnte da widerstehen? Progmetallene Feingeister sollten vielleicht die Straßenseite wechseln. Oder den Wohnort.
Also, Desmotes spielt wieder sturzbesoffen wilde Sau und macht aus seinen schlechten Entscheidungen verdammt gute Songs. Sowas hätte 1992/93 die ganzen schwarzmetallischen Bösegucker und Satansbuben komplett zerfickt. Desmotes legt sein Herz offen und es schlägt für den Heavy Metal. Ob die CD jetzt für die Ewigkeit gebaut ist, muss sie in den Jahren, die Folgen werden, unter Beweis stellen. Als Adrenalinspritze für den Genuss des Augenblicks taugt sie bestens. Und melodischen Black Metal kriegt der Schöpfer hier auch noch perfekt hin. Da wären so manche Schweden, würden sie noch leben, durchaus angetan. Gerade bei ´Ritual Scars´ ist das eine grandiose zügellose Epik, die zwischen Heldenmetal und rasendem Black Metal eine Brücke schlägt und das kompositorische Highlight des Albums zeigt. Wobei natürlich ´Bad Decisions Make Good Songs´ mit seiner frechen Art einfach der schönste Song ist.
Aber nochmal… das hier ist gewaltiges Kino. Also weiterhin die Daumen hoch für VOMIT DIVISION. Mein Geld und meine Liebe seien Dir sicher, Bruder Desmotes.
(8,5 Punkte)



