
Fünf Jahre haben sich die Rottweiler Zeit gelassen. Fünf Jahre, in denen andere Bands drei Alben rausgehauen, zwei Besetzungswechsel verkraftet und sich einmal komplett neu erfunden hätten. SIRIUS CURSE dagegen haben gefeilt, geprobt, live gespielt und weitergefeilt. Wer die Vorgeschichte kennt, wundert sich darüber nicht. Peter Hirsch und Frank Würthner haben schon Mitte der Achtziger unter dem Namen EXTERIOR die Szene unsicher gemacht, und solche Leute lassen sich nicht hetzen. Die Debüt-EP ´Time Knows No Lies´ war 2021 mit ihren 37 Minuten eigentlich schon ein halbes Album, nun folgt mit ´When Beauty Awaits´ das erste offizielle Album, komplett in Eigenregie und ohne Plattenfirma im Rücken.
Eine Veränderung fällt allerdings gleich auf. Die Doppelgitarre ist Geschichte, Frank Würthner stemmt Rhythmus und Lead inzwischen allein. Dominikus Sautermeister am Bass und Simon Wilde am Schlagzeug halten ihm den Rücken frei, und Peter Hirsch steht wie eh und je in der Mitte und singt sich die Seele aus dem Leib. Geschrieben haben die Songs Würthner und Hirsch, die Texte stammen komplett aus der Feder des Sängers.
Und die Texte haben es in sich. Mit Drachen, Schwertern und Höllenfeuer hält sich die Band nicht auf. Es geht um Verlust, um innere Kämpfe, um Glauben, um Widersprüche in der Gesellschaft und um die Frage, wie man nach einem Absturz wieder auf die Beine kommt. Das als Gemeinschaftsprojekt entstandene Cover bringt das auf den Punkt. Ein Frauengesicht, auf der einen Seite brennende Landschaft und Vergänglichkeit, auf der anderen Licht und Zukunft, und beides fließt untrennbar ineinander. Schönheit, so die Botschaft, wartet erst hinter dem Feuer.
´Who We Are´ fackelt nicht lange. Kein Intro, kein Vorgeplänkel, sofort Riffs auf die Zwölf und eine Gesangslinie, die einen am Kragen packt. Hirsch blickt auf ein Leben im Dauerlauf, in dem das Gestern mehr zählt als der Augenblick, und stellt die alte Frage, wer wir eigentlich sind und wozu. ´The Turning Point´ ist hernach mit knapp sechs Minuten das längste Stück und schlägt dunklere Töne an, schwer, nachdenklich, mit Raum für Spannungsbögen und Gitarrenarbeit, die zeigt, dass Würthner auch ohne zweiten Mann ordentlich Raum füllt. Inhaltlich sucht hier jemand in einer aus den Fugen geratenen Welt nach Halt und findet ihn im Glauben.
Dann kommt der Song, um den sich dieses Album dreht. ´Made My Day´ ist einem engen Freund gewidmet, den Peter Hirsch in seiner letzten Lebensphase begleitet hat. Ein Titel, der nach einem guten Tag klingt, und ein Lied, das von Abschied erzählt, vom Händehalten bis zuletzt und von der Hoffnung, dass der andere im Licht seinen Frieden findet. Musikalisch groovt die Nummer fast lässig, ohne je ins Kitschige zu geraten.
´Encounters´ drückt danach wieder aufs Gas, mit Doublebass und traditionellem Riffing, wie man es auf jedem Festivalacker der Republik feiert, und erzählt von Versuchungen, denen man nachgibt, und vom Zusammenhalt, der einen wieder aufrichtet. ´Tear It Down´ ist einer der Favoriten. Frech, unberechenbar, mit Rhythmuswechseln, die einen immer wieder aus dem Tritt bringen, und einer Spielfreude, die man förmlich riechen kann, dazu die Aufforderung, die Mauern um das eigene Herz einzureißen. ´The Rise´ stampft schwer und hymnisch voran und beschwört einen Aufstieg, bei dem es vor allem um die Jüngeren geht, deren Seelen geheilt werden sollen. ´Contradictions´ lebt von einem Hauptriff, das sich wie ein Bohrer in die Gehörgänge schraubt, während Hirsch durch ein Labyrinth aus Lügen, Masken und zerbrochenen Versprechen irrt.
Der Titelsong ´When Beauty Awaits´ ist dagegen solider Heavy Metal, sauber gespielt, doch er zündet nicht so wie die Nummern davor. Textlich schließt er den Kreis zum Cover und erzählt von einer Frau, die durch Dunkelheit und Schmerz geht und am Ende gestärkt aus dem Feuer steigt. Mit ´Astonishment´ findet die Platte dann einen düsteren Ausklang, der von einer untergehenden Welt und von jungen Menschen erzählt, die nie die Chance bekamen, ihr Leben zu leben. Ein bitterer Schlusspunkt, und doch einer, nach dem man das Gefühl hat, eine Reise hinter sich zu haben.
Lob gebührt auch der Produktion. Aufgenommen und vorgemischt hat Markus “Blacky” Schwarz im “Narayana-Tonstudio” in Rottweil, der die Band schon seit der EP begleitet und sich besonders um die mehrstimmigen Gesangsharmonien gekümmert hat. Den letzten Schliff gab Achim Köhler bei “Indiscreet Audio”, der schon PRIMAL FEAR, SINNER und BRAINSTORM ins rechte Licht gerückt hat. Das Ergebnis klingt druckvoll und transparent, und man hört der Platte zu keiner Sekunde an, dass hier eine Underground-Band ohne Labelvertrag am Werk ist.
Ganz rund ist ´When Beauty Awaits´ nicht. Etwas mehr Mut zum Ausbruch hätte der zweiten Hälfte gutgetan, und nicht jede Nummer brennt sich so ein wie der Opener oder ´Tear It Down´. Aber das sind Kleinigkeiten. Hier spielen Männer, die seit Jahrzehnten Metal im Blut haben, mit Herz, mit Eifer und mit Texten, die mehr wollen als Klischees bedienen. Wer klassischen Heavy Metal mit einer Prise US-Stahl und einem Hauch Progressivität mag, sollte sich diese Scheibe besorgen, am besten direkt bei der Band.
(7,5 Punkte)
https://www.facebook.com/TheSiriusCurse/
von Sirius Curse (Pressebild / © 2026 Sirius Curse).
Band-Foto: Ralf Graner Photodesign
(Offizielles Pressefoto / Courtesy of Sirius Curse).



