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THUNDER HORSE – Dead Alive In TX

~ 2024 (Ripple Music) – Stil: Heavy Doom ~


Das letztjährige ´After The Fall´-Album, ihr gigantisches Drittwerk, war für mich eine kleine Sensation. Stilistisch beeinflusst vom Heavy Rock und Protodoom der frühen 70er und natürlich dem späteren Doom u.a. von der SST Fraktion und diversen Bands aus Maryland und Virginia, hatten es die Jungs geschafft, dem ollen Doom Mief eine ungeahnte Frische einzuhauchen und Songs mit hohem Wiedererkennungswert zu schreiben, wie das gewaltige ´Aberdeen´. Hier auf dem Livealbum nicht vertreten.

Dafür zwei Songs vom selbtbetitelten Debüt, vier vom zweiten Album ´Chosen One´, zwei vom letzten Werk, dazu einer Coverversion von ´Ace Of Spades´, richtig, MOTÖRHEAD. Letztere ein Schmankerl ganz am Ende des Albums. Über dieses Lied braucht man wahrlich nichts mehr zu erzählen, zumal sich die Texaner aus San Antonio bis auf den Gesang natürlich komplett ans Vorbild halten.

Den Rest des Albums bestimmt der schwerfälligere Heavy Rock, der Doom ganz alter Schule. Düster, morbide und irgendwie komplett unweltlich. Vielleicht das entspannte Instrumental ´Remembrance´ nicht, welches eher eine malerisch-verträumte Stimmung erzeugt. Vielleicht wie auf einem Wandertrip durch die Appalachen, oder in der Abenddämmerung irgendwo an einem lauschigen Plätzchen in der Wüste, wo eine Band über eine mit Dieselgeneratoren betriebene Anlage ihren spacigen Wüstenrock spielt und man im Kreise der Hippies den Dübel herumgehen lässt.

Das nachfolgende ´Demon’s Speak´ ist dann wieder auf dem gleichen makabren Doomtrip wie die meisten Stücke hier. Der aggressive und nur halb melodische Gesang passt aber zum Doom wie die Faust aufs Auge. So wie die brodelnd jaulende und quietschende Leadgitarre und wie die sägenden, dennoch walzenden Riffs, die oft nur auf wenigen Akkorden basieren.

Und gerade diese Aspekte der Musik von THUNDER HORSE zeigen auch die Vorzüge eines Live-Albums bei solcher Musik. Ich bin ein großer Fan von Live-Alben im Bereich des klassischen 70er Jahre Heavy Rock, des eher bodenständigen und auf dem Blues basierenden Doom und geerdeterer Heavy Metal-Gruppen.

 

 

Die Darbietung, das ist auch bei diesem Album der Fall, ist einfach wahnsinnig leidenschaftlich und intensiv. Die Gitarre kratzt und brodelt und heult voller Lust verbotener, diabolischer Lust. Alles was der Rockmusik an Frivolität und vollkommen entfesselter, irgendwie auch beinahe sexueller Hingabe nachgesagt wird, haben die texanischen Donnerpferde mit diesem Live-Album eingefangen.

Es fühlt sich an, als stünde man direkt neben oder vor der Bühne in einem kleinen und irgendwie verruchten Club, vielleicht auch nur einer Bar an irgendeinem gottverlassenen Flecken in Texas. Als würden die Geister längst vergangener Tage voller Gesetzlosigkeit, Zügellosigkeit und vollkommener Dekadenz des Wilden Westens, darunter leichte Mädchen, Revolverhelden, Viehdiebe und Spieler, mitten zwischen den komplett weggedröhnten Hippies und ruchlos aussehenden Bikergestalten stehen, die in dieser heruntergekommenen Kaschemme dem schweren Verdammnisrock lauschen und darin komplett aufgehen.

Die Songs an sich brauche ich nicht beschreiben, das ist Doom, viele schleppende, sich wie glühende Lava in Klangform aus den Boxen wälzende Akkorde, mal groovige, mal kriechende Rhythmen, Gitarrensoli von glühender Intensität, welche dir mit unvorstellbarer Lusthitze die Haut und das Fleisch vom Gesicht schälen bzw. brennen. Dazu ein mittelhoher und zuweilen mehr erzählend gesprochener, aber aggressiver Schlangenbeschwörergesang, technisch sicher nicht erhaben, aber in seiner Ausdrucksstärke eine absolut unwiderstehliche Macht.

Auch wenn die Texaner allesamt sehr gute und songdienliche Spieler sind, so ist ihrer Musik auf der Bühne eine wunderbar rohe und ehrliche Magie zu eigen. Das hat schon 1970 bei GRAND FUNK RAILROAD und 1990 für das Live-Album von SAINT VITUS gegolten und ist auch 2023/2024 bei THUNDER HORSE brandaktuell.

Wer auf die genannten Kapellen steht und generell auf den amerikanischen Heavy Doom aus Kalifornien, Virginia und vor allem Maryland abfährt wird jetzt seine Aufmerksamkeit auch noch tief in den Süden lenken müssen. Diese Band ist die absolute Granate.

(9,5 Punkte)

 

https://www.facebook.com/ThunderHorseOfficial/


(VÖ: 05.07.2024)