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THE HELLACOPTERS – Eyes Of Oblivion

~ 2022 (Nuclear Blast) – Stil: Hardrock/Sleaze Rock/Punk Rock ~


Ihre Blütezeit hatten die schwedischen Hardrocker THE HELLACOPTERS zweifellos in der zweiten Hälfte der Neunziger, als sie mit ihrer furiosen Rock’n’Roll-Interpretation ein organisches Gegenstück zur Traurigkeit der Grunge-Ära schufen. Es war jedenfalls eine faustdicke Überraschung, als Nicke Andersson, Schlagzeuger der schwedischen Death´n´Roll-Band ENTOMBED, 1994 gemeinsam mit dem Gitarristen Dregen von den BACKYARD BABIES das Sleaze Rock-Ensemble gründete.

Zwischen 1994 und ihrer Pause 2008 produzierte die Band sieben Alben mit hochkantigem, vom Punk beeinflussten Rock ’n‘ Roll und stellte sich neben Bands wie THE HIVES und TURBONEGRO an die Spitze einer Bewegung, die auf das reiche Erbe von den RAMONES, den NEW YORK DOLLS, MC5 oder MOTÖRHEAD zurückblickte.

Nachdem sie sich 2016 wieder zusammengefunden hatten, um einige Shows zum Jubiläum ihres Debütalbums zu spielen, waren sie vor allem mit Festivalauftritten wieder höchstpräsent, bis ihnen schließlich im vergangenen Jahr der Deal mit „Nuclear Blast“ gelang. Die daraus resultierenden zehn Songs beweisen, dass die Zeit ihren scharfen Witz nicht abgestumpft oder ihnen ihre Vitalität geraubt hat, denn ´Eyes Of Oblivion´ ist eine zeitgemäße Erinnerung daran, was wir alle von diesem unaufhaltsamen Fünfer vermisst haben.

 

 

Das glühend-eingängige ´Reap A Hurricane´ ist schließlich der Ausgangspunkt dieses Rock’n’Roll-Abenteuers, ein Song, der bereits als Single veröffentlicht wurde, und dessen treibende Melodien ein klares Statement dafür sind, dass THE HELLACOPTERS mit voller Kraft zurückschlagen. Satter Abdreh-Rock´n´Roll, mit quietschenden Gitarren und pumpendem Schlagzeug läuten hier eindringlich die neue Ära ein, während Anderssons whiskygetränkte Vocals einen leidenschaftlich in ihren Bann ziehen.

´So Sorry I Could Die´ ist die zweite Single-Auskopplung und präsentiert die bluesige Seite der Band, wobei es vor allem durch die eingebettete emotionale Intensität berührt – eine swingende Prahlerei, die mit ihren schwankenden Refrains an die besten Stücke von GUNS N´ROSES‘ ´Use Your Illusion´ erinnert, wobei der Gesang einen Hauch von W.A.S.P.s Blackie Lawless und den Achtzigern verströmt.

Für eine Band, deren Studioveröffentlichungen seit fast anderthalb Jahrzehnten ruhen, hatten die Schweden eindeutig reichlich Energie zum Brennen und servieren Hit um Hit, wie etwa mit dem harmonisch-hämmernden Drive von ´Positively Not Knowing´, dem groovigen 70ies-Style auf ´Tin Foil Soldier´ oder dem punkigen ´Beguiled´.

´Eyes Of Oblivion´ klingt jedenfalls ungemein frisch und dynamisch und ist ein atemloser Adrenalinschub, eingehüllt in eine freudige Feier all dessen, was den Rock ’n‘ Roll gleichzeitig so klischeehaft und verehrenswert macht. Das Album vereint den Geist des 70er-Rock, die Energie des Punk und die Seele des Bluesrock einmal mehr auf beindruckende Weise.

(8 Punkte)

https://www.facebook.com/thehellacopters


Pic: Micke Borg