
MELVINS/NAPALM DEATH – Savage Imperial Death March
2026 (Ipecac) – Stil: Sludge Metal/Stoner Rock/Grindcore/Experimental
´Savage Imperial Death March´ ist das Resultat einer ungewöhnlich konsequent gedachten Kooperation zwischen den MELVINS und NAPALM DEATH – zwei Institutionen, die ihre jeweiligen Extreme längst definiert haben.
Anstatt bloß Material nebeneinanderzustellen, verschränkt das Album seine ästhetischen Pole: den zähen, kantigen Sludge der MELVINS mit der eruptiven, später zunehmend experimentellen Klangsprache von NAPALM DEATH.

Auffällig ist dabei die Gewichtung. Viele Stücke wirken strukturell eher wie MELVINS-Kompositionen, über denen Barney Greenway seine aggressiven Vocals legt. Das neunminütige ´Some Kind Of Antichrist´ beginnt mit massiven Riffs und kippt nach wenigen Minuten in eine zerfallende Ambientfläche, während ´Nine Days Of Rain´ seine Spannung aus stoischer Wiederholung zieht – ein bewusst risikoreiches Spiel mit Redundanz.
´Rip The God´ wiederum lebt von Buzz Osbornes eigentümlich schwebendem Gesang, bevor Greenways Einsatz dem Stück zusätzliche Schärfe verleiht.
Gleichzeitig verweigert sich das Album klaren Dramaturgien. Songs wie ´Comparison Is The Thief Of Joy´ oder ´Awful Handwriting´ lösen sich in elektronische Fragmente und Geräuschtexturen auf, die eher an industrielle Collagen erinnern als an klassische Songformen.
Selbst härtere Momente wie ´Death Hour´ werden regelmäßig von experimentellen Passagen unterlaufen. Diese ständige Auflösung ist Konzept: die Musik entzieht sich systematisch dem Impuls, sich festzulegen.
Bemerkenswert ist auch der leicht schräge Humor, der immer wieder durchscheint – sei es in überzeichneten Gesangsmomenten oder in der fast demonstrativen Lust am stilistischen Bruch. Trotz aller Dissonanz bleibt das Album zugänglich genug, um nicht im reinen Konzept stecken zu bleiben.
Neu erfinden sich beide Bands hier nicht. Aber sie verschieben ihre bekannten Parameter in eine gemeinsame Grauzone, die mehr ist als die Summe ihrer Teile.
´Savage Imperial Death March´ wirkt dadurch weniger wie ein Statement als wie ein offenes Experiment – eines, das sich nicht vollständig auflöst, aber gerade darin seinen Reiz entfaltet.
(8 Punkte)
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Pic: Chris Casella



