
CHEZ KANE – Reckless
2026 (Frontiers Music s.r.l.) - Stil: Melodic Rock, Hard Rock, AOR
Mit ´Reckless´ tritt CHEZ KANE aus dem Schatten der reinen Revival-Party heraus und stellt ein Album vor, das glänzt wie frisch polierter Lack unter grellen Neonröhren. Nach zwei Veröffentlichungen, die stark von Danny Rexon (CRAZY LIXX) geprägt waren, greift sie diesmal selbst ins Songwriting ein und verleiht dem Material eine persönlichere Handschrift. Der Rest bleibt unangetastet: melodischer Hard Rock im Stil der späten Achtziger, jetzt aufgeladen mit mehr Selbstbewusstsein und mehr Glanz.
Danny Rexon sorgt erneut für diesen makellosen, schimmernden Sound, der sofort Bilder von Satin, Kunstleder und spiegelnden Bühnenflächen hervorruft. Die bewusste Entscheidung gegen Balladen hält das Album konstant auf Spannung. Gleichzeitig schimmern persönliche Erfahrungen durch, was den Songs eine zusätzliche Tiefe gibt.
Der Opener ´Reckless´ entfaltet genau diese Mischung aus Glanz und Gloria. Der Refrain leuchtet hell auf, und das Saxophon setzt seine Akzente. Während Chez Kane mit einer Attitüde auftritt, wie man sie von Lita Ford kennt, erinnert der Song direkt an späte Achtziger-Produktionen im Umfeld von BON JOVI zur ´Slippery When Wet´-Phase.
´Personal Rock N’ Roll´ ist ein klassischer Arena-Rocker, irgendwo zwischen der Energie von Joan Jett und den großen Refrain-Momenten von Pat Benatar. ´Night Of Passion´ fährt das Tempo leicht herunter und setzt auf schimmernde Keyboards. Hier klingt die melodische Handschrift von Jennifer Rush durch, kombiniert mit dieser leicht dramatischen Note, die auch Robin Beck auszeichnet.
Mit ´Strip Me Down´ kommt wieder Tempo ins Spiel, ein Rocksong, der sich wie eine Trainingsmontage unter Flutlicht anfühlt, irgendwo zwischen den Soundtrack-Hymnen von “Rocky IV” und dem Hochglanz von “Top Gun”. Dagegen bringt ´Tongue Of Love´ einen Midtempo-Groove mit, bei dem die Keyboards glänzen und die Gitarren den nötigen Biss liefern. Eine gewisse Nähe zu VIXEN ist spürbar, während Chez Kane gesanglich an Lee Aaron erinnert.
´Love Tornado´ ist ein eingängiger Rocker mit starken Hooklines, der sich stilistisch auch an moderneren Vertretern wie H.E.A.T orientiert, dabei aber fest im klassischen US-Sound verankert bleibt. ´Bad Girl´ schlägt hernach eine härtere Richtung ein, die an kraftvollere Phasen von HEART erinnert. ´Street Survivor´ setzt auf einen knackigen Refrain und trägt deutlich die Handschrift von Desmond Child, wie man sie auch von Kane Roberts kennt.
´Too Dangerous´ greift ein weiteres Spannungsfeld auf, das gut neben dem Material von FEMME FATALE bestehen könnte. ´Bodyrock´ schließt das Album letztlich mit einem energetischen Finale ab, das stark an späte Achtziger-Produktionen zwischen BON JOVI und Lee Aaron erinnert, mit diesem leicht sportlichen, fast schon aerobic-artigen Gefühl.
Dass Chez Kane diesmal selbst stärker am Schreiben beteiligt ist, verleiht dem Material mehr Profil. Gleichzeitig bleibt diese bewusst überzeichnete Achtziger-Ästhetik allgegenwärtig. Denn ´Reckless´ zieht diese Idee konsequent durch. Alles glänzt, funkelt und bewegt sich wie ein nächtlicher Streifzug durch flackernde Leuchtreklamen, glühende Verstärker und spiegelnde Bühnen, getragen von einer Stimme, die im grellen Scheinwerferlicht bestehen kann.
(8 Punkte)



