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KAT – Death Is Not Enough

2026 (Logosound / High Voltage Production) - Stil: Heavy Metal

Wer in Polen mit Metal groß geworden ist, hatte irgendwann eine abgenudelte Kassette von KAT in der Hand, mit krakeliger Beschriftung und einem Sound, der klang, als hätte jemand den Proberaum direkt aufs Band gekippt.

Kat heißt übrigens Henker. Und dieser Henker trat 1979 in Katowice an, wurde zu einem der Wegbereiter des Heavy Metal in Osteuropa, teilte später die Bühne mit METALLICA, IRON MAIDEN und MOTÖRHEAD und hinterließ 1986 mit ´Metal And Hell´, der englischsprachigen Fassung des Debüts ´666´, eine Platte, die es sogar in eine britische Bestenliste der größten Black Metal-Alben schaffte, obwohl die Band selbst immer eher im Heavy und Thrash Metal zu Hause war. Vierzig Jahre hat dieses Debüt inzwischen auf dem Buckel. Kein schlechter Moment für Album Nummer zehn.

Aus der Gründerzeit ist allerdings nur einer übrig. Piotr Łuczyk, Gitarrist und ein ziemlicher Dickschädel, hält die Fahne hoch, und die Geschichte dahinter kennt in Polen jeder. Die Band zerbrach vor vielen Jahren in zwei Lager, Roman Kostrzewski mit dieser unverwechselbaren Stimme ging seinen eigenen Weg, und seit seinem Tod 2022 ist die Frage, wer oder was KAT eigentlich ist, für viele Fans zur Herzensangelegenheit geworden. Manche alten Hasen sagen, ohne Roman gibt es kein KAT. Das verstehe ich, ehrlich. Ich höre trotzdem lieber erst hin, bevor ich urteile.

Neben Łuczyk spielt Harris den Bass, beide sind Polen, während Sänger Guilherme de Siervi und Drummer Pedro Tinello aus Brasilien stammen. Dazu kommen Gastsänger Sieg aus Südkorea und der Amerikaner Jason M. Stallworth, der sämtliche Texte geschrieben hat. Ganz neu ist dieser Blick über den Tellerrand nicht, schon 2020 nahm Łuczyk mit Tim “Ripper” Owens, dem früheren Sänger von JUDAS PRIEST, den Song ´Flying Fire 2020´ auf. Klanglich will die Band jedoch zurück zu den Wurzeln, roh und direkt, mit hörbarer Abneigung gegen den glattpolierten Digitalglanz, der so viele moderne Produktionen leblos macht. Das passt zu einer Band, die früher nie geschniegelt klang.

´Waging War´, die erste Single, eröffnet die Platte im Thrash-Galopp, und Łuczyk schneidet seine Soli hinein wie einer, der in all den Jahrzehnten nichts verlernt hat. Der Text ist ein Rachefeldzug ohne Gnade und ohne Rückzug, simpel und wirksam. ´Taste Of Pain´ bleibt auf Kurs und erzählt von einem Verführer, der Menschen wie Schachfiguren über das Brett schiebt, bis sein Betrug alles überzieht und am Ende eine reinigende Gewalt den Spuk beendet. Fast ein Gleichnis.

Mit ´Dark River´ rückt die Melodie in den Vordergrund, und plötzlich weht der Geist der Achtziger und Neunziger durchs Zimmer. Inhaltlich sind wir im alten KAT-Revier, eine Strömung zieht den Erzähler hinab, die Unruhe lässt ihn nicht los, und irgendwo wird etwas Dunkles herbeigerufen. Wer die frühen Platten liebt, fühlt sich hier sofort zu Hause. ´Haunted By You´ ist dann die große Überraschung, eine Totenklage um eine verlorene Liebe, die jenseits der Grenze wartet, während der Zurückgebliebene sich nach dem Wiedersehen verzehrt.

´Fiery Desires´, an dem Harris mitkomponiert hat, steht fest im klassischen Heavy Metal und dreht sich um Begierde als Besessenheit, um ein Wesen, das in der Nacht erwacht und gefüttert werden will. Danach kommt mit ´Burn It Down´ der Song, den ich am wenigsten erwartet hätte. Statt Höllenfeuer gibt es hier Zuspruch, die Vergangenheit hinter sich lassen. Man kann das ohne große Verrenkung als Manifest einer Band lesen, die nicht in der eigenen Vergangenheit verstauben will. ´Looking For A Fight´ ist die Faust im Gesicht der Platte, ein Kerl, der nach langer Durststrecke wieder Blut leckt und Streit sucht, aus reinem Trotz.

´Falling Into Darkness´ bildet den nachdenklichsten Moment. Harris gräbt mit seinem Bass tiefe Furchen, und der Text handelt von Vertrauen, das in Verrat umschlägt, von dem Augenblick, in dem man die zweite Seite eines Menschen erkennt, dem man alles anvertraut hat. ´Soulless Liar´ greift dieses Thema auf, nur ohne Trauer und mit reichlich Wut. ´Devil´ beschließt das Album als Geschichte einer Verführung, an deren Ende der Erzähler sich selbst nicht mehr wiedererkennt und offen bleibt, ob der Teufel überhaupt jemand anderes ist.

Was dennoch stört, sind ausgerechnet die Texte. Stallworth beherrscht sein Handwerk, keine Frage, aber vieles bleibt im vertrauten Metal-Vokabular aus Rache und Bestien stecken, und manche Refrains werden zu oft wiederholt. Die eigenwillige Wucht der polnischen Texte aus alten Tagen fehlt, und das spürt man. Dagegen steht eine Band, die hörbar Lust auf diese Musik hat, angeführt von einem Gründer, der sich weigert, zum Nachlassverwalter seiner eigenen Legende zu werden.

Ob das noch die alten KAT sind, wird jeder für sich entscheiden müssen, die Debatte wird diese Platte nicht beenden. Für mich ist es ein Henker, der seine Axt frisch geschliffen hat und noch weiß, wofür er sie trägt.

(7,5 Punkte)

https://www.facebook.com/KATofficialprofile/


Cover-Artwork: Kart Design – „Death Is Not Enough“
(© 2026 Logosound / High Voltage Production)

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