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VINYL FLOOR – Balancing Act

2026 (Karmanian Records) - Stil: Pop Rock

VINYL FLOOR aus Kopenhagen legen mit ´Balancing Act´ ihr sechstes Studioalbum vor und wirken dabei so fokussiert wie selten zuvor. Thomas Charlie Pedersen und Daniel Pedersen führen ihren melodischen Rock konsequent weiter, öffnen ihn jedoch stärker für symphonische Farben, dezente Elektronik und kleine progressive Schlenker. Das Album erscheint über das bandeigene Label “Karmanian Records” und wurde gemeinsam mit Emil Isaksson in seinen Grundzügen live eingespielt, was man den Songs anhört. Schlagzeug, Bass und Gitarren agieren äußerst organisch, darüber legen sich noch vielstimmige Harmonien, die sofort zünden.

Der Opener ´All This And More´ startet mit einem klarer Beat, mehrstimmigem Gesang und einem Refrain im Sixties-Flair. Inhaltlich geht es um Manipulation und Massenbeeinflussung, musikalisch um präzisen Power-Pop mit Biss. ´I’m On The Upside´ legt rockiger nach, mit knackiger Gitarre und einem Refrain, der zwischen Euphorie und Ironie pendelt. Hier blitzen THE BEATLES ebenso durch wie THE BEACH BOYS, ohne dass der Song in Nostalgie steckenbleibt.

´The Helping Hand´ ist kürzer, direkter, beinahe sarkastisch. Der Text seziert Musikindustrie und Eitelkeiten, während das Arrangement straff bleibt. ´Mr. Rubinstein´, die erste Single, entwickelt sich zum kleinen Prog-Pop-Drama. Wechselnde Taktzahlen, ein markanter Refrain und ein Hauch theatralischer Zuspitzung machen den Song zu einem der Höhepunkte des Albums.

Mit ´Tell The World It Happened´ schlagen VINYL FLOOR leisere Töne an. Perlende Gitarrenfiguren, zurückhaltender Gesang und ein schwebendes Streicherarrangement von Christian Ellegaard verleihen dem Stück eine feine, fast kammermusikalische Note. ´Land Of The Desert´ bringt etwas mehr Feuer ins Spiel. Die Gitarren klingen kräftiger, der Groove wirkt entschlossener, während der Text zwischen Orientierungslosigkeit und Selbstbehauptung schwankt.

´Back Of My Hand´ verbindet eingängigen Britpop mit subtilen Prog-Elementen. Der Song steigert sich aus einem ruhigen Beginn mit Harmoniegesang und entsprechenden Gitarren. ´Puppet Laureate´ zeigt die spielerische Seite der Brüder, mit augenzwinkerndem Text und einem Arrangement, das klassische Anklänge mit modernem Pop-Rock verknüpft.

Die Ballade ´The Swan Of Eileen Lake´ gehört zu den emotionalen Zentren des Albums. Sanfte Gitarren, dezente Orgel und ein empfindsamer Gesang tragen diesen poetischen Stil. ´Adelaide´ knüpft daran an, wirkt jedoch persönlicher, fast intim. Melodie und Text greifen ineinander, das Stück entfaltet seine Wirkung durch einen klar geführten Refrain.

´Less Dystopian Book´ erhöht wieder das Tempo. Britpop-Anleihen treffen auf einen energischen Refrain, der das Thema Desillusionierung mit einem Augenzwinkern präsentiert. Das Herzstück des Albums ist ´Jacaranda Blossoms´. Über sieben Minuten entfaltet sich ein vielschichtiges Prog-Pop-Epos mit wechselnden Dynamiken, symbolträchtigen Bildern und einem hymnischen Finale, das den Spannungsbogen konsequent hält.

Der Titelsong ´Balancing Act´ beschließt das Album pointiert. Kurz, prägnant, mit lakonischem Unterton fasst er das Leitmotiv zusammen: das Ringen um Gleichgewicht in einer Welt voller Widersprüche.

´Balancing Act´ ist ein melodisch klug arrangiertes Pop-Rock-Album, das klassische Songkunst mit modernen Akzenten verbindet. VINYL FLOOR zeigen Gespür für Hooks, für mehrstimmige Gesänge und für Arrangements, die ihre Wirkung nicht verfehlen. Ein Werk, das mit jedem Durchlauf gewinnt und sich als eines der reifsten Kapitel in der Diskografie der dänischen Brüder erweist.

(8 Punkte)

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