PlattenkritikenPressfrisch

PAPER CROWN – Letters

2026 (Apollon Records) - Stil: Art Pop / Pop Rock

Mit ´Letters´ setzen PAPER CROWN ihren Weg konsequent fort und wirken dabei so gereift wie noch nie. Seit der Gründung im Jahr 2020 haben Ørnulv Snortheim und Johanne Kippersund Schritt für Schritt ein eigenes Profil entwickelt, das sich aus Pop, Folk, Indie und klassischen Songwriter-Traditionen speist. Dieses dritte Album bündelt all das und bringt es auf einen Punkt. Es ist zugleich zugänglich und künstlerisch ambitioniert.

Die Entstehungsgeschichte prägte das Album entscheidend. PAPER CROWN arbeiteten über einen langen Zeitraum an den Songs. Im “Dakkota Studio” in Hamar entstand unter der Leitung von Ørnulv Snortheim ein bewusst warmer Sound mit klaren Gitarren, organischer Banddynamik und viel Raum für die Instrumente. Die Nähe zu Produktionen der Siebzigerjahre ist unverkennbar, zugleich spiegeln Melodieführung und Rhythmusgefühl die Einflüsse der Neunzigerjahre wider.

Im Mittelpunkt steht jedoch die Stimme von Johanne Kippersund, die jeden Ton mit Ruhe und Präzision formt und dabei eine feine Balance zwischen Melancholie und Zuversicht hält. Ihre Texte kreisen um Identität, Beziehungen und das Vergehen der Zeit, oft in Form kleiner Beobachtungen, die sich zu größeren Bildern fügen.

Die Songs selbst treten kompakt und klar auf. ´Someone Else´ eröffnet als entspannter Pop-Track mit leichtem Siebziger-Flair, ´Letters´ folgt als ruhige Ballade. ´Four Leaf Clover´ bringt flockigen Pop-Rock, ´Thorns´ wirkt ernster, ´Daisy Trains´ zeigt eine leichte, fast verspielte Seite. ´Knees Deep´ bleibt im klassischen Singer-Songwriter-Modus, ´Oh The Irony´ setzt auf Kontraste, ´Parachute´ liefert Indie-Rock, ´The Sign´ wehenden Pop-Rock, ´Ride Or Die´ einen kompakten Rocksong, ´Cocoon´ einen hellen, federnden Popmoment mit Violine und ´Another Life´ schließt das Album lebhaft ab.

Gerade diese Mischung macht den Reiz aus. ´Letters´ sucht nicht den schnellen Effekt, sondern entfaltet seine Qualität über Details, über Stimmungen, über das Zusammenspiel von Stimme und Instrument. Manchmal wirkt das bewusst zurückgenommen, gelegentlich fast zu glatt, doch genau darin liegt auch die Konsequenz dieses Albums.

´Letters´ ist ein leises, sehr kontrolliertes Popalbum, das seine Wirkung über Zeit und Aufmerksamkeit entfaltet. Gerade die warme, detailreiche Produktion ist prädestiniert für eine Veröffentlichung auf Vinyl, da sich diese Qualitäten in einem analogen Format besonders gut entfalten.

(8 Punkte)

https://www.facebook.com/papercrownsongs


Pic: Emma Skaret

Ähnliche Artikel

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"