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SLEEPING CHILD – Supermovian Remnant

~ 2022 (Interstellar Smoke Records) – Stil: Doom Metal/ Psychedelic/ Stoner Rock ~


Hippiesk geht es los beim Song ´Schattenbilder´. Aber nicht lange, dann setzen harte Riffs ein. Und über allem thront schnell die interessante Stimme von Sängerin Jules Daunheimer. SLEEPING CHILD kommen aus Hamburg und sind seit circa vier Jahren aktiv. Dieses dritte Album handelt von postapokalyptischen Zuständen. Na prima.

Nicht unbedingt die richtige Musik, um abends zu entspannen (na ja, kommt auf den Charakter und seelischen Zustand an). ´Black Mold´, der zweite und auf YouTube mit Video veröffentlichte Song, ist nach dem atmosphärischen ´Schattenbilder´ von Unruhe geprägt und verbreitet ein unangenehmes Angstgefühl. ´Manticore´ suhlt sich in majestätischer Untergangsstimmung.

Für optimistische Soundästheten nicht die richtige Platte, aber für Menschen, die sich in den derzeitigen kumulativen Krisen wohlfühlen, der richtige Soundtrack zum Untergang. ´Dagon´ ist noch eine Spur düsterer, wird zum regelrechten Dark Doom-Hit. Im Hintergrund wabert es unheimlich wie bei ´Ceremony´, der SPOOKY TOOTH Veröffentlichung, die von Pierre Henry zur schwarzen Messe gemixt wurde und die Band sprengte. ´Button´ integriert sogar leichte Black Metal-Ansätze. ´Haunted´ hat dagegen deutliche Thrash-Ansätze.

Das achtminütige ´Sword Of Orion´ ist eine weitere dunkle Tour de Force. ´Shadow Path´ ist fast zehn Minuten lang sperrig, bleischwer und noisig mit 70er-Attitude und Sprechansage zu Beginn wie einst bei ´Gammaray´ von BIRTH CONTROL. Nach fünfzig Minuten Apokalypse kommt dann tatsächlich mit ´Our Way Into The Light´ eine etwas sanfterer Abschluss. Allerdings auch nur oberflächlich, denn auch hier ist die Dunkelheit spürbar.

SLEEPING CHILD sind konsequent hoffnungslos und haben eine Sängerin mit markantem Gesangsstil und viel Luft in den Lungen. Das interessante, düstere  Coverartwork der Hamburger Künstlerin Katy Puchalla rundet den positiven Gesamteindruck ab. Sehr faszinierend. Würde die Vinyl-Version schon fast alleine lohnen. Die gibt es wohl auch gegen Ende des Jahres.

Die Produktion, ist angesichts der musikalischen Ausrichtung bewusst rau und wenig transparent ausgefallen, passt gut zur musikalischen Ausrichtung.  SLEEPING CHILD gehören zur neuen hoffnungsvollen Euro-Doom-Generation wie beispielsweise auch SLEEPWULF aus Schweden.

(8,25 dunkle Punkte)


(VÖ: 22.11.2022)