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TWIST OF FATE – Songs From The Attic

1996-2020/2026 (Arkeyn Steel Records) - Stil: US Melodic Prog Metal

Wer glaubte, mit ´Only When It Rains´ seien die Archive von TWIST OF FATE im vergangenen Jahr endgültig geleert worden, darf jetzt staunen. „Arkeyn Steel Records“ haben noch einmal in den Kisten der Band aus Akron, Ohio, gekramt und mit tatkräftiger Hilfe von Gitarrist und Mastermind Nick Giannakos weitere Schätze geborgen. ´Songs From The Attic´ heißt die Ausbeute, und sie erzählt die Geschichte dieser Band in drei Kapiteln.

Wer sich im US Metal‑Underground der Neunziger auskennt, weiß, dass in dieser Band einiges an Erfahrung steckte. Ihre Mitglieder spielten auch bei MEDALYON, BEYONDÉVON, WRETCH, BREAKER, DESTRUCTOR oder GRAVEN IMAGE, und in ihrer Heimatregion hatten TWIST OF FATE damals einen ausgezeichneten Ruf. Offiziell erschienen ist von ihnen trotzdem nur eine einzige Scheibe, die selbstbetitelte Mini‑CD von 1998. Gerade einmal 200 Stück wurden davon gepresst, und die waren schneller weg, als man „Ohio“ sagen kann. Achtundzwanzig Jahre später ist sie hier endlich wieder vollständig zu hören, dazu das nie veröffentlichte Demo von 1996 und zwei Songs, die ein ganz eigenes Schicksal hatten.

Den Anfang machen nämlich zwei Stücke, die schon 1998 geschrieben, aber erst 2020 im „Wretch Bargain Studio“ in Warren, Ohio, aufgenommen wurden. John Stafford singt, Brian Glodde spielt Bass, Jeff Curenton sitzt am Schlagzeug, und Walter Wise steuert Keyboards und Samples bei. ´Savior´ erzählt von einem Verführer, der sich von der Menge anbeten lässt und dabei an ihren Fäden zieht. Die Gitarren von Nick Giannakos schneiden präzise, und der Refrain bleibt sofort hängen. ´I Won’t Wait´ ist zugänglicher und rhythmischer, ein Abschied von jemandem, der nur Schuld verteilt, und Stafford singt ihn mit spürbarer Entschlossenheit. Dass diese beiden Songs so lange in der Schublade lagen, überrascht, denn sie brauchen sich hinter dem älteren Material der Band keineswegs zu verstecken.

Dann aber folgt das Herzstück, die Mini‑CD von 1998, aufgenommen im „Gettysburg Address Studio“ in Akron. Neben Stafford, Glodde, Giannakos und Curenton ist hier Christopher Michael an Gitarre und Keyboards dabei. Er produzierte die Platte gemeinsam mit der Band und nahm sie zusammen mit Walter Wise und Jeff Curenton auf. ´Second Look´ ist vertrackt und verspielt und dreht sich um blinden Glauben und Worte, die das Gegenteil dessen meinen, was sie sagen. Wer FATES WARNING in ihrer späten Achtziger‑Phase liebt, fühlt sich hier sofort zu Hause. ´Only When It Rains´ erzählt von einem einsamen Mann, der auf sein Leben zurückblickt und spürt, wie der Schmerz mit jedem Regen zurückkehrt. Auf dem im letzten Jahr veröffentlichten Album lief der Song rund acht Minuten, hier entfaltet er sich in seiner fast elfminütigen Fassung, und man versteht, warum er immer wieder das Zentrum der Band bildete.

´Season Of Change´ ist ein Befreiungsschlag, das Lied von jemandem, der seine Ketten zerreißt und nach vorn blickt. ´Forever Mine´ schlägt danach einen dunklen Ton an, ein Lied über eine geliebte Frau, die viel zu früh gegangen ist, und trotz aller Schwere bleibt die Hookline im Ohr. ´Peaceful Pain´ führt ans Meer, wo die Wellen an Verlorenes erinnern, und zeigt die Band über fast acht Minuten von ihrer ambitioniertesten Seite, ohne dass die Melodie dabei unter die Räder kommt. Am Ende steht das zweiteilige ´Shallow´. Der erste Teil ist ein kurzes Instrumental, das die Bühne bereitet, ehe der zweite mit einer Abrechnung über Oberflächlichkeit und Vertrauen den Bogen schließt.

Die letzten sechs Stücke diese Kompilation stammen vom Demo aus dem Jahr 1996, aufgenommen und abgemischt von Billy Morris in seinem Studio in Cleveland. John Stafford kam erst 1997 zur Band, und so stand damals noch Greg Wagner am Mikrofon, während Dennis Hayes den Bass spielte. Mit Giannakos und Curenton war der Kern der Band aber bereits beisammen. Offiziell erschienen ist dieses Demo nie, nur ein paar Kopien gingen unter Freunden von Hand zu Hand. Hier klingt alles rauer und näher am klassischen US Metal der Achtziger. ´Season Of Change´ ist in seiner Urfassung zu hören, und der direkte Vergleich mit der Version von 1998 gehört zu den spannendsten Momenten dieser Compilation, denn zwei Sänger geben dem selben Song zwei ganz verschiedene Gesichter. ´Beggar And Thief´ stampft wütend gegen eine Gesellschaft an, in der die Armen auf der Straße landen und die Reichen ungestört bleiben. ´Galaxies Of Love´ entwirft eine düstere Zukunftsvision rund um die Jahrtausendwende, in der Supermächte nahe der Adria aufeinanderprallen, und träumt sich trotzdem in die Sterne. ´Power In My Soul´ ist eine schnelle Kampfansage voller Trotz, ´Eternal Flame´ erzählt vom Aufbruch aus der Kleinstadt und einer Liebe, die jede Tour übersteht. Zum Schluss greift ´Wounds That Never Heal´ ein schweres Thema auf, häusliche Gewalt und die Kinder, die darunter leiden. Ein ernster, eindringlicher Ausklang.

Wie schon beim Vorgänger hat Kostas Scandalis im „Infinity Studio“ in Thessaloniki alle Aufnahmen remastert. Dabei lässt er jeder Phase ihren eigenen Charakter, vom rauen Demo bis zur jüngsten Aufnahme, und sorgt trotzdem dafür, dass die Bänder aus über zwanzig Jahren frisch und kraftvoll klingen. Das Booklet enthält alle Texte und eine Menge unveröffentlichter Fotos, die CD ist auf 500 handnummerierte Exemplare limitiert.

´Songs From The Attic´ ist keine Restverwertung, sondern eine liebevoll zusammengestellte Zeitreise durch die Geschichte einer Band, die es bereits damals verdient hätte, von mehr Menschen gehört zu werden. Zusammen mit ´Only When It Rains´ ergibt sich nun ein weitgehend vollständiges Bild von TWIST OF FATE. Und wer weiß, vielleicht steht in diesen Archiven ja noch eine weitere Kiste.

(8,5 Punkte)

https://www.facebook.com/ArkeynSteel/

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