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MEGADETH – Megadeth

2026 (BLKIIBLK) - Stil: Heavy/Thrash Metal

Als ich 1983 zum Erscheinen von ´Kill ’Em All´ erstmals auf METALLICA aufmerksam wurde, war Dave Mustaine nicht mehr Teil der Band. Die Demoaufnahmen der vier Thrash-Pioniere waren damals an mir vorbeigegangen, doch die Gitarrenarbeit und die Songideen des späteren MEGADETH-Gründers hinterließen bleibenden Eindruck.

Seine Klasse offenbarte sich bald auf dem Debüt-Demo ´Last Rites´ und manifestierte sich in Meilensteinen wie ´Peace Sells… But Who’s Buying?´, dem furiosen ´Endgame´ von 2009 sowie dem unterschätzten Vorgänger dieses Abschiedswerks,´The Sick, The Dying… And The Dead´.

Mustaine hat sich über vier Jahrzehnte nie von seinem musikalischen Kompass abbringen lassen – und das merkt man jedem Ton seines letzten Albums an. Das selbstbetitelte ´Megadeth´ ist nicht einfach ein Schlusspunkt, sondern eine verdichtete Bestandsaufnahme von Klang, Virtuosität und Haltung.

´Tipping Point´ eröffnet mit galoppierendem Thrash, messerscharfen Leads und Mustaines unverkennbarer Mischung aus Gift und Charisma. ´I Don`t Care´ setzt auf rohe Aggression, punkige Energie und straßennahen Trotz, während die Rhythmussektion von Dirk Verbeuren und James LoMenzo mit eiserner Präzision jedes Tempo trägt. Teemu Mäntysaari als neuer Leadgitarrist fügt sich nahtlos ein, virtuos, geschmeidig, aber ohne die Härte der Band zu verwässern.

Doch das Album entfaltet seine Tiefe in den Momenten, in denen MEGADETH den Hörer fordert: ´Puppet Parade´ und ´Obey The Call´ offenbaren ihre Raffinesse erst nach mehreren Durchläufen, und ´Another Bad Day´ verwebt Rock- und Thrash-Elemente zu einem mitreißenden Ganzen.

´Made To Kill´ und ´Let There Be Shred´ lassen dagegen die klassische Thrash-Maschine auf Hochtouren laufen, während ´I Am War´ die melancholische und wuchtige Seite der Band zeigt. Schließlich setzt ´The Last Note´ als langsames, beinahe rituelles Finale einen würdigen Schlusspunkt, wie ein bittersüßes Echo auf 43 Jahre MEGADETH.

Ein besonderer Moment und klares Highlight ist schließlich das Cover von ´Ride The Lightning´: Mustaine holt sich hier ein Stück seiner frühen METALLICA-Vergangenheit zurück, und es ist ein Fingerzeig auf die Unverrückbarkeit seines Einflusses auf den Thrash Metal.

In dieser Neuinterpretation haben MEGADETH das Tempo des Songs leicht angezogen und das Solo neu gestaltet, was nicht nur die Dynamik erhöht, sondern im mittleren Abschnitt zu einem virtuosen Dialog zwischen Mustaine und Mäntysaari führt. Während die Originalversion noch auf klassische Metal-Strukturen setzt, wirken die Gitarren in dieser Fassung regelrecht in Bewegung: schnelle Läufe, verzweigte Figuren und ein komplex aufgebautes Solo verleihen dem Mittelteil eine technische Raffinesse, die weit über eine reine Nachbildung hinausgeht und Mustaines unverwechselbare Handschrift klar in den Vordergrund rückt.

´Megadeth´ ist ein Album, das Härte, Präzision und Melancholie in perfektem Gleichgewicht präsentiert. Es feiert die Wurzeln, ohne altmodisch zu wirken und zeigt Aggression und Virtuosität, ohne übertrieben zu glänzen – ein kraftvolles, ehrliches, emotionales Werk, das Mustaines Vermächtnis und die Essenz von MEGADETH für die Ewigkeit festhält.

(8,5 Punkte)

Marcus Köhler

 

Dave Mustaines Statement zum Ende der Band war alles andere als pathetisch. Das „Ende“ wurde überraschend verkündet, zumindest für uns Außenstehenden, hatte er doch mit MEGADETH mit den letzten beiden Scheiben, ´Dystopia´ sowie ´The Sick, The Dyning…And The Dead!´, wieder zur alten großen Klasse aufschließen können. Mit dem siebzehnten, selbstbetitelten Album wird Mustaine die Axt niederliegen, mit der er den Heavy Metal bzw. Thrash Metal mitgeprägt hat. Mustaine hat sich nie als Medienliebling verkauft, hat „sein Ding“ durchgezogen, immer im Windschatten von METALLICA, die zu einer der größten Bands der Welt wurden, während MEGADETH musikalisch kommerziell limitiert waren. Darüber kann man munter diskutieren. Auch über den Umstand, ob MEGADETH doch nicht diese unsägliche SCORPIONS-/KISS-Kiste einer nie endenden letzten Tour, letztes Album durchziehen werden. Lassen wir uns überraschen.

Was bietet MEGADETH also auf dem letzten Album seiner Karriere? Puren MEGADETH-Sound. Kompromisslos, unverwechselbar, äußerst giftig, irgendwie alles andere als ein Soundtrack, der die Rente einleiten soll. Die Trademarks des MEGADETH`schen Sounds prägen dieses Album. Der unverwechselbare Mustaine Gesang sowie seine einzigartigen, sofort erkennbaren Riffs sind Dreh- und Angelpunkt auch dieses Albums. Er wirkt gelöst, sein Spiel ist megapräzise, komplett fokusiert auf absolute Effizienz. Zwischen all den thrashigen Elementen sind auch die melodischen Einflüsse kaum zu übergehen.

Eines der intensivsten Stücke ist das als dritte Single ausgekoppelte ´Let There Be Shred´. Der Name ist Programm. Allein die Eröffnungssequenz ist zum Anbeten. Die Nummer geht steil nach vorne und ist für mich persönlich einer der Überfliegertracks. Mit ´I Don`t Care´ wird mal schnell der Schädel glatt rasiert. Der unterschwellige Punk-Touch und dieser angepisste Grundtenor pusten die Ohren frei. ´Made To Kill´ ist ein weiteres Highlight, durch die rasanten Tempowechsel und die ungehobelte Wucht. Sicher kein kreativer Höhepunkt, aber die Energie und die Riffs wirken geradezu brachial.

Natürlich glänzt nicht alles auf dem Abschiedsalbum. Dafür sorgt dann ein etwas belangloses ´Hey God!´, das für MEGADETH-Verhältnisse schon irgendwie kommerziell daherkommt. Mit dem albumeröffnenden ´Tipping Point´ galoppiert man den Hörer förmlich um und liefert mit dem letzten Song des Albums, ´The Last Note´, die Abschiedshymne mit geradezu theatralischem Mittelteil und der Textzeile am Ende des Songs: “I came, I ruled, now I disappear”!

Als Bonustrack haut man dann noch ´Ride The Lightning´ von METALLICA raus. Warum? Den Song schrieb Mustaine zusammen mit Hetfield, Burton und Ulrich bevor er vor die Tür gesetzt wurde.

Kurzum, das letzte MEGADETH-Album ist ein würdiges Statement einer Band bzw. eines Mannes, der zwar nicht ausgebrannt wirkt, dafür mit Anstand die Bühne verlässt und eine gute Platte hinterlässt, die noch einmal die Wichtigkeit dieser Band untermauert. Danke.

(8,5 Punkte)

Jürgen Tschamler

 

https://www.facebook.com/Megadeth/


(VÖ: 23.01.2026)

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