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MILES DAVIS – That´s What Happened 1982-1985: The Bootleg Series Vol. 7

~ 2022 (Columbia Records/Legacy Recordings/Sony Music) – Stil: Jazz ~


Was bisher geschah: Das stille Vermächtnis von Miles Davis, einer der prägendsten und anerkanntesten Jazzmusiker des 20. Jahrhunderts, wird weiter aufgearbeitet. In der Reihe „The Bootleg Series“ werden 1967er und 1969er Live-Mitschnitte aus Europa, Auftritte im „Fillmore East“ aus New York City anno 1970 und dem „Newport Jazz Festival“, Studioaufnahmen zwischen 1966 und 1968 sowie Live-Mitschnitte vom „Olympia“ in Paris, „Konserthuset“ in Stockholm und „Tivoli“ in Kopenhagen veröffentlicht.

Was jetzt geschieht: Unter dem Titel ´That´s What Happened 1982-1985: The Bootleg Series Vol. 7´ erscheint der siebte Teil der offiziell autorisierten Reihe und enthält unveröffentlichtes Studiomaterial aus den Aufnahmesessions der Werke ´Star People´ (1983), ´Decoy´ (1984) und ´You’re Under Arrest´ (1985). Ein weiteres Drittel beinhaltet einen Miles Davis Live-Auftritt vom 7. Juli 1983 in Montreal. Die Aufnahmen wurden von Steve Berkowitz, Michael Cuscuna und Richard Seidel produziert und von Toningenieur Mark Wilder frisch gemastert. Die Edition mit drei Silberlingen steckt in einem Slipcase, während die Doppel-LP nur die Höhepunkte des Studiomaterials enthält. Zum Lesen hält die silberne Ausgabe noch Liner Notes von Marcus J. Moore und aktuelle Interviews mit alten Mitstreitern aus den Achtzigerjahren bereit: Schlagzeuger und Bandkollege Vince Wilburn Jr., Gitarrist John Scofield, Bassist Darryl Jones, Bassist Marcus Miller und Gitarrist Mike Stern.

Was wir hören: Die Siebzigerjahre, in denen Miles Davis den Jazz mit mehr elektrischen Instrumenten und mehr Effekten interpretierte sowie Elemente des Funk und Rock integrierte, waren Geschichte. In den Achtzigerjahren spielte Miles Davis selbst zwar wieder traditioneller, erlaubte seiner Begleitband allerdings eine Pop-Ausrichtung. Sein charakteristischer Sound jener Dekade ist daher aus den zentralen Kompositionen des ersten Silberlings, dem 13-minütigen ´Santana´ und dem dreiteiligen ´Celestial Blues´, in raueren Versionen abzulesen. Die Zuwendung zur Populärmusik zeigt sich auf dem zweiten Silberling anhand seiner Versionen von Tina Turners ´What’s Love Got To Do With It´, Cyndi Laupers ´Time After Time´ oder Michael Jacksons ´Human Nature´. Gerade letztere beiden Aufnahmen entwickelten sich für Miles Davis zu echten Hymnen. Seine letzte Epoche schenkte ihm dennoch oder gerade deshalb die höchstmögliche Popularität, so dass er sogar widerwillig einer Einladung ins Weiße Haus folgte. Dort antwortete er auf eine Frage, was in seinem Leben wichtig war, dass er die Musik fünf oder sechs Mal verändert hat.

´That´s What Happened 1982-1985: The Bootleg Series Vol. 7´ enthält Raritäten aus seiner letzten Entwicklungsphase.

 

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