
PINK FLOYD – Pink Floyd At Pompeii – MCMLXXII
2025 (Columbia/Sony Music) - Stil: Progressive Rock
´Pink Floyd At Pompeii – MCMLXXII´ ist mehr als ein Konzertmitschnitt. Es ist ein Dokument eines Übergangs, ein eingefrorener Moment, in dem PINK FLOYD noch frei von Konzeptzwang und Stadiondimensionen operierten, aber bereits die klangliche Vision andeuteten, die wenig später in ´The Dark Side Of The Moon´ zur Vollendung gelangte. Die Aufnahmen im antiken Amphitheater von Pompeii, ohne Publikum, allein für Kamera und Mikrofone gespielt, wirken auch mehr als fünf Jahrzehnte später nicht wie eine Inszenierung, sondern wie ein konzentriertes Ritual. Jeder Gong, jede modulierte Synthesizertextur entfaltet sich im natürlichen Nachhall des Amphitheaters. Anschläge, Echoeffekte und Klangnuancen werden hörbar, als stünde man inmitten der akustischen Architektur der Ruinen. Das Zusammenspiel aus natürlicher Akustik, Mikrofonierung und Acht-Track-Aufnahmetechnik erlaubt, dass selbst kleinste Nuancen klar wahrnehmbar werden.
Die 2025 veröffentlichte Vinyl-Ausgabe von ´Pink Floyd At Pompeii – MCMLXXII´ bringt diese besondere Atmosphäre in einer klanglich wie editorisch überzeugenden Form erstmals geschlossen auf Schallplatte. Der von Steven Wilson neu erstellte Remix respektiert die ursprüngliche Ästhetik vollständig, öffnet den Raum jedoch behutsam, ohne den rauen, organischen Charakter der Performance zu glätten. Hier wird nichts modernisiert, sondern freigelegt.

Schon das kurze ´Pompeii Intro´ bannt die nicht vorhandenen Zuschauer. Die Synthesizerflächen von Wright atmen, modulieren subtil, und ein unterschwelliger Puls verbindet die Musiker mit der Architektur des Amphitheaters. Die Luft vibriert förmlich, während der Hall der Ruinen die Stille einfängt – das Amphitheater wird zum Teil der Musik. Jeder leise Luftzug, das minimale Echo des Steinbodens, selbst die feinen Geräusche der Instrumente vor dem ersten Schlag werden hörbar.
´Echoes – Part 1´ entfaltet sich wie ein orchestrales Klangpanorama. David Gilmours Gitarre schwebt mit kristallklarer Kontur durch den Raum, jede Biegung, jedes Vibrato ist präzise hörbar. Richard Wrights Orgel- und Pianopassagen bilden das harmonische Rückgrat, während Roger Waters’ Bass Bewegung erzeugt, jede Note körperlich spürbar im Raum. Nick Mason spielt präzise, mit einem Gespür, den langen Spannungsbogen zu tragen. Wilsons Mix hebt selbst kleine Mikrodetails hervor – das Streichen über die Snare-Sticks, die Resonanz einzelner Gongschläge – und vermittelt ein greifbares Bühnenbild.
´Careful With That Axe, Eugene´ steigert die Intensität fast filmisch. Roger Waters’ Flüstern tritt aus der Tiefe, David Gilmours Schreie hallen wie aus einem Canyon, Nick Mason setzt Rolls punktgenau, und selbst die leisesten Drumsnaps bleiben plastisch. Der Mix bewahrt dabei die Spannung zwischen Dichte und Transparenz, sodass nicht nur jeder Schrei spürbar wird.
´A Saucerful Of Secrets´ präsentiert eine monumentale Klanglandschaft. Richard Wrights Orgeln breiten sich weiträumig aus, während David Gilmour und Roger Waters durch modulierte Hallräume navigieren. Nick Mason trägt mit präzisen, luftigen Schlagzeugbewegungen zur räumlichen Tiefe bei, jeder Tom-Schlag resoniert, jede Basslinie pulsiert lebendig. Wilsons Remix trennt die Instrumente klar, sodass jede Textur, jedes Detail der Improvisation greifbar bleibt.
´Set The Controls For The Heart Of The Sun´ zeigt die perfekte Verschmelzung von Analog-Synth, Bass-Delay und Gilmours Gitarren-Obertönen. Die Sustain-Sounds wandern durch den Raum, erzeugen ein immersives Klangfeld, das sich über die Ruinen erstreckt. Nick Masons Pauken und Richard Wrights psychedelische Orgel-Sequenzen bilden das Rückgrat. Die subtilen VCS3-Modulationen lassen die Luft flimmern, während jede spacige Instrumentalbewegung plastisch hörbar bleibt.
´One Of These Days´ lebt von Roger Waters’ durch den Binson Echorec verdoppeltem Basslauf, der präzise im Raum steht, während Nick Mason das Stück mit stoischer Energie vorantreibt. David Gilmours aggressive Slide-Gitarre steht klar im Raum, modulierte Obertöne fließen frei, Richard Wrights Orgel- und Rhodes-Texturen ergänzen jede Schicht farblich. Seinen gruseligen Höhepunkt erfährt der Space Rock mit seinem einzigen Satz: “One of these days I’m going to cut you into little pieces.“
´Mademoiselle Nobs´ bleibt ein kurzer, charmant improvisierter Blues-Exkurs. Die Interaktion von David Gilmour an der Mundharmonika und dem Heulen der Borzoi-Hündin erzeugt überraschend dichte Texturen; jeder Klangpunkt ist isolierbar, vom leisen Gitarrenanschlag bis zum Nachhall des Bell-Klangs.
´Echoes – Part 2´ führt die kosmische Reise fort. David Gilmours Gesang artikuliert klar, Richard Wrights Keyboards schweben transparent, Nick Mason stützt den Rhythmus mit differenzierten Akzenten. Der Hall des Amphitheaters lässt die Instrumente atmen, erzeugt das Gefühl, dass der Klang zwischen den Steinmauern pulsiert. Der berühmte „Seagull“-Abschnitt, aufgrund falsch angeschlossener Wah-Wah-Pedale, entfaltet seine hypnotische Wirkung, der finale Aufbau wirkt unmittelbarer, verletzlicher und körperlicher als im Studio.
´Careful With That Axe, Eugene (Alternate Take)´ und ´A Saucerful Of Secrets (Unedited)´ zeigen Mikrodetails, die zuvor kaum hörbar waren: Stick-Geräusche, subtile Bass-Attacken, Gong-Resonanzen – alles wird greifbar. Die instrumentale Separation, die räumliche Tiefenstaffelung, die plastische Dynamik – selbst in den leisesten Passagen – macht diese Aufnahme zu einem audiophilen Erlebnis.

Die 2025er Vinyl-Ausgabe unterstreicht diesen Eindruck haptisch und technisch. Geschnitten von Miles Showell in der “Abbey Road”, präsentiert sich die europäische Pressung auf 180g-Vinyl außergewöhnlich ruhig, mit sauberem Rillenbild und sehr geringer Grundgeräuschkulisse. Trotz der digitalen Quellenbasis wirkt der Klang körperlich und definiert, die akustische Tiefe vermittelt den Eindruck, direkt im Amphitheater zu stehen. Das Vinyl atmet die Luft Pompeiis ein, hält die Spannung und Energie der Performance fest und lässt jede Einzelheit hörbar werden.
Mit dieser Kombination aus historischem Klangdokument, präzisem Remix von Steven Wilson und der meisterhaften Vinyl-Produktion in der “Abbey Road” wird ´Pink Floyd At Pompeii – MCMLXXII´ zu einem Erlebnis, das sowohl audiophile Detailverliebtheit als auch musikalische Magie auf höchstem Niveau verbindet.
Die matte Gatefold-Hülle mit hochglänzenden Innenfotografien, zwei bedruckten Papierschutzhüllen und dem großformatigen 90 × 60 cm Filmplakat, zusammen mit den in den Runouts eingravierten, nummerierten Stamper-Informationen, machen die Edition zu einem echten Sammlerstück.
´Pink Floyd At Pompeii – MCMLXXII´ ist damit weit mehr als eine Ergänzung im Katalog. Es ist die vielleicht eindrücklichste Momentaufnahme der frühen PINK FLOYD – eine Band zwischen psychedelischer Offenheit und kommender Meisterschaft. In dieser allerersten Vinyl-Fassung wird deutlich, warum Pompeii bis heute als Wendepunkt gilt: Hier wird hörbar, wie PINK FLOYD zu PINK FLOYD wurden.
Revolutionär. Monumental.



