
ART PEPPER – Art Pepper Meets The Rhythm Section UHQR
1957/2025 (Analogue Productions) - Stil: Jazz
Art Pepper war immer ein Mann zwischen den Welten. Mit 17 Jahren stand er schon neben Benny Carter, kaum erwachsen, zog er mit Stan Kentons mächtigem Klangensemble durch die Lande. Bereits als junger Altsaxophonist konnte sich seine Stimme inmitten eines Orchesterdonners behaupten. Nach dem Krieg zurück in Los Angeles, wurde er Teil von Stan Kentons „Innovations Orchestra“, jenem gewaltigen Unterfangen, das den Jazz orchestraler, größer und visionärer machen wollte.
Doch Art Pepper, schmal gebaut, mit den Zügen eines Filmstars, war längst mehr als ein Teil des großen Ganzen. Anfang der Fünfzigerjahre sah man ihn in den Leserumfragen ganz oben. 1952 wählten ihn die Leser des “DownBeat” gleich hinter Charlie Parker zum besten Altsaxophonisten. Ein Beweis seines Rangs, aber zugleich auch eine Bürde. Gemeinsam mit Chet Baker, Gerry Mulligan, Shelly Manne wurde er zum Gesicht des sogenannten „West Coast Jazz“ – kühler, luftiger und leichter als der brodelnde New Yorker Jazz. Doch Art Peppers Spiel trug immer beides in sich, einerseits die klare Sonne Kaliforniens und andererseits die unruhigen Schatten der Straßen.
So führte ihn sein Weg, immer zwischen Glanz und Abgrund, zu jenem Tag im Januar 1957. Eine Session, von der er am Morgen erfuhr. Keine Proben, kein Konzept, nur ein abgenutztes Saxophon und ein Körper, dem die Last der Drogensucht und Rastlosigkeit anzusehen war. Und doch wartete im Studio keine zweite Garnitur an Mitmusikern, sondern Miles Davis’ Rhythm Section – Red Garland, Paul Chambers und Philly Joe Jones. Musiker, die er verehrte, aber nie getroffen hatte. Statt im Chaos zu versinken, wurde der Studioaufenthalt wider aller Zeichen zu einem Sternenfunken.
Das Album eröffnet mit ´You’d Be So Nice To Come Home To´. Red Garland schlägt die ersten Akkorde an wie Türen, die ins Licht führen, und Art Pepper tritt unerschrocken ein. Sein Altsaxophon klingt warm und gefährlich zugleich. Red Garland, Paul Chambers und Philly Joe Jones tragen ihn, treiben ihn, stacheln ihn an – und man spürt umgehend, dass dies kein kontrolliertes Miteinander ist, sondern ein echter Funkenflug ist.
´Red Pepper Blues´, eine spontane Zusammenarbeit von Art Pepper und Red Garland, ist pure Magie. Ein schlichter und direkter Blues, als wäre er zwischen zwei Zigarettenpausen erfunden. Dennoch klingt er so selbstverständlich, als hätte er immer existiert. Red Garland lässt die Töne perlen, Art Pepper antwortet mit schnörkelloser Klarheit, Paul Chambers setzt den Boden, Philly Joe Jones kommentiert federleicht.
Mit ´Imagination´ zieht eine andere Tonfarbe ein. Hier spielt Art Pepper zart und verletzlich, das Saxophon wie eine Stimme, die gleichzeitig flüstert und brennt. Red Garland umschmeichelt ihn mit Akkorden, Paul Chambers’ Bass lenkt wie eine unsichtbare Führung. Es ist kein makelloser Ton, aber ein ehrlicher, gerade deshalb so berührender.
´Waltz Me Blues´, geboren im Studio zwischen Art Pepper und Paul Chambers, wirkt wie ein kleiner Tanz im Zwielicht. Dreiviertel, leichtfüßig, verspielt, und doch mit einer melancholischen Tiefe, die zwischen den Tönen lauert. Man sieht förmlich, wie die Musiker sich anschauen, schmunzeln, nicken und den Moment festhalten.
Dann ´Straight Life´, sozusagen Art Peppers eigenes Bekenntnis. Rasend, ungestüm und voller Risiko. Jeder Ton ein Sprung ins Unbekannte, eine Mischung aus Trotz und Lebenshunger. Es ist, als würde er sein eigenes Schicksal herausfordern. Gleichwohl triumphiert er, obwohl Art Pepper hier am nächsten an Charlie Parker erinnert.
´Jazz Me Blues´ trägt den Geist von New Orleans in sich. Doch Art Pepper macht keine Gefühlsduselei daraus. Er jagt die Melodie wie ein Wilder, Paul Chambers liefert einen bauchigen, gestrichenen Bass, Philly Joe Jones’ Drums tänzeln zwischen Tradition und Modernität. Ein Stück Vergangenheit, das im Studio von 1957 neu geboren wird.
´Tin Tin Deo´ – Chano Pozos Afro-Cuban-Klassiker – ist ein weiterer Höhepunkt der Session. Philly Joe Jones entfesselt hier ein Feuerwerk an Percussion. Art Pepper bläst mit rauer Intensität, Red Garland malt Linien in die Zwischenräume. Das Stück ist eine Beschwörung, ein Tanz mit Schatten.
In ´Star Eyes´ nimmt Art Pepper das Tempo leicht zurück. Nach Paul Chambers’ gestrichenem Solo tritt er fast zaghaft ein, als wolle er die Sterne nicht verscheuchen. Dann steigert er sich, findet Strahlkraft und am Ende klingt die Melodie wie ein Aufatmen.
Zum Abschluss ´Birks’ Works´. Dunkel, erdig und getragen. Red Garland und Art Pepper spielen das Thema unisono, als wollten sie eine Tür ins Nachtblau öffnen. Dann löst sich Art Pepper, klettert in die Höhen, springt aus der Dunkelheit ins Licht. Ein Abgang mit Würde sowie mit Kraft und mit der Ahnung, dass dies nicht das Ende, sondern ein geglückter Anfang war.
Denn so wurde aus einem Nachmittag, bei dem eigentlich alles gegen ihn sprach, ein Album für die Ewigkeit. ´Art Pepper Meets The Rhythm Section´ ist daher auch kein poliertes Meisterwerk. Es ist roh, verletzlich und zugleich überlebensgroß. Eine Begegnung im Sturm. Ein Blitz, der bis heute nachleuchtet – und den man nicht erklären, sondern nur immer wieder neu hören kann.
(Klassiker)
Mehr als sechzig Jahre nach seiner Aufnahme kehrt ´Art Pepper Meets The Rhythm Section´ zurück – in einer „UHQR“-Edition („Ultra High Quality Record“), einer audiophilen Offenbarung, streng limitiert auf 2.750 nummerierte Exemplare. Erschienen bei „Analogue Productions“, ist diese Edition weit mehr als ein Reissue, weit mehr als ein Remaster – es ist eine Wiedergeburt in Reinheit.
Die Magie dieses Moments ist hier so klar, so greifbar wie nie zuvor. Bernie Grundman schnitt direkt von den originalen analogen Mastertapes, AAA, in 45 RPM. Vier Seiten, 200g Clarity Vinyl, gepresst bei „Quality Record Pressings“ – die pure Essenz des Jazz, ohne Schleier, ohne Zeit.
Und der Klang ist atemberaubend. Art Pepper steht im Raum, sein Altsaxophon klingt so lebendig, dass man den Atem des Künstlers spürt. Es ist keine Aufnahme mehr, es ist eine Begegnung. Ein Rendezvous mit dem Zeitgeist des Jazz.
Das UHQR-Set ist zugleich ein Juwel für jeden Sammler. Die Platte ruht in einem schweren Stoughton tip-on Gatefold mit matter Oberfläche, umgeben von einer luxuriösen Clamshell-Box. Dazu ein 16-seitiges Booklet, das die Geschichte von „Contemporary Records“ erzählt, ergänzt um neue Linernotes von John Koenig, Sohn des Gründers Lester Koenig. Jede Seite, jedes Detail zeugt von Ehrfurcht.
´Art Pepper Meets The Rhythm Section´ ist in dieser UHQR-Edition ein goldener Schlüssel zu einem Raum, in dem Jazz noch immer Gegenwart ist. Für Sammler, audiophile Klangsucher, für alle, die der Musik so nah wie möglich kommen wollen, ist dies ein weiterer Gral.
Art Pepper – Altsaxophon
Red Garland – Klavier
Paul Chambers – Bass
Philly Joe Jones – Schlagzeug
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