
Dreckige Riffs und ergreifende Gitarrenharmonien dazwischen, derbe schmutziger Gesang, eher gebrüllt, aber mit Melodie und Charisma, klassisch treibende, rockende und gut klassisch tanzbare Hardrock- und Heavy Metal-Rhythmen verpackt in herbe Sleazerocker und Melodicrockhymnen mit einer Kruste aus gemahlenem Wüstensand. So klingen BONG VOYAGE auf ihrem Debütalbum.
Anders als die Schweden SVINDEL haben BONG VOYAGE zwingende Melodien und Strukturen. Zwar stammen sie auch allesamt aus der großen Schatztruhe altbewährter Rockmusikzutaten, aber die Würze ist doch eine andere. Die handwerklich hervorragend in Szene gesetzten Rocksongs dampfen vor Leidenschaft und triefen förmlich von Schweiß, Öl, Sumpfwasser und Whiskey. Die Soli der Leadgitarre sind heiß und brennen Dir die Haut vom Gesicht, wenn Du sie direkt abbekommst.
Alles klingt hier erfrischend und auf gewisse Weise modern, auch wenn es nicht modern ist. Die Stücke hätten auch vor 35 oder 40 Jahren auf amerikanischen Hardrockplatten stehen können, so sehr stinken sie nach Blues und Nuttenparfüm. Einige haben diese technoid maschinelle Präzision, andere eine hypnotische Schwere, die vom Stonerrock entliehen wurde. Dazu mehrstimmige Gitarrenläufe, satte, ehrliche Melodien, zuweilen Satzgesang, Slides. Oslo goes Sunset Strip goes Tejas.
Dabei bleiben die Burschen immer auf dem Boden. Zuviel Modernität wäre auch nicht angebracht. Hier gilt allein die vom alten Sleazerock’n’Roll beherrschte pure Lebenslust. Und dieser klangliche Lustgewinn wird sich automatisch auf die ausgelassen Feiernden vor der Bühne übertragen. Biker, Stoner, Cowboys, Lederjacken, sie alle sind vereint im Lustrausch. Ich könnte hier jetzt auch rumnörgeln, ihnen vorwerfen, keinerlei Innovationen in die Musik gebracht zu haben. Das ist doch völlig richtig, aber darauf kommt es tatsächlich nicht an. Es ist der zwingende Ausdruck der Songs und das daraus resultierende Charisma.
Deswegen habe ich über die schwedischen Retro Rocker SVINDEL ein wenig geschimpft, auch wenn deren Platte handwerklich gut gemacht ist, so kommt sie doch farblos und wie eine Pflichtübung daher. Die Musik von BONG VOYAGE hingegen, so altbacken die Kompositionen teilweise auch wirken mögen, ist kraftvoll und absolut frech. Die triefen und stinken und siffen vor Dreck. Sie sind echt und ehrlich aus dem Bauch heraus und mit den Eiern gedacht. Klar, intellektuell gesehen ist das hier wirklich nur von einer Penislänge beherrscht, aber es ist GEIL. Und Rock’n’Roll soll im wahrsten Sinne des Wortes GEIL sein.
Wer von den Burschen Innovationen verlangt, der kann sich ja mal HÅNDGEMENG anhören, wo einige der Herren mitspielen, erstklassigen modernen Heavy Rock mit Elementen von Stoner, HC Punk und flippigem Seattle Grunge. Diese Platte hingegen steht neben ZZ TOP, RAGING SLAB, THE ALMIGHTY und DIRTY POWER griffbereit für die nächste wilde Sause. Rockt das Haus, Ihr Teufel.
(8,5 Punkte)
https://www.facebook.com/BongVoyageBand/
Cover-Artwork: „Hedonistic Hard Rock“
von Bong Voyage (Pressebild / © 2026 Ripple Music).