
POLIS – Pilger
2026 (Sireena Records) - Stil: Rock, Progressive Rock, Psychedelic Rock
Das Album ´Pilger´ von POLIS erscheint als durchkomponiertes Konzeptwerk mit sieben Titeln und klarer Ausrichtung auf Progressive Rock mit Krautrock- und Hardrock-Anteilen. Die Band beschreibt ihre stilistische Ausrichtung als „Neue Deutsche Romantik“ und verbindet Hammond-Orgel, Moog-Synthesizer, Gitarren, Bass, Schlagzeug sowie Violine und chorale Ergänzungen zu einem geschlossenen Soundbild.
Die Produktion entstand im eigenen “Weltklang Tonstudio”. Für Mischung und Mastering wurden Kurt Ebelhäuser und Andreas Jung hinzugezogen. Erstmals erscheint ein POLIS-Album über “Sireena Records”.
Das Line-up besteht aus Christian Roscher (Gesang), Christoph Kästner (Gitarre, Gesang), Marius Leicht (Keyboards, Gesang), Andreas Sittig (Bass, Gesang) und Sascha Bormann (Schlagzeug, Gesang). Auf ´Der Berg´ ergänzt ein erweitertes Streicherensemble mit Violine, Viola, Cello und Kontrabass die Bandbesetzung, zusätzlich zu mehrstimmigen Backing-Vocals.
Das Konzept des Albums folgt einer klaren dramaturgischen Abfolge. ´Der Kreis´ beschreibt die psychologische Selbstbeobachtung und das Kreisen im eigenen Bewusstsein, musikalisch umgesetzt durch wiederkehrende, markante Riffmuster und stabile Harmonieflächen, bis zur mehrstimmigen Auflösung: “Das Fehlen ist des Strebens Meisterstück”. ´Der Berg´ steht für existenzielle Aufgaben und den mühsamen Aufstieg, umgesetzt durch epische Gitarrenmelodien und zusätzliche harmonische Schichten – und er spricht: “Ich bin der Berg, ein Gesicht”. ´Die Einsamkeit´ behandelt den inneren Rückzug und die Abgeschiedenheit, realisiert durch mehrmalige Stürme aus der Sanftmut.
´Das erste Leuchtfeuer´ markiert den Wendepunkt der Entwicklung und das Aufkommen von Hoffnung. Gitarren, Orgel und Chöre werden vehement vom Schlagzeug angetrieben: “Wenn einst der Spiegel bricht”. ´Weltenwinter´ beschreibt eine kühle, äußere Welt in Form eines Akustikgitarren-Arrangements mit Streichern: “Soll nun die alte Zukunft vergehn”. ´Pilger´ bildet die finale Transformation innerhalb eines erweiterten Suite-Formats; noch einmal erhebt sich die Komposition: „Weiter, immer weiter.“ Die ´Reprise´ greift das Material von ´Der Kreis“ wieder auf und reduziert es auf eine sanftere Form.
Musikalisch arbeitet das Album mit klar getrennten Instrumentenebenen. Während ´Weltklang´ stärker mit langen Orgelteppichen, ausgedehnten Hallräumen und fließenden Übergängen arbeitete, setzt ´Pilger´ deutlich stärker auf straffere Arrangements. Die Produktion von Kurt Ebelhäuser und Andreas Jung stellt den Bandsound insgesamt kompakter auf. Dadurch verliert das Album bewusst einen Teil der offenen Siebzigerjahre-Weite des Vorgängers und orientiert sich stärker an aktuellen Progressive Rock-Produktionen.
´Pilger´ ist als geschlossenes Konzeptalbum aufgebaut und funktioniert durch seine durchgehende Reihenfolge der sieben Stücke klar als zusammenhängendes Werk. Die Band spielt die neuen Titel live deshalb auch ohne Unterbrechung hintereinander. Musikalisch bleibt die Platte dabei konsequent im Spannungsfeld aus deutschem Progressive Rock, Krautrock, Psychedelic Rock und klassischer Hammond-orientierter Siebzigerjahre-Instrumentierung. Historisch steht ´Pilger´ damit klar in der Tradition deutscher Progressive Rock-Alben von NOVALIS, STERN COMBO MEISSEN, ANYONE’S DAUGHTER oder LIFT, setzt deren Formensprache aber mit kompakterer Produktion und deutlich enger geführten Songstrukturen in eine moderne Studioumgebung um.
Die Aufnahmen liegen zudem in einer auf 432-Hz abgestimmten Stimmung vor, was innerhalb der Musikproduktion eine alternative Referenz zur im 20. Jahrhundert flächendeckend durchgesetzten Normierung von 440-Hz darstellt und somit wunderbar in direkter Resonanz mit den mathematischen Konstanten der Natur steht.
(9 Punkte)



