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VARDIS – 100 M.P.H. @100 Club

~ 2021 (Steamhammer/SPV) – Stil: NWoBHM/Hard Rock ~


Das britische Trio VARDIS gehört ohne Zweifel zur Gattung Bands, die einen unverwechselbaren Stil hatten, der auch 40 Jahre später immer noch jede Menge Alleinstellungsmerkmale bereithält. Man zählt die Band um Gitarrist/Sänger Steve Zodiac zur NWoBHM, obwohl die Herren schon Mitte der Siebziger aktiv waren. Aber erst mit ihrem Album ´100 M.P.H.´ von 1980 wurde die Band bekannt und der erwähnten NWoBHM zugeordnet. Was allerdings im Angesicht der Musik nicht wirklich passte. VARDIS waren schon damals „Crossover“, obwohl der Begriff noch gar nicht geboren war. Punk, Glam, Heavy Metal, Blues und Rock`n`Roll vereinte sich in ihrem Sound und machte sie somit zu Exoten. Und so zählt ihr Debüt noch heute zu den essenziellsten Alben der ganz frühen Achtziger Jahre, auch schon deshalb, weil es ein Livealbum ist. Lassen wir die weitere Geschichte außen vor, wir alle, oder zumindest die Klientel des KIT-Festivals wissen, dass VARDIS seit dem 2014er KIT-Auftritt wieder back im Business sind. Trotz personeller Rückschläge, u.a. der Tod von Bassist Terry Hobury (2015) hat erwähnter Steve Zodiac ein neues Line-up auf die Beine gestellt und liefert nach dem 2016er Comeback Album ´Red Eye´ ein weiteres Album. In Anlehnung an das legendäre ´100 M.P.H.´ Live-Album von 1980 gibt es 40 Jahre später eine Neuauflage. Selbst das Artwork des Albums wurde dem Original nachempfunden!

„Hier also zum ersten Mal seit 1980 das ultimative VARDIS Live-Erlebnis: ´100 M.P.H.@100 Club‘, und zwar „GARANTIERT OHNE OVERDUBS!”- sagt das Produktinfo. Eigentlich ist mit diesem Satz alles zu dem Album gesagt. 20 Songs lang liefern sie in einem authentischen Set mit einem Sound, der erdig und wenig elektronisch aufgepimpt wirkt. Womit dann der Hinweis auf dem Cover „Guaranteed No Overdubs“ selbstredend ist. Keine Frage, Mr. Zodiac ist inzwischen in den Siebzigern, liefert seinem Alter entsprechend. Die schnelle Spielweise des 1980er Album wird nicht mehr erreicht und der Gesang ist bluesig-rauer. Und dennoch trifft er jede Note, den Gegebenheiten angepasst, ziemlich perfekt und auch der Gitarrensound ist weiterhin einmalig.

Neben der Setlist des Original-Albums gibt es noch jede Menge anderen Songs. Sogar ´Jolly Roger´ von der raren ´200 M.P.H.´-EP (später für das Comeback Album neu eingespielt) hat es in die Setlist geschafft sowie ein paar Nummern des erwähnten Comeback-Albums ´Red Eye´.  Zu nennen wäre in diesem Zusammenhang ´Paranoia Strikes´, der Titeltrack oder ´Head Of The Nail´.  Als Bonus gibt es noch den Soundcheck zu bewundern.

´100 M.P.H. @100 Club´ ist ein äußerst authentisches Live-Album einer legendären Band, der man zwar das Alter anhört, aber deren Faszination sich dadurch nicht verringert. Im Gegenteil.

(8 Punkte)