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REBECCA PIDGEON – The Raven

1994/2020 (Analogue Productions/Chesky Records) - Stil: Folk/Smooth Jazz

Mit ´The Raven´ legt Rebecca Pidgeon 1994 ein Solo-Debüt vor, das bis heute eine Sonderstellung einnimmt. Zwischen Folk, Jazz, keltischer Erzähltradition und zurückhaltendem Pop entwickelt sich ein Album von bemerkenswerter Geschlossenheit.

Rebecca Pidgeon, geboren 1965 in Cambridge, Massachusetts, wuchs im schottischen Edinburgh auf. Schon als Kind sang sie zu BEATLES- und Joni Mitchell-Platten, bevor sie an der “Royal Academy of Dramatic Art” in London Schauspiel und Gesang studierte. Nach ersten Erfolgen mit der Band RUBY BLUE begann sie ihre Solokarriere in den USA. Ihr Solo-Debüt gilt seitdem als Meilenstein der audiophilen Musikaufnahmen.

Der Opener dieses Meisterwerkes, ´Kalerka´, ist ein treibendes Folk-Stück, das Rebecca Pidgeons kristallklare Stimme über präzise gezupfte Gitarren und subtile Basslinien legt. Die poetischen Bilder von Reisen und verlorenen Ländern entfalten sich lebendig und lassen die Instrumente organisch mit der Stimme verschmelzen.

Mit ´The Witch´ taucht das Album in eine geheimnisvolle, fast cineastische Welt. Rebecca Pidgeon erzählt von einem alten Haus und einer Hexe, begleitet von spärlichem Bass und akustischer Gitarre, wodurch die unheimliche, fast theatrale Stimmung direkt spürbar wird.

Der Titelsong ´The Raven´ ist eine atmosphärische Ballade über Abschied und Sehnsucht. Die reduzierte Instrumentierung mit Klavier gibt ihrer Stimme genügend Raum. Die melancholische Erzählung wirkt introspektiv, getragen von der winterlichen Bildsprache der Lyrics.

´You Need Me There´ lockert die Stimmung mit einem leicht jazzigen Swing auf. Der federnde Bass und das zurückhaltende Klavier schaffen eine harmonische Bühne für Rebecca Pidgeons Stimme, die Verlässlichkeit und Nähe vermittelt, während sich die Melodie recht schnell einschmeichelt.

´Grandmother´ öffnet eine intime, nostalgische Perspektive auf die Familiengeschichte der Sängerin. Die sanfte Begleitung lässt die Szenen im Haus der Großmutter geradezu lebendig werden, Lavendelduft, ticken der Uhr und knisterndes Feuer werden schon fast hörbar.

Mit ´You Got Me´ zeigt Rebecca Pidgeon eine spielerische Seite, die Folk und leichten Pop verbindet. Die leichtfüßige Percussion und die lockeren Gitarrenrhythmen erzeugen einen verspielten Groove, während die Stimme Leichtigkeit und Charme ausstrahlt.

In ´Heart And Mind´ lotet sie die Spannungen zwischen Verstand und Gefühl aus. Die reduzierte Instrumentierung hebt die lyrische Nachdenklichkeit hervor, jeder Ton der Stimme erzählt von innerem Abwägen und emotionaler Tiefe.

´Her Man Leaves Town´ fängt die Stille und Leere nach einer Trennung ein. Die sparsame Begleitung und der tiefe Bass vermitteln die Einsamkeit der Erzählerin, während langsame Tempi und Pausen eine beinahe greifbare Spannung erzeugen.

Mit ´Seven Hours´ erfährt das Album wieder mehr Rhythmus. Die repetitive Gitarrenfigur und die fließende Stimme erzeugen eine hypnotische Wirkung, die die Zeit und Entfernung zwischen zwei Menschen spürbar macht.

´Wendy’s Style Shop´ ist eine humorvolle, beinahe kabarettistische Episode. Das leicht swingende Piano und der lockere Bass verleihen dem Song einen tänzerischen Charakter, während die Lyrics charmant kleine Alltagsszenen beleuchten.

´The Height Of Land´ führt zurück in die karge, weite Natur. Die Stimme schwebt über sanft ausklingender Akustikgitarre, die Landschaft und die Suche nach Orientierung werden durch die musikalische Gestaltung ersichtlich.

´Spanish Harlem´ wird durch die minimalistische Aufnahme zur audiophilen Referenz. Der klare Bass, die präzise Akustikgitarre und Rebecca Pidgeons Stimme bilden ein vollkommen organisches, lebendiges Bild, das selbst auf feinsten Anlagen seine volle Wirkung entfaltet.

Der Abschluss ´Remember Me´ bietet einen sanften, fast zerbrechlichen Ausklang. Die minimale Begleitung lässt die Stimme in voller Klarheit erklingen, und die intime Botschaft des Abschieds wirkt unmittelbar. Jede Nuance ist spürbar und macht den Hörer zum unmittelbaren Zeugen der Geschichte.

´The Raven´ ist ein Album, das musikalische Eleganz und technische Perfektion vereint. Es bleibt ein Maßstab für die Kombination aus emotionaler Tiefe, präziser Instrumentation und High-End-Aufnahmekunst. Denn das Album überzeugt auch als High-End-Referenz auf allerhöchstem Niveau. Die Musikerinnen und Musiker wurden in einem großzügigen Raum mit minimaler Mikrofonierung aufgenommen, ohne Overdubs, wodurch jeder Gitarrenanschlag, jede Basslinie und jede feine Percussion unverfälscht und präzise erklingt. Die Dynamik reicht von hauchzarten Passagen bis zu kraftvollen Momenten, ohne dass ein Detail verloren geht, während Stimmen und Instrumente ihr volles, natürliches Timbre bewahren. Das Klangbild öffnet sich weit, mit einer Klarheit und Räumlichkeit, die das Zuhören zu einer unmittelbar spürbaren Erfahrung macht. So steht ´The Raven´ seit Jahrzehnten als Maßstab für audiophile Exzellenz.

Die 2020 erschienene 180g-Pressung auf 2-LP, 45 RPM, von “Analogue Productions”, gepresst bei “Quality Record Pressings” und gemastert von Ryan K. Smith bei “Sterling Sound”, setzt die technische Qualität der Originalaufnahmen perfekt um.

(Musik 9 Punkte/High-End-Faktor 10 Punkte)

https://www.facebook.com/rebeccapidgeonmusic/

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