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MAGENTA – Tarot

2026 (Tigermoth Records) - Stil: Prog Rock

MAGENTA kehren mit ´Tarot´ zurück und setzen damit einen weiteren markanten Punkt in ihrer langen Bandgeschichte. Seit über zwei Jahrzehnten arbeitet das britische Trio um Robert Reed, Christina Booth und Chris Fry an seiner eigenen Spielart des symphonischen Progressive Rock. Nach einer längeren Veröffentlichungspause wirkt dieses neue Studioalbum wie ein kleiner Schritt zurück zu den Wurzeln, zugleich aber auch wie eine natürliche Weiterentwicklung.

Die Grundidee von ´Tarot´ basiert auf den großen Arkana der Tarotkarten, die hier als erzählerischer Rahmen für fünf ausgedehnte Kompositionen dienen. Robert Reed hat die Stücke ursprünglich aus musikalischen Skizzen entwickelt, die er den jeweiligen Figuren und Bildern der Karten zugeordnet hat, bevor Bruder und Texter Steve Reed daraus eigenständige Geschichten formte. Ergänzt wird das Album durch kurze instrumentale Etüden, die als Verbindung zwischen den Hauptstücken stehen.

Klanglich bewegt sich das Album in einem gewohnt orchestralen Symphonic-Rock-Gefüge, das stark an die großen Phasen von RENAISSANCE erinnert, zugleich aber durch die E-Gitarre von Chris Fry und die Bassarbeit von Robert Reed eine deutlich modernere Ansicht erhält. Christina Booth steht dabei klar im Zentrum. Ihre Stimme wirkt warm und präzise, oft mit einer erzählerischen Klarheit.

Der Einstieg mit ´The Lovers´ eröffnet das Album in einem orchestralen Rahmen. Streicher und Bläser führen in eine melodisch klar gezeichnete Stimmung, bevor Christina Booth das Stück in eine elegante, leicht schwebende Richtung lenkt. ´Etude 1´ reduziert das Geschehen auf akustische Gitarre und kleine melodische Figuren, die wie eine kurze Nachzeichnung des vorherigen Themas wirken und den Übergang vorbereiten.

´The Magician´ öffnet sich danach mit einem deutlich kraftvolleren Ansatz. Die Gitarren treten stärker hervor, während Keyboards und orchestrale Flächen eine dichte Atmosphäre erzeugen. Zwischen fast kammermusikalischen Passagen entwickelt sich ein längeres Gitarrensolo von Chris Fry, das sich deutlich in Richtung klassisch britischer Progressive-Gitarrenschule bewegt. ´Etude 2´ arbeitet erneut mit sehr reduzierten Mitteln und setzt auf flötenartige Klangfarben und leichte Gitarrenfiguren.

´The World´ beginnt mit einer breiten orchestralen Öffnung, bevor sich ein melodisch starkes Hauptthema entfaltet. Gesang, Keyboardflächen und Gitarrenarbeit erzeugen klassische Prog-Strukturen mit symphonischer Ausarbeitung. ´Etude 3´ führt diesen Übergang mit kurzen, fast tänzerisch wirkenden Motiven weiter. Der Rhythmus von ´Strength´ ist geradliniger, die Gitarrenführung kompakter, während Christina Booth hier eine besonders eindringliche Gesangsleistung zeigt. ´Etude 4´ fungiert als letzter Zwischenschritt und bereitet den Weg für den abschließenden Hauptblock vor.

In ´The Empress´ stehen orchestrale Elemente im Vordergrund, während sich Gitarren und Keyboards in ausgedehnten Bögen entfalten. Der Song entwickelt eine fast schon filmische Wirkung. Chris Fry spielt mehrere Solopassagen, die sich organisch in das Gesamtbild einfügen. Der Schlusspunkt ´Tarot´ wirkt deutlich intimer. Klavier und Gesang dominieren das Geschehen. Steve Balsamo und Peter Jones ergänzen die Gesangslinien und verleihen dem Finale eine zusätzliche vokale Stärke.

´Tarot´ zeigt MAGENTA in einer sehr klar fokussierten Form ihres aktuellen Schaffens. Die Band verbindet wieder sehr klassisch symphonische Orchesterideen mit Progressive Rock und einer markanten Christina Booth. Das CD/DVD-Set enthält die ´Tarot´-CD sowie eine DVD mit 5.1 DTS- und Dolby-Digital-Sound. Zusätzlich sind Promo-Videos, Live-Akustikaufnahmen und Interviews mit Robert Reed und Steve Reed enthalten.

(8,25 Punkte)

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