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FORTUNE – Level Ground

~ 2022 (Frontiers Music s.r.l.) – Stil: Melodic Rock/AOR ~


Der Name FORTUNE zergeht jedem Aficionado des Melodic Rock/AOR wie die schönste Praline der Welt genüsslich auf der Zunge. Der Grund der Kultverehrung ist ihre selbstbetitelte Scheibe aus dem Jahre 1985. Doch die Ursprünge von FORTUNE gehen sogar bis in die Siebzigerjahre zurück, als Richard und Mick Fortune die Gruppe gründeten.

Die Brüder Fortune entstammten einer musikalischen Familie, ihr Vater war Sänger und Bassist, ihre Mutter Sängerin, so dass auch sie recht früh zu musizieren begannen. Richard spielte Gitarre und Mick nach Akkordeon, Keyboard und Posaune schließlich Schlagzeug. Unter dem Bandnamen FORTUNE nahmen sie 1978 für „Warner Brothers“ ihr selbstbetiteltes Debüt ´Fortune´ auf, gefolgt von den Singles ´Squeeze Me, Tease Me´ und ´Saddle In The Wind´.

Der vorläufige Höhepunkt des ersten und eher pop-rockigen Bandabschnitts war ihr Auftritt beim SUMMER BLOWOUT ’81 im Aloha Stadium mit HEART, BLUE ÖYSTER CULT und MONTROSE. Anschließend genossen sie durch ihre Beteiligung, neben u.a. THE POLICE, JOURNEY und U2, am 1982er Soundtrack des Films „The Last American Virgin“ etwas Ruhm, nahmen allerdings in der Folge entscheidende personelle Umbesetzungen vor. Richard Fortunes Frau Colleen wurde am Mikrofon durch Sänger Larry Greene ersetzt. Keyboarder Roger Scott Craig (LIVERPOOL EXPRESS) stieß ebenfalls zu FORTUNE und trug mit Larry Greene maßgeblich zum neuen Erfolgsrezept bei.

Nachdem sich FORTUNE 1984 vorübergehend aufgelöst hatten, boten „Camel/MCA Records“ plötzlich ein Jahr später FORTUNE einen Album-Deal an. Larry Greene und Roger Scott Craig hatten unterdessen genügend Songs komponiert, so dass 1985 das zweite Werk von FORTUNE veröffentlicht werden konnte, das sich besonders in Japan und Europa gut verkaufte.

Eine Legende ward geboren. Denn solch ein großes Meisterwerk konnte erst wieder im Jahre 2000 Realität werden als Roger Scott Craig mit einer neugegründeten Formation das Fabeldebüt von 101 SOUTH veröffentlichte. Nicht zu vergessen sind allerdings die ebenso hochkarätigen Songsammlungen, die Larry Greene und Roger Scott Craig in den folgenden Jahren unter dem Banner HARLAN CAGE produzierten.

Um FORTUNE herum blieb es allerdings 34 Jahre lang äußerst still. Erst 2019 veröffentlichten sie ihr Comeback-Album ´II´, dem eine Reunion auf dem „Rockingham Music Festival“ im Jahre 2016 sowie Auftritte beim „Frontiers Rock Festival“ vorausgingen.

2022 präsentieren sie unter dem Titel ´Level Ground´ sozusagen das dritte Werk dieser FORTUNE-Inkarnation, der zum zweiten Mal Roger Scott Craig nicht angehört, da er sich wohl vollständig aus dem Musikbusiness zurückgezogen hat. Doch Sänger Larry Greene, Gitarrist/Keyboarder Richard Fortune und Schlagzeuger Mick Fortune führen glücklicherweise die Tradition mit Bassist Ricky Rat und Keyboarder Bob Emmett fort. Und diese fühlt sich wie dereinst im Mai an. FORTUNE spielen derart kraftvoll und vital auf, als hätten sie sich nie zur Ruhe gesetzt. Weitaus mehr als das Comeback-Album ist ´Level Ground´ ein Geschenk für alle FORTUNE, HARLAN CAGE und 101 SOUTH-Enthusiasten.

Bereits der Opener ´Silence Of The Heart´ zeigt die Einzigartigkeit von FORTUNE mit mächtig satten Gitarren als auch Stimmung machenden Keyboards auf. Ein ´Dangerous Things´ besitzt hingegen die lebensnotwendige Dramatik und gefühlte Unendlichkeit im Melodieaufbau, um zu echter Größe heranzuwachsen. Das Zusammenspiel zwischen Gitarrensaiten und Tastenspiel muss schließlich allzeit wie in ´Riot In The Heartland´ glücken, auch wenn letzteres in ´Orphaned In The Storm´ durch den hektischen Tastenanschlag früher oder später das Übergewicht hält. Bei ´I Will Hold You Up´ greift sogar Gaststar Steve Porcaro (TOTO) in die Tasten. Dafür setzt sich die Gitarrenhärte beim Titelsong ´Level Ground´ durch. Das lieblichere ´Hand In Hand´ wuchert demgegenüber mit mehrstimmigem Gesang, während das finale ´Lunacy Of Love´ wieder ganz in der Gefühlswolke des Melodic Rock aufgeht und sich überraschender Weise noch „Lalalala“s aus den Siebzigerjahren gönnt.

(8,5 Punkte)

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