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ABYSSUS – Death Revival

~ 2022 (Transcending Obscurity) – Stil: Old School Death/Thrash Metal ~


Der Albumtitel ist hier ganz und gar Programm: als wäre Chuck Schuldiner zurück unter den Lebenden, und würde uns auf eine Reise in die Anfangstage seiner glorreichen Zeit mitnehmen. GRUESOME und Konsorten haben es vorgemacht, die aus Athen stammenden ABYSSUS machen es jedoch noch weitaus besser.

Schon ihr Debütalbum ´Into The Abyss´ von 2015 war ein feuriger Twister, der sich wie aus einer zerklüfteten Ödnis erhebt und auch der nun vorliegende, knapp 35-minütige Nachfolger packt jegliche Ingredienzen an High-End-Old-School-Death Metal und Thrash in einen Topf. Der Einfluss von DEATHs Frühwerken ist zweifellos am größten, aber auch die Klasse der ersten POSSESSED- und OBITUARY-Alben, zusammen mit Anleihen an impulsivere, schwedische Outfits wie etwa DISMEMBER und GRAVE finden sich hier wieder. Wenn es thrashiger wird, kommen einem zudem immer wieder Jeff Hannemans Geniestreiche in den Sinn, und ABYSSUS klingen insgesamt so, als hätte man antike Genre-Bausteine ​​​​mit moderner Handwerkskunst neu verglast.

Bereits der Opener ´Metal Of Death´ ist ein geradliniger und heftig bulldozernder Wüterich in early DEATH-/POSSESSED-Manier, und auch das geradezu unaufhaltsame ´Ten Commandments´ verfolgt unermüdlich dasselbe Feeling bei einer gleichwertigen Form.

 

 

Jeder Song scheint darauf aus zu sein, ein authentisches Erlebnis zu schmieden, aber das wirkt so natürlich und unbewusst, dass man meinen könnte, Stücke wie ´The Beast Within´ oder etwa das bissige ´The Witch´ wären tatsächlich anno 1985 komponiert worden. Der lockerere Swing des Death Metal findet sich jedenfalls fortdauernd in der klanglichen Tiefe des rasselnden Drum-Sounds und den geschwärzten Vocals, ganz zu schweigen von ein paar heftigen Stichen mit intensiven Tremolos, die Geschwindigkeit gegen Durchdringung eintauschen.

Entgegen dem modernen Trend, Death Metal-Alben eher sperrig zu machen, bevorzugen die Griechen jedoch einen wesentlich schärferen Gitarrenton und eine vergleichsweise sanfte Percussion, ohne die rhythmische Intensität zu reduzieren. Trotz der gelegentlichen Midtempo-Herangehensweise, rauscht der Wirbelwind aus Riffs und schneidenden Soli auf direktem Weg durch die Lautsprecher und zieht nur hin und wieder auch atmosphärisch seine Fäden.

Es ist nur schwer zu ignorieren, wie viel diese Jungs aus ihrem Quellmaterial schöpfen, aber solch schädelzerschmetternde Riffs wie etwa bei ´Genocide´ und die allgemeine Frische und der heftige Schwung von ´Death Revival´ lassen mich die Perspektive auch gerne verlieren, sobald ich wieder auf „Play“ drücke.

Das Album ist jedenfalls ein mitreißender Nachruf auf die Pionierzeit des Death & Thrash und zeigt dessen Schöpfungsgeschichte auf eine besonders erfrischende Weise erneut auf.

(8 Punkte)


(VÖ: 21.01.2022)