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COLEMAN HAWKINS – Coleman Hawkins And Confrères

1958/2025 (Verve Records/UMe/Acoustic Sounds) - Stil: Jazz

Als ´Coleman Hawkins And Confrères´ 1958 bei “Verve Records” erscheint, ist Coleman Hawkins längst eine Institution. Der Mann, der dem Tenorsaxophon im Jazz Gewicht, Gravitas und harmonische Weitsicht verliehen hatte, trifft hier auf Weggefährten, Rivalen und Brüder im Geiste. Der Titel ist Programm: ein Treffen unter Könnern, festgehalten in einer Atmosphäre, die an große Jam-Sessions erinnert.

Der Opener ´Maria´ entstand bereits im Oktober 1957 in Los Angeles und bringt Coleman Hawkins mit Tenorsaxophonist Ben Webster zusammen. Zwei Tenor-Giganten, zwei völlig unterschiedliche Temperamente. Coleman Hawkins klingt fokussiert, kraftvoll, mit diesem leicht metallischen Kern im Ton. Ben Webster dagegen formt weiche, balladeske Bögen, sein Vibrato schimmert warm und erdig. Unterstützt vom OSCAR PETERSON TRIO – mit Oscar Peterson, Herb Ellis und Ray Brown sowie ihrem vierten Mann bei Studioaufnahmen Alvin Stoller – entwickelt sich eine elegante Midtempo-Nummer, die zwischen geschmeidigem Swing und subtiler Rivalität pendelt. Man hört Respekt – und das stille Kräftemessen zweier Meister.

Die Komposition ´Cocktails For Two´ führt in die New Yorker Session vom Februar 1958 und dauert kaum zweieinhalb Minuten, wirkt dabei jedoch vollkommen ausbalanciert. Coleman Hawkins phrasiert mit trockenem Witz, federndem Swing und lässt das Thema mit selbstverständlicher Eleganz fließen. Ben Webster kontert mit gedämpften Ton. Ein kompaktes Glanzstück, das die Leichtigkeit der Session unterstreicht und zugleich den hohen Anspruch dieses Treffens hörbar macht.

Zu ´Sunday´ stößt Roy Eldridge hinzu, als Ersatz für das OSCAR PETERSON QUARTET ebenso Hank Jones, George Duvivier und Mickey Sheen. Das Stück rollt locker an, federnd, fast tänzelnd. Coleman Hawkins legt mit einem breitem Ton und souveräner Phrasierung vor, ehe Trompeter Roy Eldridge ein brillantes, hell aufleuchtendes Solo zündet, voller Attacke und rhythmischer Raffinesse. Hank Jones setzt dabei am Piano feine, perlende Akzente, während George Duvivier mit elastischem Walking Bass für stetigen Vortrieb sorgt.

´Hanid´, eine Eigenkomposition von Coleman Hawkins, zeigt seine moderne Seite. Das Thema wirkt flotter, harmonisch reizvoll. Hier wird es kompakter, pointierter, die Soli greifen direkter ineinander. Hank Jones legt ein technisch brillantes, zugleich geschmackvolles Klaviersolo hin, während Trompeter Roy Eldridge mit scharfem Ton Kontraste setzt. Coleman Hawkins selbst spielt sein Tenorsaxophon konzentriert, mit klar konturierten Läufen, die bis in höchste Register steigen.

Mit ´Honey Flower´ öffnet sich die Bühne für eine längere, achtminütige, erzählerische Entwicklung. Das Stück bewegt sich im entspannten Midtempo, getragen von einem satten Groove. Nach Roy Eldridges energischem Einsatz übernimmt Coleman Hawkins und entfaltet seinen berühmten, voluminösen Sound in voller Pracht. Jeder Ton sitzt, jede Steigerung wirkt organisch, die Läufe sind geschmeidig und zugleich kraftvoll. Hier zeigt sich, warum spätere Tenoristen wie Sonny Rollins oder Dexter Gordon in Hawkins eine zentrale Referenz sahen.

´Nabob´ bildet den ausgedehnten Abschluss der Original-LP. Fast zehn Minuten Swing auf höchstem Niveau. Das Thema wirkt fast hymnisch, und bietet reichlich Platz für improvisatorische Exkurse. George Duvivier rückt mit einem wuchtigen, zugleich agilen Bassspiel ins Zentrum. Roy Eldridge setzt erneut leuchtende Akzente, Hank Jones bleibt souverän im Hintergrund und stützt das Geschehen mit eleganten Klavier-Akkorden. Coleman Hawkins führt das Ensemble mit breitem, souveränem Ton durch das Stück, als erfahrener Architekt dieses musikalischen Geschehens.

Was dieses Album so besonders macht, ist die Balance aus Autorität und Spielfreude. Coleman Hawkins agiert als elder statesman des Tenorsaxophons, ohne je belehrend zu wirken. Er integriert Roy Eldridge, Ben Webster und Hank Jones mit natürlicher Selbstverständlichkeit in sein Klangbild. ´Coleman Hawkins And Confrères´ klingt wie ein Gipfeltreffen, bei dem niemand dominieren muss, weil alle auf Augenhöhe agieren.

Die Neuauflage innerhalb der “Acoustic Sounds Series” hebt dieses Album klanglich auf ein beeindruckendes Niveau. Das Mastering von Matthew Lutthans bei The Mastering Lab, direkt von den analogen Originalbändern, sorgt für eine außergewöhnlich klare, plastische Abbildung.

Die 180g-Pressung von “Quality Record Pressings” überzeugt mit absolut ruhigem Vinyl, frei von Nebengeräuschen. Die Dynamik wirkt offen, die Instrumente klar voneinander getrennt, ohne künstliche Überzeichnung. Hinzu kommt das hochwertige, glänzende Stoughton-Tip-On-Gatefold, das optisch wie haptisch an die goldene Ära des Jazz erinnert.

Als Klassiker des Mainstream-Jazz und echtes Referenzwerk vereint dieses Album virtuoses Können mit warmem, zeitlosem Swing und bleibt gleichermaßen für Kenner wie für Genießer unmittelbar zugänglich. Diese Edition von ´Coleman Hawkins And Confrères´ aus der “Verve / Acoustic Sounds Series” zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie Coleman Hawkins das Tenorsaxophon geprägt hat – souverän, swingend und in einer Klasse, die bis heute Maßstäbe setzt.

https://www.facebook.com/colemanhawkinsmusic

Coleman Hawkins – Tenorsaxophon
Ben Webster (Titel 1 & 2) – Tenorsaxophon
Oscar Peterson (Titel 1 & 2) – Klavier
Herb Ellis (Titel 1 & 2) – Gitarre
Ray Brown (Titel 1 & 2) – Bass
Alvin Stoller (Titel 1 & 2) – Schlagzeug
Roy Eldridge (Titel 3–7) –  Trompete
Hank Jones (Titel 3–7) – Klavier
George Duvivier (Titel 3–7) – Bass
Mickey Sheen (Titel 3–7) – Schlagzeug

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