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TOXIK – Dis Morta

~2022 (Massacre Records) – Stil: Tech Thrash ~


Eigentlich schien die Geschichte der legendären US-Amerikaner TOXIK schnell erzählt. Mitte der Achtzigerjahre gegründet, feuerten sie nach dem üblichen Demo ihre beiden Longplayer-Meisterwerke ´World Circus´ (1987) und ´Think This´ (1989) heraus. Allerdings konnte sich selbst in den goldenen Zeiten der Achtziger niemand mit solch einem technischen Speed und Thrash Metal Platin-Schallplatten an die Wand nageln, so dass der Niedergang unumgänglich eintrat.

Überraschenderweise waren TOXIK in den Zehnerjahren wieder aktiv, schafften es aber nicht, wie so viele andere Comeback-Aspiranten, ein neues Studioalbum zu veröffentlichen. Nach einigen EPs, Singles und Kompilationen erscheint nunmehr in diesen Tagen plötzlich und völlig überfällig ein neues Full-Length-Scheibchen unter dem Titel ´Dis Morta´.

Aufgrund der langen und zerrissenen Bandgeschichte steht natürlich mit Mastermind, Songwriter und Gitarrist Josh Christian nur noch ein Bandmitglied aus alten Achtzigerjahren in ihren Reihen. An der Rhythmusgitarre ist Eric van Druten seit zwei Jahren anzutreffen, am Bass seit 2017 Shane Boulos (SLAM ONE DOWN) und am Schlagzeug seit 2016 James DeMaria (HEATHEN, WHIPLASH). Selbst Sänger Ron Iglesias (PARALYSIS, XENOPHILE) fügt sich im Fauchen und im Falsett-Schreien perfekt in den Bandsound ein.

Ebenso unerschrocken, versucht ´Dis Morta´ an ´Think This´ anzuknüpfen. TOXIK nutzen in einer keinesfalls altbackenen Produktion wie dereinst Samples und gesprochenes Wort. Dem Konzept geschuldet eröffnen sie obendrein im Titelsong ´Dis Morta´ mit Versen aus dem Alten Testament, 5. Mose 2,31, die darauf zielen, dass es keine Überlebenden geben wird. Infolge des ersten Schlachtengetümmels machen auch TOXIK sogleich keinerlei Gefangene, drehen technisch brillant am Geschwindigkeitsregler und verblüffen kurz mit einer HELLOWEEN-Melodie, ehe alle Dämme brechen.

Denn bereits ´Feeding Frenzy´ zeigt, wie sich die US-Amerikaner ihren Tech Thrash vorstellen, irrwitzig und unaufhaltsam. Während sich die Gottlosen und Frommen radikalisieren, steigert sich ´The Radical´ in einen rauschenden Strudel der Gefühle. Dagegen zelebrieren TOXIK in ´Hyper Reality´ den Wechsel zwischen Wahnwitz und Wohlfühlaroma, um den Identitäts- und Realitätsverlust auszudrücken, und tragen in ´Chasing Mercury´ neben coolen Schreien sogar das „Vater unser“ auf Spanisch vor.

Darüber hinaus offeriert ´Power´ passenderweise sirenenhaften Power Thrash. Derweil ´Creating The Abyss´ die Prog-Riffs unerbittlich und nicht hyperschnell heraushaut, drischt ´Straight Razor´ wie ein Tornado über alles hinweg. Zwar beginnt ´Devil In The Mirror´ mit Klavier, dreht gleichwohl ohne Unterlass an allen Schrauben, die justiert und nochmals aufgedreht, die Entladung bereitstellen, so dass zum Abschluss ein Pferd namens ´Judas´ angeritten kommen kann: „I am, you are, we’re all Judas!“

´Dis Morta´ wird jeden Seelenverkäufer und Verleumder überzeugen, dass TOXIK in ihrer heutigen Inkarnation eine meisterliche Tech Thrash-Scheibe produziert haben.

(9 Punkte)

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