
CARBON DECOY – Crush The Sun
2025/2026 (Vina Records) - Stil: Stoner Doom, Heavy Psych, Garage Doom
Mit ´Crush The Sun´ bündeln CARBON DECOY ihre bisherigen Jahre auf der Straße zu einem aufgeladenen neuen Studio-Album. Seit der Gründung durch Jared Jordan und Casey Rowe im Jahr 2020, später komplettiert durch Earl Mudd, hat sich das Trio aus Michigan konsequent vom losen Studio-Projekt zur eingespielten Live-Band entwickelt. Die frühen Aufnahmen in Grand Rapids, festgehalten auf ´Live At Dogtown´, gaben bereits die Richtung vor, doch erst nach intensiven Touren durch den Mittleren Westen gewann dieser Sound seine volle Schärfe. Dieses zweite Album gibt daher die Entwicklung authentisch wieder.
Aufgenommen wurde erneut mit Erik Maluchnik in den “Tempermill Studios” in Ferndale. Die Band spielte große Teile gemeinsam ein, wodurch Bass und Schlagzeug wie ein einziger, schwer arbeitender Apparat wirken. Jared Jordan treibt sein Instrument bewusst in den Grenzbereich, Casey Rowe hält mit rauem Gesang stoisch dagegen, während Earl Mudd dazu Gitarren zwischen schleppendem Doom und grellen, fast psychedelischen Spitzen zwängt.

Der Opener ´The Trip´ legt sofort los, ein schneller, erdiger Rock-Song mit deutlichem 70er-Groove, der nach Straße klingt. ´Castle East´ zieht das Tempo an der nächsten Ecke deutlich herunter, ein schweres Riff kreist beharrlich und entfaltet eine bedrohliche Stimmung. In ´Icarus´ übernimmt der Bass die Führung, das Stück wirkt angespannt, als würde es sich immer weiter nach oben schrauben, bis der Absturz unausweichlich erscheint.
´Forest Of Lies´ bringt eine sumpfige, schleppende Sludge-Note ins Spiel, der Groove bleibt dabei sofort hängen. Mit ´Heavy Weight´ folgt ein kurzer, wuchtiger Track, der wie ein außer Kontrolle geratener Zug durchzieht und keine Umwege kennt. ´Sirens´ arbeitet hingegen mit Hall und flirrenden Gitarren, entwickelt einen fast hypnotischen Sog, bevor die Band wieder in schwere Riffs zurückkehrt.
´The Wraith´ ist ein kompakter Doom-Track, der wie ein musikalischer Befreiungsschlag wirkt. Zum Abschluss verändert sich die Perspektive mit ´Ghost Town´ spürbar. Jared Jordan übernimmt hier zusätzlich Gitarre und Gesang, das Stück wirkt fast wie eine staubige Westernszene, in der der Wind durch verlassene Straßenzüge zieht und nur noch Fragmente einer vergangenen Welt übrig sind.

Inhaltlich greifen CARBON DECOY immer wieder auf Bilder aus Mythologie und Verfall zurück, von Ikarus bis zu sirenenhaften Verlockungen, verbinden diese Motive jedoch eng mit ihrer eigenen Umgebung. Die industrielle Prägung ihrer Heimat fließt hörbar ein.
Mit der Vinyl-Pressung über das Label “Vina Records” erhält ´Crush The Sun´ nunmehr seine weltweite Veröffentlichung und die passende Form. Die Pressung bringt die tiefen Frequenzen kraftvoll zur Geltung und lässt dem Zusammenspiel von Bass und Schlagzeug den nötigen Platz, während die Gitarren klar darüber stehen. Gerade hier zeigt sich, wie sehr dieses Album auf physische Wirkung ausgelegt ist.
´Crush The Sun´ wirkt wie das Ergebnis von Jahren harter Arbeit. CARBON DECOY setzen auf schwere Riffs und klare Strukturen, und genau das macht die Qualität des Albums aus.
(8,5 Punkte)
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