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STRIKEHAMMER – Midnight Inferno

2026 (Metal on Metal Records) - Stil: Black/Thrash Rock'n'Roll

Kennt jemand noch den Schlager “Drei kleine Italiener”? Müsste irgendwann in den mittleren 50ern bis frühen 60ern erschienen sein. Selbige sind nun in zweiter oder gar dritter Generation schon groß und haben sich einem herrlich stumpfen derben Metal verschrieben. Auf den ersten Höreindruck war das ganze doch etwas stumpf, fast schon die übliche Blackthrash Knallsuppe, die für Minuten unterhaltsam ist und mich dann verlässt. Aber irgendwie vertraue ich Jowita, Simone und “Metal On Metal Records”. Die beiden haben schon eine Qualitätskontrolle, auch wenn nicht jede Scheibe bei ihnen meinen persönlichen Geschmack trifft.

Also, das Debüt der drei Kerle aus der Region Parma, Emilia-Romagna, westliches Norditalien, zwischen Ligurien, Lombardei und Toskana eingepfercht und an die Provinzen Reggio-Emilia im Osten und Piacenza grenzend, ist definitiv keine entspannte Urlaubsreise durch malerische Landschaften. Die Zutaten sind traditionell. Das ist wie bei einem großartigen Essen, es gibt altbewährte Gewürze, es gibt eine gehaltvolle Grundlage. Genauso geben sich STRIKEHAMMER.

Ich hatte bei dem Namen fast keine Lust auf eine Geschmacksprobe, aber die Kombination aus Stilbeschreibung, Label und Herkunft (ich schwärme für Italien, die Menschen und die Musik) ließen mich Hoffnung schöpfen. Und nun, da ich die ersten Tage Beschäftigung mit diesem Prachtwerk hinter mir habe, zücke ich in Gedanken schon die Geldbörse. Die drei räudigen Rüpel spielen roh und ungehobelt, aber technisch präzise. Das war ihren Vätern in den 80ern zuweilen noch nicht gegeben, aber STRIKEHAMMER sind auch gestandene Kerle zwischen 32 und 39 Jahren, keine Teenagerboys mehr. Entsprechend kontrolliert ist das mitternächtliche Inferno ihrer Musik. Thrash, 80er Black Metal, Speedmetal, der wuchtige Metal Rock’n’Roll des kultigsten Trios und späteren Quartetts ever (RIP) im Mix, dazu schön auf Krawall gebürstete Texte einerseits, spielerische Erfahrung und die oben schon angesprochene spielerische Präzision andererseits geben eine packende und im traditionellen Sinne wohlschmeckende Musik.

Das Intro ´Prelude To Mayhem´ ist noch eine kurze, morbide Spielerei aus spacigen Synthesizern und mystischen Gitarrenmelodien, jedoch der folgende Titelsong mit pfeilschnellen Riffs, versteckten, aber coolen Melodien fast hymnenhafter Natur und flitzendem Drumming, über dem charismatischer Schimpfgesang liegt, klärt die Fronten. Und die Gitarrenleads mit deutlich melodischer Kante, denen so eine wilde Leidenschaft entströmt, sind noch kleine Höhepunkte des Genusses. Ich sehe hunderte verschwitzte Langhaarige mit Kultkutten auf dem Platz vor der Bühne gedrängt, die, von dem Energieschwung der Band mitgerissen, komplett ausrasten und von meterhohen Boxentürmen den Sprung ins Publikum wagen. Kein Circle Pit, keine Wall Of Death, hier regiert der 80er Spirit. Und so sind der derbe, aber seelenreine Thrash und der entfesselte, aber kontrolliert gewalttätige Speedmetal auf ganzer Linie der fleischliche Körper der Musik.

Hier und da sind etwas mehr Hall, etwas morbidere Akkordfolgen und beim ultimativen Ausraster ´Morbid Black Steel´ sogar Hyperspeedblastbeats die Verbeugung vor Black- und Warmetal, aber dies vertieft allein die Atmosphäre, stärkt die Würze und Schärfe der Songs. Das besagte ´Morbid Black Steel´, ´Inglorious´, ´Dangerous Metal´, das dunkel und machtvoll wogend beginnende ´Perdition Rite (Of The Whore Goddess)´ und ´Warspeed´ sind neben dem Titelstück prachtvolle Up Tempo-Stücke, die ganz rasch ihren Anspruch auf die ewige Liebe des Metalfanatikers entfalten.

Daneben stehen mit dem mittelschnellen Heavy Metal Song ´Street Demons´ und dem düster epischen ´I Am The Cross Burner´ zwei Nummern, die über den klassischen Speed und Thrash-Sound hinausdenken. ´Street Demons´ geht kompositorisch zu den ganz frühen 80ern zurück, hätte mit melodischem Gesang und weniger makabren Riffs eine geile NWoBHM-Hymne sein können. So liegt der Hauch des Boshaften über dem Stück. Wenn nach dem wuchtigen Mid-Tempo dann der treibende Heavy Metal wieder einsetzt, gibt es abermals kein Halten und die melodischen Gitarrensoli schießen die Sinne des Headbangers komplett ins Aus.

´I Am The Cross Burner´ rollt und walzt mit einem Ausdruck aufgewühlten und sturmgepeitschten Meeres als machtvoller Schlusspunkt den Hörer platt. Nicht ganz, denn irgendwann prischt die Nummer los wie ein gehetzter Wolf, explodiert förmlich in Deine Seele hinein. Ein prächtiges Beispiel für eine kompositorische Dramatik, die den Hörer über den Abgrund des Irrsinns drückt.

Ich fühle mich an viele klassische 80er Legenden des extremeren und böseren Metal erinnert, aber durch die guten Kompositionen behalten STRIKEHAMMER eine eigene Note. Auch wenn ich schon 6000 Alben habe, diese Band muss mit ran und wird mich auf vielen Autofahrten im Player und bei wilden Gelagen daheim begleiten.

(8,5 Punkte)

https://www.facebook.com/strikehammerofficial

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