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MORE – Destructor

2026 (Warhead Music LLP) – Stil: Heavy Metal

Für viele ist MORE eine DER klassischen NWoBHM-Bands und mit ihren beiden Alben `Warhead` (1981) sowie `Blood & Thunder` (1982) gelten sie als „kult“. Gut, Musik ist bekanntlich Geschmackssache. Für meine Begriffe waren die beiden erwähnten Alben schon damals nur zweite Liga. Einzelnen Songs sind zwar klasse, aber alles in allem sind die Alben kaum auf Augenhöhe mit den Klassikern der damaligen Zeit.

Über 40 Jahre später bringt eben diese Band ein neues Album auf den Markt. Oder besser, die aktuelle Version dieser Band bringt ein neues Album auf den Markt. Bekanntermaßen war auch Produzent Chris Tsangarides in den letzten Jahren vor seinem Tod (2018) ein Teil der Band als Gitarrist. So ist `Destructor` das letzte Album, das Tsangarides produzierte und auf dem man ihn hören kann. Knapp acht plus Jahre später kommt man nun zu dem Entschluss, dieses Album doch noch zu veröffentlichen und MORE neu in der Szene zu platzieren. MORE 2026 haben allerdings mit MORE aus den frühen Achtzigern nichts mehr gemeinsam – weder personell noch musikalisch.

Man sucht vergeblich die frühen Achtziger im Sound, noch finden sich markante NWoBHM-Hinweise. Auf dem Albumcover könnte jeder Bandname stehen. Mit MORE darauf werden aber nicht wenige in die „Falle“ laufen und entsprechend musikalische Erwartungen beim Kauf hegen.

Zwar hat man clevererweise mit `Hearts On Fire` einen Song als Opener platziert, der immerhin einige britische Akzente bereithält und auch einen sehr geringen NWoBHM-Touch inne hat. Selbst die Gitarre beim zweiten Song `Rocquiem` ist sauber und heavy gespielt, wenn auch der Song hörbar eine recht kommerzielle Ausrichtung hat. Dennoch würde man nie drauf kommen, dass das MORE sein soll.

So ruckelt es sich einige Songs lang relativ unspektakulär, geradezu bieder dahin bis der Titeltrack aufschlägt. Hart, recht modern und kaum mit den zuvor gehörten Stücken unter einen Hut zu bringen. Klingt wie ein Stilbruch. Das folgende `Spirits Of War` ist aus meiner bescheidenen Sicht der einzige Track, der eine Art Verbindung zu den Frühwerken aufbauen kann, wenn man sein musikalisches Weltbild weit öffnet.

Die zweite Hälfte des Albums ist etwas härter ausgefallen, hält aber keine Songs bereit, die sich langfristig festsetzen und originell zu nennen sind. Nette Heavy Metal-Songs mit nicht wirklich eigener Identität. Das mag handwerklich gut gemacht sein, aber letztendlich leiden die Stücke an mangelnder Qualität. Da kann sich Sänger Mike Freeland noch so mühen und die Töne nach oben ziehen, die mäßige Mittelklasse der Songs rettet er nicht.

Ich weiß nicht, ob das eine gute Idee war, diesem Album den Bandnamen MORE zu spendieren. Denn der Name suggeriert einfach was anderes, als das, was hier abgeliefert wurde.

(6,5 Punkte)

https://www.facebook.com/MOREthebandofficial/

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