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TRIBE3 – Scars

2026 (White Knight Records) - Stil: Progressive Rock

Eine der aufregendsten jungen Bands des walisischen Prog spielt schon seit vierzig Jahren. Das klingt nach einem Widerspruch und ist doch die Kurzfassung der Geschichte von TRIBE3. Jon Kinsey, Chris Jones und Steve Hughes bewegen sich seit rund vier Jahrzehnten in der Prog- und Fusionszene rund um Bridgend, mal gemeinsam, mal jeder für sich. Steve Hughes spielte einst bei EZRA, Chris Jones bei der Rockband GENEVA. Jon Kinsey wiederum gehörte zum Projekt GHOST COMMUNITY. Der Funke sprang erst 2016 über, als Steve Hughes nach längerer Pause wieder Musik machen wollte und mit Chris Jones die instrumentale Fusionband ELEKTRIK gründete. Wenig später übernahm Jon Kinsey das Schlagzeug, und mit ihm kam eine Stimme, die aus der Instrumentalband eine Gesangsband machte. Ende 2022 wurde daraus TRIBE3.

Seitdem geht es in erstaunlichem Tempo voran. Das selbstbetitelte Debüt erschien 2023, im März 2025 folgte in Eigenregie ´Life Amongst Strangers´ mit sieben Stücken und über einer Stunde Spielzeit. Für Album Nummer drei steht nun ein Label im Rücken, und auch das hat eine schöne Pointe. „White Knight Records“ gehört Rob Reed, der Proggemeinde und dem Plattensammler von MAGENTA und CYAN bekannt. Ausgerechnet EZRA, die alte Band von Steve Hughes, hatte zeitweise Rob Reed in ihren Reihen. Manche Kreise schließen sich erst nach Jahrzehnten.

Aufgenommen wurde zwischen November 2025 und Juni 2026, teils in Wales, teils in Frankreich. Als Produzent zeichnet Tim Hamill vom Sonic One Studio verantwortlich.

Wer TRIBE3 auf das Wort Trio reduziert, unterschätzt die Möglichkeiten dieser Besetzung. Steve Hughes bedient neben dem Bass auch Keyboards und Basspedale. Jon Kinsey singt vom Schlagzeug aus und greift gelegentlich selbst in die Tasten, während Chris Jones seine Gitarre darüber kreisen lässt. So füllen drei Musiker einen Raum, der weit größer wirkt, als ihre Zahl vermuten lässt.

Fünf Stücke sind es diesmal, zwei weniger als beim Vorgänger. Auf ´Life Amongst Strangers´ kreisten die Texte von Jon Kinsey noch lose um zerbrochene Kommunikation, wie er damals selbst erzählte. Die neuen Songs widmen sich nach Angaben der Band ganz unterschiedlichen Themen, und schon ihre Titel spannen einen weiten Bogen. ´Insomniac´ eröffnet, und bereits der Name lässt an durchwachte Nächte denken. Danach folgen ´Sown Seeds´ und ´Praying To False Gods´, dessen Titel nach Zweifel und Ernüchterung klingt. ´Over The Garden Wall´ verspricht einen Blick über den eigenen Zaun hinaus, bevor der Titelsong ´Scars´ das Album beschließt.

Narben also. Das passt zu einer Band, deren Mitglieder Jahrzehnte gebraucht haben, um in dieser Konstellation zueinanderzufinden. TRIBE3 sind keine Spätzünder. Sie haben nur ihren eigenen Zeitplan.

(8 Punkte)

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