
RUEDI HÄUSERMANN / MARCO KÄPPELI / CLAUDE MEIER – oeppis-isch-immer
2026 (Rabbit Hill Records) - Stil: Jazz
Mit ´oeppis-isch-immer´ legen Ruedi Häusermann, Marco Käppeli und Claude Meier ein Album vor, das sich bewusst jeder schnellen Einordnung entzieht. Diese Musik wirkt vor allem nie beiläufig, sondern entwickelt sich mit ruhiger Entschlossenheit zu einem geschlossenen erzählerischen Ganzen.
Ruedi Häusermann führt das Trio mit Bassklarinette, Flöten und der Hohner-Mignon durch ein vielschichtiges Klangfeld, das zwischen kammermusikalischer Präzision, frei schwebender Improvisation und leiser Ironie oszilliert. Seine Kompositionen liefern keine fertigen Formen, sondern offene Situationen, in denen sich Motive verformen oder bewusst stehen gelassen werden. Marco Käppeli reagiert darauf mit einem Schlagzeugspiel, das ein feines Gespür für unerwartete Akzente besitzt. Claude Meier verankert das Geschehen mit Kontrabass und akustischer Bassgitarre, sorgt für ein ständiges Wechselspiel zwischen Stabilität und Bewegung.

Schon die ersten Stücke lassen erkennen, dass hier Motive auftauchen, variiert werden, sich verlieren und in veränderter Gestalt zurückkehren. Mal entsteht daraus ein ruhig kreisender Groove, mal eine spröde Kleinidee, mal eine fast liedhafte Passage, die sich langsam in experimentelle Richtungen öffnet. Die Musik bleibt dabei stets erzählerisch, ohne sich an klassische Songformen zu binden.
Besonders auffällig ist der Umgang mit Klangfarben. Bassklarinette und Kontrabass verschränken sich zu dunklen, erdigen Texturen, während Flöten, Glockenspiel oder Asa-Chan helle Kontraste setzen. Diese Kombination wirkt nie zufällig, sondern präzise ausbalanciert. Jedes Instrument übernimmt wechselnde Rollen, führt Melodien, stützt Rhythmen oder taucht für kurze Zeit in geräuschhafte Zonen ein, bevor sich das Geschehen neu sortiert.

Im Zentrum von ´oeppis-isch-immer´ steht das gemeinsame Erzählen. Die Stücke entfalten sich wie musikalische Kurzgeschichten, manchmal skizzenhaft, manchmal ausführlich, immer mit einem klaren inneren Zusammenhang. Humor blitzt auf, ohne sich aufzudrängen, Melancholie wird angedeutet, ohne ausgespielt zu werden. Diese Musik vertraut darauf, dass Zuhören ein aktiver Prozess ist, und lädt dazu ein, sich auf ihre feinen Verschiebungen einzulassen.
Auch die Verbindung von Komposition und Improvisation wirkt hier selbstverständlich. Nichts klingt beliebig. Ideen werden aufgenommen, bewusst abgebrochen und an anderer Stelle wieder aufgegriffen. Daraus entsteht eine Dramaturgie, die auf Spannung durch Veränderung setzt. Das Trio bewegt sich dabei mit großer Sicherheit durch langsame Passagen, rhythmische Figuren und offen gehaltene Klangflächen.
´oeppis-isch-immer´ wirkt intim und zugleich erstaunlich lebendig. Wer sich darauf einlässt, entdeckt eine Musik, die mit leiser Beharrlichkeit wirkt. Ruedi Häusermann, Marco Käppeli und Claude Meier zeigen hier ein Trio auf der Höhe seines Zusammenspiels, mit einer eigenen Sprache. Dieses Werk überzeugt durch Klarheit, Fantasie und erzählerische Kraft.
(8,5 Punkte)
https://haeusermann-kaeppeli-meier.bandcamp.com/album/oeppis-isch-immer



