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ALAN VEGA – Alan Vega (Deluxe Edition)

1980/2026 (Sacred Bones Records) – Stil: Rockabilly/Post-Punk

Alan Vegas selbstbetiteltes Debüt von 1980 wirkt weniger wie ein traditionelles Rockalbum als wie eine Übertragung aus einer verfallenen Zukunft, fluoreszierend beleuchtet und von urbaner Isolation geprägt.

Die Minimalität, die Vega bereits in seiner Arbeit mit Martin Rev bei SUICIDE perfektionierte, wird hier auf die Essenz reduziert: hollowed-out Songs, getragen von Gitarrist Phil Hawk und einer einfachen Drum-Machine, deren skelettartige Rhythmen die perfekte Bühne für Vegas zitternd-ekstatische Vocals bilden.

Er singt nicht nur, er schluckt, keucht, croont – eine Stimme, gleichzeitig erschreckend intim und kühl distanziert, die den Hörer in eine klaustrophobische, doch magnetische Klangwelt zieht.

Songs wie ´Jukebox Babe´ und ´Kung Foo Cowboy´ zeigen Vega auf dem schmalen Grat zwischen Rockabilly-Unterwelt und avantgardistischer Experimentierfreude. Das Album oszilliert zwischen primitivem Bluesgefühl und synthetischen Texturen, die den Untergrund der Achtziger definieren sollten.

´Speedway´ und ´Ice Drummer´ beschleunigen die Zeit, verbinden mechanischen Puls mit hypnotischer Präzision und legen die Grundlage für technoide Loops, wie sie bald aus Detroit und Chicago emporsteigen würden.

´Bye Bye Bayou´ liefert cineastische Weite: halluzinogen, sumpfig, ein digitaler Wilderness-Trip, dessen flackernde Klangarchitektur Vegas parallelem Wirken als Lichtkünstler entspricht.

Die Deluxe-Edition von “Sacred Bones” ergänzt dieses Fundament durch frühe, bisher unveröffentlichte Demos, kuratiert von Vegas Witwe Liz Lamere. Sie bieten Einblicke in den künstlerischen Prozess, der weniger auf Perfektion als auf radikale Authentizität zielt: rohe Texturen, klammernde Intimität, die zugleich archaisch und avantgardistisch wirkt.

Mit ´Lonely´ endet das Album als isolierte Übertragung aus der urbanen Leere – unaufhaltsam, intensiv, und zugleich verspielt in seiner Emotionalität.

Vega gelingt es, Rock´n´Roll-Mythen zu rezipieren und zugleich zu dekonstruieren, dabei aber eine eigenständige, nachhaltige Vision zu bewahren.

Das Ergebnis ist ein Meisterwerk, das seine Zeit weit überholt hat und in Klang und Konzept weiterhin Maßstäbe setzt.

(Klassiker)

https://www.facebook.com/SacredBones


Pic: Original Album Cover

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