
MOTORPSYCHO – The Gaia ll Space Corps
2026 (Det Nordenfjeldske Grammofonselskab) - Stil: Psychedelic Hard Rock
Mit ´The Gaia II Space Corps´ greifen MOTORPSYCHO eine Idee auf, die tief in der eigenen Genen verankert ist: Rockmusik als experimentelles Feld, keine Regeln, keine Festlegung. Der Blick geht bewusst zurück in jene späten Sechziger und frühen Siebziger, als Heavy Rock noch kein Genre war, sondern ein Gedanke. Genau dort setzt ´The Gaia II Space Corps´ an, mit einer wahren Lust am klassischen Gitarrensound. Hans Magnus Ryan, Bent Sæther, Reine Fiske und Olaf Olsen spielen mit hörbarer Spielfreude. Die Gitarren stehen im Zentrum, mal hart, mal warm, dazu ein Bass, der ständig erschüttert, und ein Schlagzeug, das unnachgiebig aufpeitscht, mal explosiv, mal brachial.
´Fanny Again, Or?´ eröffnet das Album wie ein kurzer Stromstoß, ein riffiger Rock-Song mit nervöser Energie, der erst bei seinem Gitarrensolo eine melodischere Passage offenbart. Bent Sæther führt durch diese bissige Erzählung, während die Gitarren immer wieder kleine Explosionen feiern. Direkt danach bleibt ´The Great Stash Robbery´ ebenso quirlig und aufgescheucht, spielt aber geradliniger auf und entfaltet sogar einen klitzekleinen Refrain.
´TSMcR´ wirkt wie ein leicht aus den Fugen geratener Blues-Rocker. Zweistimmige Gesangslinien finden nie zueinander, während Reine Fiske an der Gitarre weiterhin scharf geschnittene Soli einstreut. ´The Hornet´ setzt einen Kontrast, beginnt mit akustischer Gitarre und mit Phasing-Effekten der Stimme, bevor sich das Stück langsam in einen lässigen Groove hineinbewegt, der an späte Sechzigerjahre erinnert.
Die zweite Seite startet mit ´The Gaia II Space Corps´, einem kompakten, treibenden Rocker mit sofort greifbarer Melodie. Der Song entwickelt sogar eine fast hymnische Qualität. ´The Oracle´ beginnt wieder mit effektreicher Stimme und ruhigem Aufbau, ehe das Stück von der melodischen Leadgitarre geleitet wird. Den Abschluss bildet ´Black As Night´, eine Verneigung vor THE FROST, kraftvoll und erdig, gespielt mit eigener Handschrift.
In seiner Gesamtlänge bleibt ´The Gaia II Space Corps´ ungewöhnlich kurz für MOTORPSYCHO, knapp und fokussiert, fast wie ein bewusst gesetzter Gegenpol zu den ausufernden Arbeiten der letzten Jahre. Die Stücke kommen schneller auf den Gitarren-Punkt und leben von ihrer strotzenden Energie. So entsteht ein Album, das weniger auf monumentale Größe als auf Wirkung zielt. MOTORPSYCHO liefern eine kraftvolle Momentaufnahme ihres Verständnisses von Rockmusik. Schnell und direkt, getragen von Spielfreude und einer klaren Idee davon, wie sich diese Musik anfühlen soll. Ein kurzer Rock-Trip, der genau weiß, wo er hin will.
(8 Punkte)
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(VÖ: 27.3.2026)



