
SQUAREPUSHER – Kammerkonzert
2026 (WARP) – Stil: Electronic/Jazz Fusion/DnB/Acid/Experimental
Mit ´Kammerkonzert´ verschiebt Tom Jenkinson sein SQUAREPUSHER-Universum erneut in ein Spannungsfeld, das weniger auf Genrewechsel als auf Neuverteilung von Materiallogiken hinausläuft.
Der Hintergrund der Entstehung – frühe Orchesterentwürfe, später verfeinert unter den Bedingungen einer Handgelenksverletzung und pandemischer Isolation – ist dabei nicht bloß Kontext, sondern hörbar in der Art, wie dieses Album Kontrolle und Fragmentierung gegeneinander ausspielt.
Jenkinson komponiert hier weniger „Tracks“ als Reaktionsräume, in denen Harmonie, Rhythmus und Klangfarbe permanent um Zuständigkeiten ringen.
Stücke wie ´K2 Central´ markieren die Schnittstelle seines klassischen Vokabulars aus Drum’n’Bass-Mechanik und jazznaher Bassarbeit mit einer orchestralen Expansionsbewegung, die sich eher an kammer-proggigen Großformen orientiert als an elektronischer Clubdramaturgie.
´K7 Museum´ wiederum wirkt wie eine verzerrte Erinnerung an barocke Instrumentierung, ein verspieltes, zugleich leicht fiebriges Tableau aus Cembalo und perkussiven Holzschlägen – näher an einer deformierten Theatermusik als an Zitatästhetik.
In seiner erzählerischen Unruhe erinnert das stellenweise an die grotesk aufgeladene Kompositionslogik von MAGMA oder UNIVERS ZERO, ohne deren Dogmatik zu übernehmen.
Der lange, schlagzeuglose Spannungsbogen von ´K5 Fremantle´ zeigt dagegen eine andere Seite: hier dominiert eine fast filmische Dunkelheit aus gestaffelten Streichern und räumlichen Echos, die weniger auf Auflösung als auf Schwebezustand zielt.
Am anderen Ende des Spektrums stehen die überdrehten, fast spielerisch übermotivierten Stücke wie ´K10 Terminus´ oder ´K13 Vigilant´, in denen Jenkinson seine rhythmische Zersplitterung in eine Art kontrollierten Überfluss überführt.
Dass sich dabei auch Referenzachsen zu Frank Zappa, Karlheinz Stockhausen oder Brian Eno andeuten lassen, ist weniger Zitat als strukturelle Verwandtschaft. Kammerkonzert bleibt damit bewusst instabil: ein Werk, das seine eigene Form nicht abschließt, sondern sie fortwährend neu zusammensetzt.
Nicht alles greift gleich präzise ineinander, und die Überfülle an Material verlangt Konzentration statt Hintergrundhörbarkeit. Gerade darin liegt aber die Konsequenz dieses Albums. Jenkinson riskiert Reibung, wo andere glätten würden, und findet in dieser Unruhe seine aktuelle Sprache.
(8 Punkte)



