
KARNIVOOL – In Verses
2026 (InsideOut/Sony) - Stil: Progressive Alternative Metal
KARNIVOOL melden sich mit ´In Verses´ zurück, ihrem vierten Studioalbum nach ´Asymmetry´, und präsentieren ein Werk, das die Band auf das nächste Level hebt. Der Opener ´Ghost´ ist ein Riff-Monster, das wie ein aufziehendes Gewitter über den Hörer rollt. Ian Kenny singt von Hoffnung, die zwischen Verlust und Kontrolle zerrieben wird („There’s always a wiser man / Devising a wiser plan“), während das Schlagzeug die Spannung unerbittlich hochhält. Dröhnende Gitarren wechseln sich mit melodischen Passagen ab und machen den Song zu einem intensiven Einstieg.
´Drone´ ist ein hypnotischer Prog-Song, dessen tiefer, federnder Groove die Vocals wie einen Leitfaden trägt. Das Zusammenspiel aus wuchtigem Riff und treibendem Schlagzeug erzeugt ein kontrolliertes Chaos, das die Band mit verspielten Akzenten unterlegt. Doch Kenny fordert fortwährend, die Sonne anzustarren, bis sie verbrennt („I wanna stare at the sun till it burns out“).
´Aozora´ öffnet den Himmel wie eine epische Halb-Ballade: Gitarren ziehen wie Wolken durch die Luft und die Lyrics beschwören das Bild eines blauen Himmels („If I held your face to a mirror / Would you smile / If I held your head underwater / Would you fight for your life“). Der Song steigert sich zu einem euphorischen Prog-Crescendo („Waiting for the great escape / Waiting for the great escape“), das die Band in einem weiten australischen Klangraum verankert.
´Animation´ beginnt mit zarten, gezupften Saiten, bevor Bass und Schlagzeug den Boden aufreißen. Kennys Stimme vermittelt Verletzlichkeit, bevor der Track in einen eruptiven Refrain übergeht (“How will we know at all / There’s nothing here that change”). ´Conversations´ wirkt hernach wie ein ruhiger, hypnotischer Rock-Song, introspektiv, getragen von warmem Beat und subtilen Gitarren, während die Lyrics innere Unsicherheit spiegeln („This one could have helped you / Could’ve led you anywhere you want“).
´Reanimation´ verwebt unter Mithilfe von Guthrie Govan (THE ARISTOCRATS) akustische, intime sowie bedrohliche Passagen mit prägnanten Vocals, die das Gefühl des Alleinseins in der Menge aufgreifen („Feeling alone in a crowded place“). Das schon bekannte ´All It Takes´ ist dagegen ein echter Wüterich, das Gitarrenriff simpel und gnadenlos, während die Lyrics von Konfrontation und Sehnsucht nach Klarheit handeln („Are you close enough / To see what you’ve got yourself into?“).
In ´Remote Self Control´ wirbelt Steve Judd auf seinem Schlagzeug mit kontrollierter Wucht, Kenny singt zwischen Melancholie und Zorn („Switch it over to remote self-control / Hold on“), während Gitarren und Bass den Track präzise und eindringlich formen. ´Opal´ ist eine Ballade voller emotionaler Tiefe. Lyrics über Verlust und alte Wunden treffen auf Gitarren, die verletzlich und erhaben klingen (“How far will you go to finish / This desperate attempt to revive / Something you buried long ago / Where sleeping giants should lie”). Jeder Ton lässt Traurigkeit und Widerstandskraft spürbar werden.
´Salva´ schließt das Album wie ein langes Prog-Epos: Lyrics über Flucht und Selbstfindung („Carry my heart down to the sea / And let the salt dissolve it“) werden von Gitarren, Bass und Schlagzeug in epische Wellen getragen. Ian Kenny, Drew Goddard, Mark Hosking, Jon Stockman und Steve Judd haben dieses Klangbild, das Progressive-Riffs, komplexe Rhythmen und emotionale Intensität verbindet, schließlich seit ihrer Gründung 1998 in Perth entwickelt.
´In Verses´ bezeugt, dass KARNIVOOL ihren musikalischen Ansatz über Jahrzehnte verfeinert haben. Jeder Song wirkt wie eine Szene aus einem filmischen Soundtrack, jede Melodie erzählt von Konflikten und innerer Suche. Progressive Gitarrenriffs treffen auf cineastische Klangflächen, Texte, Instrumente, Spannungen und Grooves verschmelzen zu einer neuerlichen emotionalen Erfahrung.
(8,5 Punkte)



