PlattenkritikenPressfrisch

ANGER MGMT. – Anger Is Eternal

2026 (Noisolution/Edel) - Stil: Post Punk / Alternative Rock

Mit ´Anger Is Eternal´ legen ANGER MGMT. den lange erwarteten Nachfolger zum Debüt ´Anger Is Energy´ vor und wirken dabei deutlich vielseitiger. Das Trio aus Winterthur bleibt seiner Grundidee treu, Wut als treibende Kraft zu begreifen, richtet den Blick diesmal jedoch noch direkter auf die eigene Innenwelt. Sänger Nik Petronijevic steht dabei weiterhin im Zentrum, sowohl als Stimme als auch als Erzähler, der seine Erfahrungen mit Angststörungen und Depressionen offen in die Songs überführt und ihnen damit eine spürbare Schwere verleiht, die nie aufgesetzt wirkt.

Die Entstehung des Albums fällt in eine Phase, in der persönliche Rückschläge und gesellschaftliche Spannungen eng ineinandergreifen. Nik Petronijevic spricht offen über das Gefühl, Fortschritte wieder zu verlieren, über Rückfälle, über dieses zähe Kreisen in bekannten Mustern, das sich durch viele Texte zieht. Diese Ehrlichkeit prägt die gesamte Platte, während gleichzeitig die Zusammenarbeit innerhalb der Band enger geworden ist. Der Einfluss von Simon Hirzel im Songwriting bringt zusätzliche Schärfe in die Arrangements, während Produzent Yvo Petrzilek den Sound bewusst roh ausarbeitet.

Musikalisch bewegt sich das Album zwischen Post Punk, Noise Rock, Grunge und klassischem Punk, wobei die Stücke deutlich präziser auf den Punkt kommen als noch auf dem Debüt. Die Gitarren flirren, sägen und treiben, das Schlagzeug schlägt hart und direkt, während die Hooks sofort greifen.

Der Einstieg mit ´I Thought I’d Started To Make Progress Again´ kreist um das Gefühl, sich aus alten Mustern befreit zu haben, nur um wieder darin festzustecken. „Stuck in the same old pain“ steht dabei wie ein Fixpunkt, während sich die Musik langsam aufbaut. ´Torch The Lies´ richtet die Wut nach außen. „Burn the blueprint, torch the lies“ wird zur klaren Ansage gegen leere Versprechen und eine Zukunft, die nie eingelöst wurde. Der Song wirkt wie ein direkter Schlag, getragen von schnellen Riffs und einer Stimme, die keinen Zweifel zulässt.

Mit ´Under My Skin´ wird es persönlicher und bedrückender. Schlaflosigkeit, innere Unruhe, ein Körper, der sich gegen einen selbst richtet. „Shadows keep crawling under my skin“ beschreibt dieses Gefühl sehr konkret, während die Musik von kurzen Ausbrüchen lebt. ´Trace The Cracks´ arbeitet mit Bildern von brüchigem Vertrauen. Worte verlieren ihren Wert, Beziehungen zerfallen, während sich der Blick immer wieder auf das richtet, was nicht mehr stimmt. „I trace the cracks in all your lies“ zieht sich wie ein roter Faden durch den Song.

Der Text von ´In This Body´ beschreibt einen Körper als Träger von Verletzungen, jede Narbe eine Erinnerung. Die Bilder sind fast schmerzhaft konkret, während sich die Beziehungsebene immer weiter zuspitzt. „I take the pain, you take glory“ bringt diese Schieflage auf den Punkt. Mit ´Cut The Rot´ kommt zusätzliche Härte ins Spiel. Die Zusammenarbeit mit Thorsten Polomski (BUBONIX, HATHORS) verstärkt die Aggressivität. Der Song funktioniert wie ein klarer Schnitt, „cut the rot before it spreads“.

´Keep Trying´ zeigt die Erschöpfung, Müdigkeit, das ständige Weitermachen trotz fehlender Perspektive. „My eyes are tired, my legs so weak“ wirkt fast nüchtern, gerade deshalb trifft es so direkt. ´Anything Ahead´ zeigt die Wut auf gesellschaftliche Zustände, auf Ungleichheit und Perspektivlosigkeit. „I don’t see anything ahead“ steht in der Anklage. ´Echoes´ wirkt dagegen wie ein Nachklang zerbrochener Beziehungen. Erinnerungen bleiben, während alles andere längst verschwunden ist. „All that’s left are echoes of us“ bringt diese Leere sehr präzise auf den Punkt.

Bei ´No Future´ sind sich zwei Menschen fremd geworden, gefangen in einem Zustand aus Kälte und Sprachlosigkeit. „We were strangers in our own skin“ beschreibt diese Distanz eindringlich. Den Abschluss bildet ´Buzz´ und spricht von körperlicher Wahrnehmung, Überreizung, ein Zustand zwischen Kontrollverlust und Befreiung. „Skin buzzing like wires“ und „I feel better“ stehen sich gegenüber, während der Song langsam aus dieser Anspannung herausführt.

´Anger Is Eternal´ bündelt persönliche Krisen, gesellschaftliche Spannungen und den Versuch, beides auszuhalten. Die Songs bleiben direkt und verständlich, ohne an Schärfe zu verlieren. ANGER MGMT. nutzen Musik als Ventil, als Widerstand, als etwas, das sich nicht einfach wegdrücken lässt.

(8 Punkte)

https://www.facebook.com/angermgmtdot


(VÖ: 24.04.2026)

Ähnliche Artikel

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"