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HEATHER NOVA – Live In Europe 

2026 (V2) - Stil: Akustik Rock

Heather Nova habe ich 1994 mit ihrem dritten Album ´Oyster´ entdeckt und war ganz hin und weg – und jahrelang ein treuer Sammler ihrer Veröffentlichungen. Ich habe sie auch live gesehen. Das war beeindruckend. Sie hat eine ungewöhnliche, schöne Stimme, hat viele gute bis sehr gute Songs geschrieben und hat auch eine natürliche, sensible Bühnenpräsenz mit viel Charisma. Mit dem genialen ´Sugar´ zeigte sie live, dass sie auch ordentlich rocken kann und ´Siren´ der Nachfolger von ´Oyster´ war sogar noch rockiger. Ihr Schwerpunkt liegt seitdem aber auf eher melodischen Rocksongs – oft im akustischen Gewande. Das letzte Studio-Album ´Breath And Air´ war rundum gelungen.

Ich habe dieses Doppel-Album mit Freude angehört, um Altes wiederzuentdecken, aber auch Neues zu entdecken. Heather ist an der Gitarre und Midori Jaeger am Cello, agiert auch als Backgroundsängerin. Es gibt noch ein wenig Klavier und Schlagzeuger Jake Hutton darf bei insgesamt nur vier Songs mittrommeln. Midori Jaeger zeigt sich als kongeniale Partnerin bei den vielen gefühlvollen Songs. Mehr Musikerinnen müssen auch nicht auf der Bühne sein. Mir liegen hier bei diesem Doppelalbum 21 Songs vor.

Kurzes Klatschen und nach zehn Sekunden hat Heather das Publikum und mich mit ihrer wunderschönen Stimme und dem starken ´Rewild Me´ vom 2019er Album ´Pearl´ im Griff. Wie oben schon verkündet, Gitarre, Cello, und der mit Background verstärkte Gesang. Das reicht, um eine eigene Welt zu erschaffen, die sanft, gefühlvoll und ruhig und fließend und trotzdem aufregend ist. ´Ghost In My Room´ vom oben genannten ´Breath And Air´ knüpft nahtlos an. Balsam für die Seele, aber auch immer etwas melancholisch und traurig.

Die Europa-Tournee von Heather, bei der das Album mitgeschnitten wurde, war wohl ausverkauft. Trotzdem hätte Heather aus meiner Sicht seit Jahrzehnten viel mehr Aufmerksamkeit für ihr musikalisches Schaffen verdient. Schon wegen ihres einmaligen Gesangs. Am erfolgreichsten war sie immer in Deutschland und im deutschsprachigen Raum. Sie ist auch eine Poetin und Malerin. Irgendwo liegt noch ihr Gedichtband ´Sorrowjoy´ mit Illustrationen von ihr bei mir im Regal.

Aber weiter zum Live-Album. Mit ´Walk This World´ gibt es einen echten Klassiker. Das ist der Opener von ´Oyster´, der damals mein musikalisches Herz im Sturm eroberte. Aber auch gelungen im akustischen Gewande, nicht wie im Original, wo ein schleppender Rocksong zu hören war. Streicher statt E-Gitarre.  Nach einer kurzen biographischen Erklärung (macht sie hin und wieder) gibt es einen weiteren Song des letzten Albums, ´The Lights Of Sicily´. 

Nächster Höhepunkt das engagierte ´All I Need´ vom sehr guten ´Storm´ Album von 2003. ´Hey Poseidon´ wird dann mit defensivem Getrommel unterlegt. Dank der sparsamen Instrumentierung variieren die Songs nicht immer sehr. Aber Dank dem hochqualitativen Songwriting kommen auch über vier Plattenseiten keine Ermüdungserscheinungen auf. ´Not Only Human´ ist ein weiterer Klassiker von ´Siren´.  Noch klar übertroffen vom überragenden ´Island´ von ´Oyster´, einer ihrer absoluten Top Songs. Wunderschön. Es fehlt nur ein wenig der rockige Ausbruch im zweiten Teil. Danach der mittlere Hit von ´Siren´ ´London Rain´. Wer es rockiger will, kann ja die alten Live-Alben ´Wonderlust´ oder ´Live From The Milky Way´ auflegen bzw. sich zulegen. Lohnt sich. Da gibt es auch das explosive ´Sugar´, das im akustischen Gewand nicht wirklich funktionieren würde.

´Singing You Through´ zeigt zu Beginn, dass Heather auch tiefere Töne gut kann. Ihr voluminöser Gesang geht mitten ins Herz. Die Klavierballade ´Beginner´ funktioniert auch hervorragend zwischen dem frenetischen Beifall des Publikums. Die Drums bei ´I Wanna Be Your Light´ werden dann auch dankbar aufgenommen. Mit dem schönen ´Magnificent´ ist es dann vorbei.

Trotz ihren mittlerweile 58 Lebensjahre ist die Stimme von Heather so schön wie zu Beginn. Großartig. Ihre rockigere Seite hat sie schon länger eher ausgeblendet. Das finde ich persönlich etwas schade. Aber trotzdem sind hier sehr starke Songs einer absolut originellen Musikerin und Sängerin versammelt. Schönheit, Zerbrechlichkeit und trotzdem eine emotionale Stärke aus dem Inneren kommend und viel Charisma. Ein fantastisches Album der Weltenbummlerin, Kosmopolitin, Poetin und Philanthropin Heather Nova.

(8,75 Punkte)

https://www.facebook.com/HeatherNovaOfficial


Pics: ToddeVision
(VÖ: 26.03.2026)

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