
NAUTILUS – A Castle Full Of Secrets
2026 (Sireena Records) – Stil: Progressive Rock / Electronic
Die NAUTILUS nimmt erneut Kurs auf unbekannte Gefilde und taucht zwei Jahre nach dem vielbeachteten Vorgänger ´When Time Is Just A Word´ wieder auf, um mit ´A Castle Full Of Secrets´ ein weiteres Kapitel aus dem Kosmos von Jules Verne musikalisch auszuleuchten. Statt exotischer Weltreisen führt der Weg diesmal in die abgelegenen Karpaten, wo sich um ein verlassenes Schloss eine Geschichte voller Schatten, Erinnerungen und technischer Illusionen rankt.
Erneut ist es Martin Ludwig, der gemeinsam mit Jürgen Dürrbeck die klangliche Basis aus Keyboards und Sequenzern legt, während Werner Strätz mit seiner Gitarre gezielt Akzente setzt und Meiko Weigel den Stücken mit sparsamen Stimmen und Samples zusätzliche Farbe verleiht. Die Band bewegt sich weiterhin souverän zwischen melodischem Progressive Rock, klassischem Artrock und den elektronischen Traditionen der Berliner Schule, ohne dabei ihre eigene Handschrift zu verlieren.
NAUTILUS lassen die Musik fließen, ruhig, getragen und mit einem sicheren Gespür für Atmosphäre. Die Synthesizer bauen weite Bilder auf, während feine Gitarrenmelodien darüber gelegt werden und immer wieder kleine emotionale Höhepunkte setzen. Wer sich in den Klangwelten von TANGERINE DREAM, KLAUS SCHULZE und VANGELIS zuhause fühlt, findet hier sofort Zugang. Zugleich scheinen aber auch Einflüsse von PINK FLOYD und Mike Oldfield durch.
Mit ´Twilight In Wonderland´ öffnet sich das Tor zur Geschichte, getragen von ruhigen Synthesizerflächen und einer gesprochenen Einleitung, die den Hörer direkt ins Geschehen führt. ´Visions Of Stilla´ greift die tragische Figur der Sängerin auf und verbindet eine klare Gitarrenmelodie mit eleganten Keyboardpassagen. In ´Smoke Above The Castle´ verdichtet sich die Stimmung, die Gitarre tritt stärker hervor und zeichnet ein klares Bild des düsteren Gemäuers.
Im weiteren Verlauf bestimmen die Keyboards das Geschehen, während Stücke wie ´Soulmate Spirits´ und ´Sleeping Beauty´ mit sanfter Melancholie überzeugen. Deutlich lebhafter zeigt sich ´Vampire Cathedral´, das mit treibenden Sequenzen und elektronischen Effekten die unheimliche Seite der Geschichte betont, während das vergleichsweise geradlinige ´Time For A Change´ als vitaler Akzent zwischen den ausladenden Klangteppichen fungiert.
Die längeren Stücke wie ´When The Pictures Learned To Move´ und ´Misty Morning Lights´ entfalten ihren Reiz durch ruhigen Aufbau und stetige Steigerung, ehe ´The Count And The Lady´ die Gitarre wieder stärker in den Vordergrund rückt. Mit ´In The Last Days Of Empathy´ findet das Album schließlich einen würdigen Abschluss, der die zentralen Motive noch einmal bündelt und melodisch auflöst.
Über die gesamte Spielzeit hinweg bleibt die Balance zwischen elektronischen Klangflächen und organischem Gitarrenspiel gewahrt, unterstützt durch das präzise Mastering von Eroc, das dem Sound eine warme, leicht analoge Note verleiht. Effekte wie Wolfsgeheul oder dezente Geräuschkulissen fügen sich stimmig in das Gesamtbild ein und verstärken die Atmosphäre der literarischen Vorlage.
Ob als literarische Vision bei Jules Verne oder als klanggewordene Erzählung bei NAUTILUS – ´A Castle Full Of Secrets´ zeigt eindrucksvoll, wie stark diese Verbindung auch heute noch trägt und wie lebendig solche Stoffe im Progressive Rock umgesetzt werden können.
(8 Punkte)
https://www.facebook.com/NautilusNedland
(VÖ: 10.04.2026)



