
ALAN VEGA – Colission Drive
1981/2026 (Sacred Bones Records) – Stil: Rockabilly/Post Punk
Alan Vegas Soloalben aus den frühen 1980er-Jahren offenbaren weniger eine Neuerfindung des Rockabilly-Künstlers als vielmehr, dass Vega diese musikalische Identität bereits seit jeher in sich trug.
Nach einem Jahrzehnt, in dem SUICIDE von Publikum und Kritik oft missverstanden wurde, fand Vega seinen eigenen Weg: weg vom charakteristischen SUICIDE-Sound, hin zu reduziertem, treibendem Rock ’n’ Roll, in dem die Gitarre wieder zentralen Ausdruck gewann. Eigenständig produziert, fing er die Klänge ein, die in seinem Kopf entstanden, und schuf damit ein Werk, das kompromisslos seiner Vision folgt.
´Collision Drive´ entfaltet ein Spektrum roher, ungeschönter Energie: vom proto-punkhaften Drive in ´Ghost Rider´ (SUICIDE Cover) bis zur politischen Wut von ´Viet Vet´, das sich über rund 13 Minuten als dichter, fast poetischer Wutausbruch erstreckt.
Gleichzeitig zeigen Songs wie ´Raver´ oder ´Rebel Rocker´ die Freude an schnörkellosem Rock ’n’ Roll, während die Coverversion von ´Be-Bop-A-Lula´ Vegas Fähigkeit demonstriert, Tradition zu bewahren und gleichzeitig seine persönliche Signatur einzubringen. Die beiden Versionen von ´Magdalena´ ergänzen sich auf eindrucksvolle Weise und unterstreichen die Vielschichtigkeit von Vegas musikalischem Ansatz.
Vega operierte stets auf der Ebene der Interpretation: seine Texte öffnen emotionale und konzeptionelle Landschaften, ohne sie festzulegen. Er überließ es dem Hörer, eigene Erfahrungen, Fantasien und Gefühle einzubringen – ein Prinzip, das der Musik ihre bleibende Kraft verleiht.
´Collision Drive´ ist dadurch nicht nur ein Manifest künstlerischer Unabhängigkeit, sondern auch ein Eckpfeiler des Outsider-Rock, dessen Einfluss auf Art-Punk, experimentellen Pop und Generationen von Künstlern spürbar ist.
Es ist ein Album, das Spannung, Wut und lyrische Intelligenz bündelt und Alan Vegas kompromisslose Vision als Musiker eindrucksvoll dokumentiert.
(9,5 Punkte)



