
Mit ´Purpur´ legen ZAHN – Chris Breuer, Nic Stockmann und Felix Gebhard – ihr bislang geschlossenstes und zugleich radikalstes Album vor. Das Berliner Trio rückt seinen instrumentalen Experimental-Rock spürbar Richtung Elektronik, ohne die rohe Wucht aus den Händen zu geben. Die Stücke wirken oft bedrohlich, dabei kontrolliert und fokussiert. Was hier entsteht, ist kein loses Experimentieren, sondern ein Album mit klarer Dramaturgie.
Der Auftakt ´Stroboskop´ und das folgende ´Gensher´ überwältigen sofort mit schweren Bassfiguren, maschinell wirkenden Beats, darüber Gitarren, die schneiden und schaben. ´Diaabend´ und ´Solex´ verändern den Schwerpunkt weiter ins Elektronische, bauen hypnotische Grooves auf und lassen sie solange laufen, bis sich eine fast tranceartige Wirkung einstellt. Die Musik bleibt instrumental, erzählt aber dennoch konkrete Szenen, meist kalt und nachts.
Im Mittelteil öffnet sich das Album. ´Alhambra´ dehnt sich zu einem epischen Stück aus, das zwischen schleppender Schwere und schwebenden Passagen pendelt, während ´Katamaran´ wieder direkter zupackt und wie ein kompakter Rock-Song wirkt, geradlinig, ohne Umwege. ´Atoll´ lässt vom Tempo ab und entwickelt eine dunkle, dystopische Spannung, bevor ´Butter´ das Album mit einem vergleichsweise kurzen, aber prägnanten Finale abschließt.
Produziert mit Peter Voigtmann und klanglich veredelt von Magnus Lindberg, klingt ´Purpur´ massiv und präzise zugleich. Gastbeiträge von Fabian Bremer (AUA) und Kjetil Nernes (ÅRABROT) fügen sich nahtlos ein und verstärken den unruhigen Grundton. ZAHN zeigen auf ihrem dritten Album, wie zwingend instrumentale Rockmusik klingen kann, wenn Schwere, Elektronik und Rhythmus konsequent ineinandergreifen. ´Purpur´ ist ein Album für Hörer, die keine Angst vor der Dunkelheit haben und sich gerne in einer massiven Wand aus monolithischer Härte, hypnotischen Synthesizern und einer Atmosphäre voller Spannung und Gefahr verlieren.
(8 Punkte)
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(VÖ: 20.02.2026)



