
KIM GORDON – Play Me
2026 (Matador) – Stil: Trip Hop/Electronica/Hip Hop/Post-Punk
Mit ´Play Me´ setzt Kim Gordon ihre bemerkenswert produktive Spätphase fort – eine Solokarriere, die erst mit Mitte sechzig begann und seit ´No Home Record´ kontinuierlich an Schärfe gewonnen hat.
Nach dem harschen, technoiden Impuls von ´The Collective´ wirkt das dritte gemeinsame Werk mit Produzent Justin Raisen zunächst zugänglicher, doch unter seiner Oberfläche brodelt eine ähnliche Unruhe. Gordon bleibt eine Künstlerin, die gesellschaftliche Reibungspunkte lieber seziert als illustriert.

Musikalisch verschiebt sich der Schwerpunkt noch deutlicher in Richtung Rhythmus. Der eröffnende Titeltrack ´Play Me´ rollt in einem entspannten, hornverzierten Groove an, während Stücke wie ´Dirty Tech´ oder ´Subcon´ mit schweren Hip Hop-Beats, Subbass und verzerrten Texturen operieren.
Raisens Produktion bleibt dabei kraftvoll, aber kontrollierter als auf dem Vorgänger: weniger alptraumhafte Attacke, mehr präzise gesetzte Spannung. Besonders ´Post Empire´ illustriert diese Balance – ein nervös vibrierender Song, in dem zappelnde Synths und Funk-Fragmente Gordons halb gesungene, halb gesprochene Reflexionen tragen.
Textlich richtet Gordon ihren Blick auf die technologische Gegenwart: Künstliche Intelligenz, Plattformkultur und die Absurditäten digitaler Selbstvermessung. ´Black Out´ formuliert diese Skepsis mit trockener Ironie, während ´Squarejaw´ mit kaum verhüllter Häme Figuren des Tech-Kapitalismus attackiert.
Humor fungiert hier als strategisches Mittel: Gordon entlarvt technokratische Größenfantasien nicht durch Pathos, sondern durch lakonische Übertreibung.
Trotz der Beat-Dominanz erlaubt sich das Album stilistische Abzweigungen. ´Not Today´ verbindet Post-Punk-Dringlichkeit mit New Wave-Farben, während ´Girl With A Look´ mit melancholischen Gitarrenflächen operiert.
Der Abschluss ´BYEBYE25!´ verwandelt eine Liste politisch unerwünschter Begriffe in eine sardonische Klangskulptur aus Feedback und Bass-Drive.
Gordons Stimme – spröde, sprechgesangsnah, bewusst unglamourös – bleibt dabei ein polarisierendes Instrument. Doch gerade diese Unbeugsamkeit macht den Reiz aus. ´Play Me´ ist kein Album, das sich anbiedert; es fordert Aufmerksamkeit in einer Zeit, die sie ständig fragmentiert.
Am Ende steht ein Werk, das Groove, Satire und kulturelle Diagnose ungewöhnlich souverän verbindet.
(8,5 Punkte)
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Pic: Moni Harworth



