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LORD BUFFALO – Holus Bolus

~ 2024 (Blues Funeral) – Stil: Psychedelic Indie Rock ~


Ganz dunkle Seelen müssen sich hinter diesen vier sympathischen Musikern aus Austin / Texas verbergen. Ihr drittes Album folgt dem Vorgänger ´Tohu Wa Bohu´ aus dem Jahr 2020 und ist alles andere als leichte Kost. Der Titelsong kann noch als düsterer Rocktitel mit Eleganz charakterisiert werden. ´Slow Drug´ im Anschluss ist dann schon ein sechsminütiger Albtraum mit Dissonanzen und Abgründen. ´Passing Joy´ kommt dem Titel musikalisch sehr nahe. Denn jeder Anschein kleiner Freuden wird auch hier schnell vom düsteren Gesang und verzweifelten musikalischen Irrlichtern verjagt. Gleichzeitig aber ein höchst interessanter Song und in all seiner Verstörtheit auch von einer dunklen Schönheit gekennzeichnet. Am Schluss geht ´Passing Joy´ direkt in den Abgrund über.

´Malpaisano´ sattelt anschließend in puncto kalter Düsternis noch ein paar musikalische Minusgrade obendrauf und erinnert an den apokalyptischen Zweiminüter ´Horse Latitudes´ von THE DOORS von ihrem verkannten Meisterwerk ´Strange Days´. Die Chöre und die schräge Violine könnten auch von satanischen Doom-Bands stammen.

 

 

´I Wait On The Door Slab´ erscheint oberflächlich etwas freudvoller, aber der hier eher monotone Gesang unterlegt von einem harten Schlagzeugbeat bringt schnell die Unsicherheit wieder, die die Hörerin / den Hörer über die komplette Platte begleitet. Und immer, wenn sich, wie in der Mitte mal ein wohliges Gefühl ausbreiten möchte, kommt die Kälte schnell zurück. Erinnert irgendwie immer mal wieder an MADRUGADA, ist aber deutlich konsequenter in seiner Düsternis. Auch Emma Ruth Rundle kommt mir ins Gedächtnis. ´Rowing In Eden´ knüpft instrumental mit dunklen Chören an den geheimnisvollen Gedichten der poststrukturalistischen Feministin Emily Dickinson an, die erst posthum richtig entdeckt wurde, weil sie viele ihrer Gedichte gar nicht vorher veröffentlichte. Plötzlich ist die Musik aus und es gibt ein Gefühl zwischen Erleichterung, da die dunklen musikalischen Kammern verlassen werden konnten, und einer gewissen Entzugserscheinung, weil die Musik die Gehirnwindungen schnell eingenommen hat und man sich an die Welt von LORD BUFFALO schon adaptiert hat.

Man muss sich schon auf das dunkle Chaos einlassen und sich komplett der Musik ausliefern. Und die Hörerin / der Hörer sollte einen Draht zur Düsternis und eine gewisse Affinität zu depressiven Tönen haben. Dann ist LORD BUFFALO ein absoluter Volltreffer. Wer sich nach einem schweren Tag entspannen will und die Dämonen der letzten Stunden vertreiben möchte, sollte sich eine andere Platte auflegen. Irgendwie deprimierend und irgendwie auch absolut großartig.

(8,5 Punkte)

 

https://facebook.com/lord.buffalo.band/


(VÖ: 12.07.24)