PlattenkritikenPressfrisch

JOHN LEE HOOKER – Burning Hell

~ 1964/2024 (Concord/Craft Recordings) – Stil: Blues ~


Der US-amerikanische Bluessänger John Lee Hooker erblickte wahrscheinlich 1912 als jüngstes Kind eines Baptistenpredigers das Licht der Welt. Der zweite Mann seiner Mutter führte ihn in das Gitarrenspiel ein, der Freund seiner Schwester schenkte ihm seine erste Gitarre. Beiden schrieb John Lee Hooker einen gewaltigen Einfluss auf seinen späteren Gitarren-Stil zu.

Mit 14 Jahren machte er sich von seinem Geburtsort Tutwiler, oder auch Clarksdale, Mississippi, aus dem Staub, ging nach Memphis, Tennessee, und nach Detroit, Michigan. In dieser lauten Motor City legte er sich ein entsprechendes Instrument zu, eine elektrische Gitarre. So kam der Delta Blues zur E-Gitarre.

Seine Plattenkarriere begann John Lee Hooker 1948, doch er wollte keine Verträge eingehen und ließ sich seine Studioaufnahmen vorab entlohnen. Populär wurden vor allem seine Lieder ´Boogie Chillen’´ (1948), ´Crawling King Snake´ (1949), ´Dimples´ (1956), ´Boom Boom´ (1962) sowie ´One Bourbon, One Scotch, One Beer´ (1966) und legendär seine Alben ´I’m John Lee Hooker´ (1959), ´That’s My Story´ (1960), ´Travelin’´ (1960), ´Burnin’´ (1962) sowie ´Burning Hell´ (1964). Letzteres Album nahm er allerdings schon fünf Jahre vor seiner Veröffentlichung, am 20. April 1959 in den „United Sound Systems“ Studios von Detroit auf.

Aktuell wird ´Burning Hell´ in der neuen, von „Craft Recordings“ und „Acoustic Sounds“ aus der Taufe gehobenen „Bluesville Acoustic Sounds Series“ wiederveröffentlicht. Das bei „Quality Record Pressings“ auf 180g gepresste Vinyl, im komplett analogen AAA-Mastering durch Matthew Lutthans, ist die erste weltweite LP-Veröffentlichung samt Obi-Streifen für den Sammler.

Als einer der größten Bluessänger aller Zeiten überrascht der Songwriter und Gitarrist auf ´Burning Hell´ mit einer seltenen Solo-Vorstellung auf der Akustikgitarre. Im Country-Blues-Stil singt John Lee Hooker einige Klassiker und eigene Originale.

Seine reife und kraftvolle Stimme erzählt ungeschönte Geschichten, sein Gitarrenspiel ist hingegen derart roh und oft nur wild den Rhythmus schlagend. Feurig und in aller Ruhelosigkeit singt er ´Burning Hell´, schlägt und zupft dabei die Gitarrensaiten an, wohingegen er den ´Graveyard Blues´ geradezu genüsslich zelebriert.

Das erstmals von Big Joe Williams 1935 aufgenommene ´Baby, Please Don’t Go´ trägt John Lee Hooker derart manisch vor, dass seine Version noch später oft als Grundlage für weitere Aufnahmen des Songs herhalten sollte. Dagegen ist ´Smokestack Lightnin’´ bis heute eher in der Interpretation von Howlin‘ Wolf bekannt.

John Lee Hooker hat allerdings bereits ein hartes Leben hinter sich und genügend eigene Erzählungen parat. Daher lässt sich auch schon der emanzipierte Mann in den Fünfzigerjahren nicht mehr von seiner Frau reinreden, wie der Song ´You Live Your Life & I’ll Live Mine´ bezeugt, und er mag es ebenso nicht, dass sie wie in ´How Can You Do It´ sein Geld aus dem Fenster wirft, oder schon gar nicht wie in ´I Don’t Want No Woman If Her Hair Ain’t No Longer Than Mine (Short-Haired Woman)´, dass sie kürzeres Haar als er trägt.

Völlig unabhängig nimmt er sich das Recht heraus und verlässt seine Geliebte in dem Blues-Standard ´Key To The Highway´. Verlassen jedoch die Frauen ihn, ist das Geschrei riesengroß und John Lee Hooker jault wahlweise ´I Rolled And Turned And Cried The Whole Night Long´ oder ´Blues For My Baby´.

Ein echter Klassiker vor dem Teufel.

 

 

John Lee Hooker – Gitarre, Gesang

 

https://www.facebook.com/JohnLeeHookerofficial